• 04.03.2016, 16:40:16
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Kranksein in Theresienstadt. Nachdenken über Medizingeschichte im Holocaust.

Simon Wiesenthal Lecture von Anna Hájková (University of Warwick)

Utl.: Simon Wiesenthal Lecture von Anna Hájková (University of
Warwick) =

Wien (OTS) - „Erst nach dem Krieg wurde mir bewusst, dass er
eigentlich Leute operierte, die für den Tod bestimmt waren. Aber er
war vor allem einmal Arzt“, erinnerte sich die ehemalige
Krankenschwester Emilie Valentová 1979 an ihren ehemaligen Chef,
Richard Stein, den so herausragenden Augenarzt, der seine Karriere in
Brno begann, sie in Theresienstadt fortsetzte und nach seiner
Emigration schließlich zum Begründer der Augenheilkunde in Israel
wurde. In einer Umgebung des Hungers, der Angst vor den Transporten
in die Vernichtungslager und inmitten der zusammengepferchten
Menschen funktionierte die medizinische Versorgung im Ghetto
Theresienstadt dennoch gut, und das Gesundheitswesen war vielleicht
die bestorganisierte Abteilung der jüdischen Selbstverwaltung.

Auch wenn Krankheiten die Erfahrungen der Holocaustopfer maßgeblich
definierten, gibt es überraschend wenig Forschung zur ärztlichen
Versorgung der Opfergesellschaft. Die Medizingeschichte des Holocaust
untersuchte in erster Linie die medizinischen Zwangs-versuche in den
Konzentrationslagern sowie die Euthanasie oder widmete sich
Biografien jüdischer Ärzte. Der Vortrag wird sich demgegenüber auf
die Geschichte der eigentlichen medizinischen Versorgung
Theresienstadts konzentrieren, sich mit den Ärzten, den Krankheiten
und Patienten des Lagers beschäftigen. Mit diesem Blick auf
medizinische Fürsorge in Extremsituationen wird nach den
Kontinuitäten und Diskontinuitäten des Medizinerberufs gefragt und
erkundet, welchen Platz Richard Steins Augenoperationen in der
Medizingeschichte des 20. Jahrhunderts einnehmen.

Anna Hájková ist Assistant Professor der modernen kontinentalen
Geschichte an der University of Warwick. Ihr Buchmanuskript "The Last
Ghetto: An Everyday History of the Theresienstadt Ghetto, 1941-1945",
erhielt sowohl den Irma-Rosenberg- als auch den
Herbert-Steiner-Preis. Sie ist Mitherausgeberin der "Theresienstädter
Studien und Dokumente" sowie von "Alltag im Holocaust: Jüdisches
Leben im Großdeutschen Reich, 1941-1945". 2015/16 ist sie
Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Universität
Erfurt.

Kranksein in Theresienstadt. Nachdenken über Medizingeschichte im
Holocaust.

 Simon Wiesenthal Lecture von Anna Hájková (Ass.Prof. University of
 Warwick).
 
 Moderation: Prof. Dr. Bertrand Perz, stellvertr. Vorstand des
 Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien.

 Datum:   10.3.2016, 18:30 - 20:00 Uhr
 Ort:     Haus-, Hof- und Staatsarchiv Dachfoyer
          Minoritenplatz 1, 1010 Wien
 Url:     www.vwi.ac.at

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