• 08.03.2016, 09:25:40
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Nierenzellkrebs: Therapieumstellung kann Behandlungserfolg signifikant verbessern

Wien (OTS) - Ein Forscherteam des Comprehensive Cancer Center (CCC)
der MedUni Wien und des AKH Wien konnte zeigen, dass eine
Therapieumstellung im Bereich des metastasierten Nierenzellkarzinoms
die durchschnittliche Überlebenszeit signifikant verlängern und die
Verträglichkeit der Therapie deutlich verbessern kann. Untersucht
wurde, inwieweit der Einnahmerhythmus von Sunitinib, einem Wirkstoff,
der in der zielgerichteten Therapie zum Einsatz kommt, die
Behandlungsergebnisse beeinflusst. Das Ergebnis: Bei 71 Prozent der
PatientInnen führte die Therapieumstellung zu einer Verlängerung des
Überlebens von durchschnittlich 33 Monaten auf rund 75 Monate.

Sunitinib, ein sogenanntes „Small Molecule“, bremst das Wachstum der
Tumorzellen, indem es bestimmte Signalwege der Zelle unterbricht, und
wird bereits seit einigen Jahren bei der Behandlung des
metastasierten Nierenzellkarzinoms eingesetzt. Manuela Schmidinger,
Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien und des AKH
Wien sowie Mitglied des CCC über die Arbeit: „Wir arbeiten permanent
an der Verbesserung der Therapien, die uns zur Verfügung stehen. Das
heißt, dass wir nicht nur neue Substanzen erforschen, sondern auch
versuchen, vorhandene effizient zu kombinieren oder die Dosierungs-
oder Einnahmeschemata zu optimieren. Bei der vorliegenden Therapie
wollten wir prüfen, ob unsere PatientInnen von einem anderen
Einnahmerhythmus profitieren.“

Zyklus verkürzt

Im Normalfall wird der Wirkstoff über einen Zeitraum von vier Wochen
einmal täglich in Form einer Kapsel eingenommen. Danach folgt eine
zweiwöchige Pause. Die/der behandelnde Ärztin/Arzt entscheidet über
die Anzahl der notwendigen Zyklen. Im Rahmen der Therapieumstellung
wurde das Präparat lediglich zwei Wochen lang verabreicht, gefolgt
von nur einer einwöchigen Pause.

Die Ergebnisse sind klar: die Veränderung des Einnahmerhythmus hat
bei 71 Prozent der PatientInnen zu einer Verlängerung der
Überlebenszeit von durchschnittlich 33 Monaten auf rund 75 Monate
geführt. Das im Vergleich zu historischen Daten bessere Abschneiden
kann damit erklärt werden, dass die zweiwöchige Therapiepause zu
lange ist und dem Tumor damit ein neuerliches Wachstum ermöglicht
wird. Ein weiterer Grund für die verbesserten Überlebensdaten könnte
sein, dass durch diesen Einnahmerhythmus die Therapie besser
verträglich ist und damit weniger Dosisreduktionen notwendig sind.

In diesem Sinne stellten Schmidinger und ihre MitarbeiterInnen eine
Verminderung der Nebenwirkungen der Therapie fest. So konnten zum
Beispiel übliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Entzündungen und
Schmerzen im Bereich der Mundschleimhaut, Übelkeit oder das
Hand-Fuß-Syndrom deutlich reduziert werden. Die Daten wurden am ASCO
2015, dem größten Krebskongress der Welt, präsentiert. Im Herbst 2015
erfolgte ein Update der Daten, das die Ergebnisse bestätigt.

Über Nierenkrebs

In Österreich werden pro Jahr etwa 1.230 Menschen mit der Diagnose
Nierenkrebs konfrontiert. Die meisten von ihnen leiden an einem
Nierenzellkarzinom, der häufigsten Art von bösartigen Tumoren der
Niere. Die Heilungschancen hängen sehr stark vom Stadium ab, in dem
der Tumor diagnostiziert wird. Hat der Tumor bereits Metastasen
gebildet, ist die Prognose schlecht – das durchschnittliche Überleben
beträgt in etwa 33 Monate.

Immuntherapie beim Nierenzellkrebs ab Mai zugelassen

Auch im Bereich der Immuntherapie bieten MedUni Wien und AKH Wien
eine erfreuliche Neuigkeit: im Rahmen eines „Named Patient Programs“
kommt die Substanz Nivolumab bei der Behandlung des
Nierenzellkarzinoms bereits jetzt zum Einsatz. Schmidinger: „Das ist
sehr positiv, denn die Europäische Arzneimittel-Agentur EMEA wird das
Medikament für diesen Einsatzbereich voraussichtlich erst im Frühjahr
zulassen. Der Grund, warum wir Nivolumab in einem „Named Patient
Program“ einsetzen können, ist, dass sich in einer Phase-III-Studie
ein deutlicher Überlebensvorteil der PatientInnen gezeigt hat.“

Nivolumab ist bereits für die Behandlung des malignen Melanoms und
von Lungenkrebs zugelassen. Ein „Named Patient Program“ ist ein
Programm, in dem Therapien, die nur für andere Indikationen oder in
anderen Ländern zugelassen sind, eingesetzt werden. Es kommt
PatientInnen zugute, die alle Therapieoptionen ausgeschöpft haben
oder keinen Studienkriterien entsprechen, wenn ein signifikanter
Therapieerfolg zu erwarten ist.

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