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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 29. März 2016 von Peter Nindler "Siegen oder fliegen"

Innsbruck (OTS) - Die Tiroler SPÖ hat ein Führungsproblem: Parteichef
Ingo Mayr ist nicht im Landtag, Klubobmann Gerhard Reheis
seit der Landtagswahl 2013 politisch schwer angeschlagen. Deshalb
muss sich Mayr jetzt in den Landtag katapultieren.

Wenn der Tiroler SPÖ-Chef Ingo Mayr jetzt nicht durchstartet, wann
dann? Bei den jüngsten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen haben
die Sozialdemokraten dort gepunktet, wo leidenschaftliche
Persönlichkeiten glaubwürdig und kompetent die Interessen der
Bevölkerung vertreten haben – wie in Lienz. Ohne ein engagiertes und
neues personelles Angebot ging die Talfahrt allerdings weiter. Imst,
Landeck, Telfs oder Jenbach verkörpern diese bittere Erkenntnis, an
der sich die Landes-SPÖ orientieren sollte; unabhängig davon, dass
die Sozialdemokratie österreich- und europaweit in einer schweren
(Sinn-)Krise steckt.
Ein klares Profil sucht man in der Tiroler SPÖ-Spitze nämlich
vergeblich. Ingo Mayr wurde zwar 2014 neu gewählt und mit einem
Vertrauensvorschuss von 97 Prozent ausgestattet, doch präsent ist er
nicht. Dass der SPÖ-Vorsitzende nicht im Landtag sitzt, war von
Anfang an ein großer Nachteil. Trotzdem hat der Roppener
Bürgermeister und Betriebsratsvorsitzende im Arbeitsmarktservice die
Funktion des Parteichefs zuletzt aufgrund der Betriebsrats- und
Gemeindewahlen zum Nebenjob degradiert. Das ist doppelt bitter für
die SPÖ, weil Landtagsklubchef Gerhard Reheis dieses Führungsvakuum
nicht kompensieren kann und konnte.
Zu verbittert und antriebslos wirkt der ehemalige Soziallandesrat
seit der verlorenen Landtagswahl 2013, gleichzeitig klammert sich
Reheis weiterhin an seine Funktion. Die an sich stets gut
vorbereitete und konstruktive Oppositionspolitik im Landtag wird
dadurch oft unter Wert verkauft. Parteichef und Klubobmann sind nun
einmal die gewichtigsten politischen Gesichter in der 2013 aus der
Regierung geflogenen SPÖ. Das dürfte Ingo Mayr zwei Jahre vor der
Landtagswahl erkannt haben, obwohl sein geplanter Wechsel in den
Landtag ein riskantes Vorhaben ist.
Wenn die SPÖ an ihn als Parteichef und künftigen Spitzenkandidaten
glaubt, wird sie ihn dabei unterstützen. Legen sich die Genossen
quer, dürfte Mayr im Herbst Geschichte sein. Die Zuspitzung ist
nichtsdestotrotz notwendig, weil Mayr und die SPÖ mit ihrer
parteiinternen Hängepartie zusehends in die Zwickmühle geraten.
Begünstigt vom thematischen Rückenwind positioniert sich die FPÖ klar
und deutlich als Herausforderin der schwarz-grünen Landesregierung.
Und FP-Chef Markus Abwerzger hat sich bereits im Vorjahr in den
Landtag katapultiert. So gesehen bleibt Ingo Mayr gar nichts anders
übrig, als endlich Führungsqualitäten als SPÖ-Vorsitzender zu zeigen.

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