• 14.03.2016, 12:20:22
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Wiener Tierschutzverein zu Häupls Ziesel-Sager: „Enttäuschend“

Wiens Bürgermeister, selbst studierter Biologe, sieht Ziesel anscheinend nicht als bedrohte Tierart an. WTV-Präsidentin Petrovic: „Baukonzerne offenbar wichtiger als Tierschutz“.

Utl.: Wiens Bürgermeister, selbst studierter Biologe, sieht Ziesel
anscheinend nicht als bedrohte Tierart an. WTV-Präsidentin
Petrovic: „Baukonzerne offenbar wichtiger als Tierschutz“. =

Vösendorf (OTS) - Als Ziesel in Wien hat man es wahrlich nicht
leicht. Besonders wenn man sich als Nager das Areal rund um das
Wiener Heeresspital im 21. Bezirk als Lebensraum ausgesucht hat. Seit
einiger Zeit wird dort von Seiten der Stadt Wien und den Bauträgern
mit allen Mitteln versucht, die streng geschützten Nagetiere zum
Wohle eines Mega-Wohnbauprojektes zu vertreiben. Trotz massiven
Einwänden der EU-Kommission, die von Politik und Wirtschaft
konsequent ignoriert werden, wurden vor kurzen auf einem Teil des
besagten Areals Vorarbeiten genehmigt. Wie nun bekannt wurde, sollen
dort sobald die Tiere ihren Winterschlaf beendet haben, auch schon
die Bagger anrollen. Aktuell werden auf dem Areal auch bereits
fleißig Grasnarben abgetragen, damit die Tiere nach ihrem Erwachen
keine Nahrung mehr finden. Umsiedelung im Sinne des
Tierschutzgedankens sieht wahrlich anders aus.

Der Wiener Tierschutzverein (WTV) sowie viele andere
Tierschützerinnen und Tierschützer kämpfen seit Jahren darum, den
Lebensraum der Ziesel zu erhalten. „Die Tierschutzbewegung hat dem
Bauvorhaben anfangs eine gerechte Chance gegeben und auch den Bau der
so genannten Zieselbrücke akzeptiert. Wir waren zwar skeptisch, ob
die Ziesel tatsächlich übersiedeln würden, doch es bestand zumindest
die Möglichkeit. Klar war aber auch, wenn die Ziesel nicht
übersiedeln, dass dort nicht gebaut werden kann. Ein dennoch
durchgedrücktes Bauvorhaben widerspricht europäischem Recht und
österreichischem Verfassungsrecht. Es kann nicht sein, dass ein
Verwaltungsorgan nach Gutdünken mehr oder weniger wichtige Gesetze
unterscheidet“, so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Doch damit
nicht genug: Als weiterer Kompromiss wurde die Bereitstellung einer
Ausgleichsfläche für das Bauvorhaben angeregt. Trotz Baulandreserven
in Höhe von über zwei Millionen Quadratmetern kommt diese Option für
die Stadt Wien und die zuständige Wiener Umweltschutzabteilung (MA
22) nach wie vor nicht in Frage.

Ich liebe die Ziesel?

Dabei handelt es sich um eines der größten und vitalsten
Zieselvorkommen Europas. Hinzu kommt, dass die Ziesel auf Platz Eins
der Roten Liste der gefährdetsten Tierarten Österreichs stehen. Umso
paradoxer erscheinen die Aussagen, die Wiens Bürgermeister Michael
Häupl auf der Klubklausur der Wiener SPÖ zu dieser Causa tätigte und
die Ziesel gar als Hauptschuldige für die Verzögerungen im Wiener
Wohnbau nennt. „Ich liebe die Ziesel. Großartig“, meinte Häupl und
setzte nach: „Wir brauchen auch den Artenschutz, aber für tatsächlich
gefährdete Tiere. Es kann nicht sein, dass wir Ziesel mehr schützen
als Menschen“, so der Bürgermeister.

Dass diese Aussage von einem studierten Biologen kommt, ist für die
Tierschutzbewegung ein Schlag ins Gesicht. „Diese Aussage ist
eigentlich die Ankündigung eines Rechtsbruchs. Es ist enttäuschend,
dass Michael Häupl als studiertem Biologen Zusagen gegenüber
Baukonzernen offenbar wichtiger sind als die FFH-Richtlinie“, sagt
WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Auch das Argument man stelle den
Schutz der Ziesel vor die Bedürfnisse der Menschen, sei aufgrund der
enormen Baulandreserven Wiens geradezu lächerlich. „Es ist kaum noch
zu fassen, wie dreist die Regierenden in Österreich Tier-, Arten- und
Naturschutz brechen und wehrlose Geschöpfe immer wieder für
menschliches Versagen büßen müssen. Seien es nun die Krähen in
Kärnten, die Biber und Fischotter in Niederösterreich oder die Ziesel
in Wien“, so Petrovic.

Wiener Zieselfreunde?

Doch ist Bürgermeister Häupl nicht der einzige, der fragwürdige
Aussagen in der Ziesel-Causa tätigt. So ist etwa auf wien.gv.at, dem
Internetauftritt der Stadt Wien, in einem Artikel über die Ziesel zu
lesen: „Wer einen Ziesel als seltenen Gast in seinem Garten hat,
sollte sich darüber freuen und ihm seinen Lebensraum gönnen“. Ein
Schelm, wer Böses denkt. „Denn diese Prämisse hat sich die Stadt Wien
selbst definitiv nicht auf die Fahnen geschrieben“, so Petrovic.

Daher appelliert der WTV einmal mehr an die Bevölkerung, sich aktiv
am Artenschutz zu beteiligen. „Die Österreicherinnen und Österreicher
spenden gerne für bedrohte Wale oder Pandas. Das ist ehrenvoll, doch
gefährdete Tiere gibt es leider auch direkt vor unserer Haustür. Die
Ziesel sind unsere Pandas und benötigen jede nur mögliche
Unterstützung“, so Petrovic abschließend.

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