• 08.03.2016, 10:26:14
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Solidarität ist wichtiger denn je

Gewalt an Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem

Utl.: Gewalt an Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem =

Wien (OTS) - Anlässlich des Internationalen Frauentages rufen die
autonomen österreichischen Frauenhäuser zu Solidarität gegen Gewalt
an Frauen auf.

Das Jahr 2016 hat mit erschreckenden Szenen begonnen: Unzählige
Frauen mussten schwere sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht
erleiden. Wenige Tage später wird bekannt, dass viele Täter einen
ausländerrechtlichen Status haben. In der darauffolgenden Diskussion
scheint für viele die Ursache von sexueller Gewalt an Frauen klar: Es
sei ein Problem, das mit den Flüchtlingen ins Land getragen wird.

Realität und Relativierung

In der Auseinandersetzung mit den Vorfällen in der Silvesternacht,
die nicht auf Köln beschränkt waren, auch in Wien und Salzburg haben
Frauen von schweren sexuellen Übergriffen berichtet, wurde die
Realität oftmals ausgeblendet. Nämlich dass Gewalt an Frauen nicht
mit der Flüchtlingswelle, die seit dem Sommer 2015 Österreich und
Deutschland erreicht hat, importiert wird. In Österreich spricht die
Polizei durchschnittlich jeden Tag über 20 Wegweisungen aus, zum
Großteil aufgrund der Gewalttätigkeit eines Mannes gegen eine Frau.
Diese Zahl ist seit mehreren Jahren konstant. Sexuelle Gewalt
erleiden Frauen hauptsächlich im privaten Umfeld, nicht auf der
Straße. Viele feministisch denkende Personen, die sich öffentlich zu
den Vorfällen geäußert und auf diese Fakten hingewiesen haben, waren
mit dem Vorwurf der Relativierung konfrontiert. Dass sie, um nicht
rassistisch zu sein, die Vorfälle entdramatisieren würden.

Weder Rassismus noch Verharmlosung: Solidarität ist gefragt!

Die Fakten sollten die Straftaten in der Silvesternacht nicht
verharmlosen. Vielmehr sollten sie aufzeigen, dass (sexuelle) Gewalt
an Frauen ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Sie sollten
fremdenfeindliche Aufwiegelungen entkräften. Noch vor wenigen
Monaten, im Sommer 2015 wurde sexuelle Gewalt an Frauen im Kontext
der Ausweitung des § 218 StGB zur sexuellen Belästigung ins
Lächerliche gezogen. Einen „Pograpsch-Paragrafen“ brauche es nicht,
hieß es von denjenigen, die jetzt sexuelle Gewalt an Frauen als
„Flüchtlingsproblem“ abtun. Die autonomen österreichischen
Frauenhäuser stellen sich klar gegen diese Instrumentalisierung.
Vielmehr fordern wir Solidarität gegen (sexuelle) Gewalt an Frauen,
unabhängig davon, wer der Täter ist.

Gleichstellung statt Gewalt

Anlässlich des Internationalen Frauentags wollen wir erneut darauf
hinweisen, dass Gewalt aufgrund des Geschlechts jede Frau treffen
kann, unabhängig ihrer Herkunft oder Religion. Sie betrifft Frauen,
die in Österreich geboren und aufgewachsen sind ebenso wie Frauen,
die geflüchtet sind. Die Täter sind Männer, die in Österreich geboren
und aufgewachsen sind ebenso wie Männer, die geflüchtet sind. Es ist
nicht die Herkunft, die Gewalt an Frauen legitimiert, sondern es sind
die traditionellen Wertvorstellungen, die mit traditionellen
Geschlechterrollen einhergehen. Das gilt es zu thematisieren, hier
gilt es kulturübergreifend anzusetzen: Die Grundlage für die
Verhinderung von Gewalt an Frauen ist die Gleichstellung von Männern
und Frauen.

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