• 08.03.2016, 13:04:40
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Konjunkturerhebung 2015: Billig-Bauweisen und EU-Energiepolitik setzen Baustoffindustrie unter Druck

Baustoffindustrie gerät in Schieflage. Umsatzwachstum von 0,26% im Vorjahr. Forderung nach Baustoffneutralität und Stopp der Benachteiligungen auf EU-Ebene

Utl.: Baustoffindustrie gerät in Schieflage. Umsatzwachstum von
0,26% im Vorjahr. Forderung nach Baustoffneutralität und Stopp
der Benachteiligungen auf EU-Ebene =

Wien (OTS) - „Mit einem kaum wahrnehmbaren Umsatzwachstum von 0,26%
auf EUR 3,32 Mrd. stagniert die Baustoffindustrie weiterhin auf
geringem Niveau. Der Standardmarkt geht in fast allen Teilbranchen
zurück, die Verluste werden durch einzelne Großprojekte abgefedert.
Der Beschäftigtenstand konnte mit knapp 14.000 Personen dennoch
gehalten werden“, fasst Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des
Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, die
Hauptergebnisse der alljährlichen Konjunkturerhebung unter seinen
über 300 Mitgliedsbetrieben zusammen.

Hohe Abhängigkeit von Großprojekten – rückläufiger
Standardmarkt

Die Baustoffindustrie ist in hohem Maße von Einzelprojekten abhängig.
Das neue Rapid-Stadion, Fußgängerzonen oder Tunnelbauprojekte konnten
zwar Verluste abdecken, insgesamt geht der Trend aber nach unten, wie
ein Blick auf die Branchenergebnisse zeigt.

Zuwächse gab es etwa bei der Beton- und -fertigteilindustrie (+6,61%
auf EUR 459 Mio.), der Transportbetonindustrie (+5,31% auf EUR 434
Mio.) oder der Ziegelindustrie (+4,16% auf EUR 146 Mio.) – allesamt
Branchen, die von den Großprojekten profitieren. Verluste
verzeichneten die Naturwerksteinindustrie (-10,61% auf EUR 31 Mio.),
die Feinkeramische Industrie (-7,69% auf EUR 178 Mio.) und die Putz-
und Mörtelindustrie (-5,14% auf EUR 380 Mio.).

Die Schotterindustrie hatte im vergangenen Jahr ein Minus von 4,14%
(Umsatz EUR 101 Mio.), die Sand- und Kiesindustrie ein Minus von
4,12% (Umsatz EUR 141 Mio.). „Diese zwei Branchen sind auch die
ersten, die fehlende großflächige Projekte wie den Straßenbau zu
spüren bekommen, umso mehr begrüßen wir das Bekenntnis des neuen
Verkehrsministers zum Infrastrukturausbau“, so Pfeiler.

Wohnbaupaket als Hoffnungsträger – Branche fordert
Baustoffneutralität

„Wir geraten zunehmend in eine Schieflage, die durch ein
Ungleichgewicht in der Behandlung von Baustoffen bei der Errichtung
neuer Wohneinheiten weiter verstärkt wird“, betont Manfred Asamer,
Obmann des Fachverbandes. Derzeit herrscht in vielen Bundesländern
bei der Schaffung von Wohnraum für Einkommensschwache oder neue
Mitbürger eine Billig-Schienen-Mentalität.

„Anforderungs- und Qualitätskriterien bei Bautechnik oder
Energieeffizienz werden nach unten nivelliert, Wertbeständigkeit und
Nachhaltigkeit spielt bei diesen Überlegungen nur eine untergeordnete
Rolle. Dies läuft dem Gedanken des ökologisch, gesellschaftlich und
finanziell verantwortungsvollen Bauens massiv zuwider. Wer billig
baut, baut letztlich teuer“, führt Asamer aus.

„Selbstverständlich begrüßen wir das Wohnbaupaket und die Schaffung
von neuem Wohnraum, allerdings müssen gleiche Kriterien für alle
Bauweisen gelten und auch Unternehmen aus dem Massivbausektor zu den
Ausschreibungen eingeladen werden“, fordert Asamer eine
Baustoffneutralität ein.

Energiekosten und Ungleichbehandlungen auf EU-Ebene verstärken
Schieflage

„Unsere Branche ist in einer doppelten Zwickmühle. In Österreich
werden uns immer höhere Ökostromkosten aufgebürdet, gleichzeitig sind
wir im Energiesektor mit massiven Benachteiligungen gegenüber
osteuropäischen Ländern konfrontiert“, so Robert Schmid,
stellvertretender Obmann des Fachverbandes.

Bei den Ökostrompauschalen rechnet die Branche für das laufende Jahr
mit einer Steigerung der Belastung um bis zu 36% gegenüber 2015. Seit
2013 ist es für die Unternehmen durch höhere Ökostrompauschalen zu
einer Verdoppelung der Abgaben gekommen. „Ökostrom Ja, aber er darf
nicht ad infinitum durch die Endverbraucher finanziert werden. Wir
fordern ein Regime, das marktreife Technologien forciert und
Fördermittel endlich effizient einsetzt“, betont Schmid.

Neben den zunehmenden finanziellen Belastungen weist Schmid auch auf
den steigenden bürokratischen Aufwand hin, der sich durch das
Energieeffizienzgesetz ergibt. „Die Energieaudits oder
Zertifizierungssysteme führen sich nicht von selbst durch. Sie
bedeuten zusätzliche personelle und administrative Kosten, die uns
aufgebürdet werden“, so Schmid.

Zur Ungleichbehandlung auf europäischer Ebene führt Schmid aus, dass
osteuropäischen Ländern, beispielsweise Polen, weiterhin Emissionen
für ihre Kohlekraftwerke zugestanden werden. „Diese Emissionen werden
dafür unseren Unternehmen bei der Produktion von Kalk, Ziegel oder
Zement wieder weggenommen. Dies ist nicht akzeptabel. Wenn es unsere
heimische Politik mit der Re-Industrialisierung und der
Standortstärkung ernst meint, dann muss sie auf EU-Ebene entschieden
gegen diese Ungleichbehandlung auftreten“, pocht Schmid.

Ausblick 2016 – geringe Hoffnung auf Wachstum

Beim Ausblick auf dieses Jahr geben sich die Fachverbandsvertreter
zurückhaltend. „Vieles wird davon abhängen, wann die Wohnbauoffensive
am Markt ankommt, wir rechnen nicht vor dem zweiten Halbjahr damit.
Wenn wir die Zahlen des Vorjahres halten können, müssen wir zufrieden
sein“.

Abschließend fasst Asamer die zentralen Forderungen des Fachverbandes
für 2016 zusammen:
• Baustoffneutralität bei Vergabe von Aufträgen und keine politisch
motivierte Bevorzugung einzelner Bauweisen
• Belastungsstopp bei Ökostromzuschlägen und Überarbeitung des
Regimes
• Forcierung des Infrastrukturausbaus, gerade auch in ländlichen
Regionen (PWK171/us)

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