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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. März 2016. Von ALOIS VAHRNER. "Heta-Bombe tickt bedrohlich weiter".
Innsbruck (OTS) - Wenige Tage vor Ablauf der Frist kommenden Freitag
lehnen die Gläubiger auch das von Finanzminister Hans Jörg Schelling
aufgebesserte Angebot ab. Im Heta-Milliardenpoker ist zurzeit nur
eines gewiss: sein ungewisser Ausgang.
Commerzbank-Chef Martin Blessing, dessen Institut ebenfalls Anleihen
der Heta (der früheren Hypo Alpe Adria) hält, hatte vor Wochen
bereits damit gerechnet, dass es zu Nachbesserungen des
Rückkaufangebotes kommen wird: „Die Gans wird in den letzten fünf
Minuten knusprig.“ Mittlerweile ist es längst 5 vor 12, und
Finanzminister Schelling hatte die Gans tatsächlich etwas knuspriger
gemacht: Den Gläubigern wurde eine 18-jährige Anleihe mit
Bundesgarantie angeboten, wenn sie ihre ursprünglichen Papiere zu 75
Prozent des Nominale abgeben. Der Ausfall wäre damit wohl geringer
ausgefallen.
Gestern kam von einer großen Gläubigergruppe, die nach eigenen
Angaben etwa 5 von insgesamt etwa 11 Mrd. Euro Euro an Anleihen
vertritt, erneut eine Abfuhr für das Offert – dabei hatten auch
deutsche Analysten erwartet, dass das neue Angebot, nach der
Banker-Aussage also die Heta-Gans, jetzt schmackhaft genug sei.
Das ist sie offenbar noch immer nicht. Daher muss sich in diesem
Nervenkrieg jetzt herausstellen, ob sich doch noch jemand bewegt,
bevor es zu spät ist. Viel weiter, als er das getan hat, wird sich
Schelling wohl nicht mehr bewegen können. Auch, weil bereits das
nachgebesserte Angebot den Widerwillen anderer Gläubigergruppen, die
nachrangige Heta-Anleihen halten, hervorgerufen hat. Für diese meinte
gestern die Deutsche Bank, dass eine noch stärkere Ungleichbehandlung
der Gläubigergruppen nicht hinnehmbar sei.
Der Krimi um die aus Kärntner Großmannssucht und mangelnder Kontrolle
aus dem Ruder gelaufene Hypo Alpe Adria
steuert auf einen neuen Höhepunkt zu. Derer mussten die Bürgerinnen
und Bürger schon einige erleben, Milliarden an Steuergeldern hat der
Skandal schon verschlungen. Bleiben alle Seiten (Finanzministerium,
Land Kärnten und die Gläubigergruppen) anders als beim großen
Verhandlungsdurchbruch mit Bayern bei ihren verhärteten Positionen,
dann gibt es tatsächlich den großen Knall. Bei diesem würde es nur
Verlierer geben. Dem Land Kärnten droht die Pleite mit unabsehbaren
Folgen, dem durch die bisherige Vorgangsweise ramponierten
Finanzplatz Österreich ein weiterer schwerer Dämpfer. Und in den
Sternen steht, ob die Gläubiger dann tatsächlich zu mehr Geld kommen,
als jetzt angeboten ist. Gläubiger sind vor allem
Finanzinstitutionen, also Vertreter einer Branche, die nach Ausbruch
der Finanzkrise nicht nur in Österreich, sondern weltweit mit
Irrsinns-Summen an öffentlichen Geldern vor dem Kollaps bewahrt
werden musste.
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