- 03.03.2016, 12:12:08
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MAK zeigt "MODE-UTOPIEN. Haute Couture in der Grafik"

Wien (OTS) - Die Haute Couture ist keine Erfindung des 20.
Jahrhunderts, bereits seit der frühen Neuzeit sind "gehobene
Schneiderei" und kostbare Accessoires en vogue. Anhand von Blättern
des ausgehenden 15. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre zeichnet die
MAK-Ausstellung "MODE-UTOPIEN. Haute Couture in der Grafik"
eindrucksvoll die historisch gewachsene Lust am Entwerfen zwischen
Utilität und Utopie nach. Eine Auswahl von 200 Beispielen aus der
Kunstblätter, illustrierte Bücher, Plakate und Zeitschriften
umfassenden MAK-Sammlung lässt fünf Jahrhunderte europäischer Haute
Couture Revue passieren.
Die Ausstellung "MODE-UTOPIEN" versteht sich dabei nicht als
Gesamtüberblick über die Entwicklung der Modezeichnung, sondern gibt
anhand ausgewählter Highlights aus dem Bestand der MAK-Bibliothek und
Kunstblättersammlung einen Überblick über die Phänomene der
europäischen Modezeichnung. Die Renaissance, die Ära des Aufbruchs
und der neuen Trends, manifestiert sich im Einsatz von neuartigen
Stoffen und Materialien, wie erhaltene Bildquellen der Kupferstecher
Heinrich Aldegrever, Jost Amman und Jacques Callot aus dem 15. bis
frühen 17. Jahrhundert belegen. Als Glanzpunkt aus dieser Zeit
präsentiert die Ausstellung einen 140 cm langen Holzschnitt von
Heinrich Wirri, der anlässlich der Hochzeit Karls II., Erzherzog von
Österreich, mit Prinzessin Maria Anna von Bayern entstand. Die in
eine Festschrift eingebundene Grafik gibt ein getreues Bild höfischer
Prachtentfaltung wieder.
Eine kuriose Satire auf den neuen Stil der Barockzeit und des
Klassizismus stellt die 1771 entstandene Kupferstichserie "Mascarade
à la Grecque" des französischen Architekten und Dekorateurs Ennemond
Alexandre Petitot dar. Wie Architektur und Malerei präsentiert sich
die Aristokratie der Barock- und Rokokozeit in exzentrischer Weise,
voll Bewegtheit und reichem Dekor. So verbargen riesige Perücken die
eigenen Haare, weißer Puder verdeckte den natürlichen Teint und das
Kleid nahm Formen an, die denen des Körpers in keiner Weise
entsprachen.
Mit der Khevenhüller-Chronik von 1625 präsentiert "MODE-UTOPIEN.
Haute Couture in der Grafik" ein weiteres herausragendes Werk der
MAK-Sammlung, das bisher der Öffentlichkeit kaum vorgestellt wurde.
Großformatige Temperaillustrationen dokumentieren detailgetreu die
Geschichte der Familie, deren Persönlichkeiten und Besitztümer. Die
prunkvolle Bekleidung der Dargestellten war Vorbild für die
Modeentwürfe des Historismus.
Den historischen Stellenwert des Modejournalismus vermittelt die
Präsentation mit einem Einblick in die Anfänge der Modezeitschriften.
Das von 1786 bis 1827 erschienene "Journal des Luxus und der Moden",
das Pendant zur französischen "Élégance Parisienne", war eine der
ersten deutschsprachigen Modezeitschriften, deren reich kolorierte
Kupferstiche an der Schwelle vom Klassizismus zum Biedermeier
standen. Enge, taillenbetonte und Figur formende Korsetts lösten die
luftigen Chemisenkleider der Empire-Zeit ab. Kreisrunde Reifröcke
wurden durch zahlreiche Unterröcke gestützt, Ärmel bekamen mit
Rosshaar und Fischbein ballonartiges Volumen. Gemusterte Stoffe mit
Blümchen, Schleifen und Rüschen sowie Hüte mit Bändern und
Blumenschmuck kamen opulent zum Einsatz. Die Einleitung zum ersten
Heft behandelt das Thema Luxus in der Mode, wobei Luxus durchaus die
verschwenderische Üppigkeit im Alltag meinte.
Als eigentlicher Begründer der Haute Couture gilt der Engländer
Charles Frederick Worth. In den 1860er Jahren erhob er die "gehobene
Schneiderei" zu einem eigenen Industriezweig. Worth gründete 1868 den
Verband Chambre Syndical de la Haute Couture, um seine Entwürfe vor
Kopien zu schützen. Bis heute reguliert der Verband die Kriterien für
die Teilnahme an dieser elitären Vereinigung. Paul Poiret, Schüler
von Worth, ging als erster Modeschöpfer dieses Genres hervor.
Anlässlich seines Wienbesuchs im Jahr 1911 kam er mit der Wiener
Werkstätte in Kontakt und war von deren Textilien begeistert.
Entwürfe von Maria Likarz, Felice Rix, Dagobert Peche und Eduard
Wimmer-Wisgrill zeigen die wechselseitige Inspiration auf, die im
Mappenwerk "Mode Wien 1914/15" gipfelt.
Seit 1863 sammelt die MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung – dem
Gründungsauftrag des Museums entsprechend – Vorlagen zur Verbesserung
der handwerklichen und ästhetischen Qualität der Erzeugnisse des
österreichischen Kunstgewerbes und der Industrie. Diese Sammlung
umfasst heute 250 000 Bände (Handschriften und Frühdrucke,
Vorlagebücher für alle Bereiche des Kunstgewerbes sowie
Künstlerbücher vom 15. bis ins 21. Jahrhundert) und 400 000
Kunstblätter (Ornamentstiche, Vorlageblätter, Stilkopien,
Entwurfszeichnungen, Gebrauchsgrafik, Plakate und Fotografien von der
Renaissance bis in die Gegenwart).
Die Idee zur Ausstellung "MODE-UTOPIEN. Haute Couture" entstand in
einer über sechsjährigen Aufarbeitung des umfangreichen Bestandes der
sogenannten Gebrauchsgrafik der MAK-Bibliothek und
Kunstblättersammlung. Die Ergebnisse dieses umfassenden
Forschungsprojekts fließen in die 2017 erscheinende Publikation
"Ephemera. Die Gebrauchsgrafik in der Kunstblättersammlung des MAK"
ein.
PRESSEDATEN
Press Preview: Dienstag, 12. April 2016, 10:30 Uhr Eröffnung: Dienstag, 12. April 2016, 19:00 Uhr Ausstellungsort: MAK-Kunstblättersaal, MAK, Stubenring 5, 1010 Wien Ausstellungsdauer: 13. April – 4. September 2016 Öffnungszeiten: Di 10:00–22:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr, Jeden Dienstag 18:00–22:00 Uhr Eintritt frei Kuratorin: Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv MAK-Eintritt: € 9,90 / ermäßigt € 7,50 / Familienkarte € 13 Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre
Kuratorinnenführung: Do, 14.4.2016, 17:00 Uhr, mit Kathrin Pokorny-Nagel Dialogführung: Zurück in die Zukunft So, 24.4.2016, 16:00 Uhr, mit Brigitte Felderer Im Fokus stehen kostbare Modepublikationen der Bibliothek und Kunstblättersammlung. Die Entwürfe, zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien entstanden, entfalten eine Geschichte der Zukunft, die bis heute nicht an Relevanz verloren hat. MAK4FAMILY: Mode zum Anziehen – Ausziehen – Umziehen Workshop für die ganze Familie (ab 4 Jahren) Sa, 14.5.2016, 14:00–16:00 Uhr Sa, 28.5.2016, 14:00–16:00 Uhr Wir holen uns modische Ideen vom 16. Jahrhundert bis heute und kreieren eigene Modelinien – die MINI MAK Haute Couture. Es wird gezeichnet, gerissen, geklebt und getackert. Kosten: Kinder € 2, Begleitpersonen € 7,50 Information und Anmeldung: T +43 1 711 36-298, [email protected] MINI MAK Tour: Mode-Utopien: Mode zum Anziehen – Ausziehen – Umziehen. Ein Rundgang durch die Ausstellung So, 15.5.2016, 11:00 Uhr Symposium: Parallel zur Ausstellung findet ein Symposium statt: DAS SYSTEM MODE / REVISITED – (Psycho-)Analytische Zugänge Fr, 24. – Sa, 25.6.2016 MAK-Vortragssaal Eine Kooperation von "Wiener Psychoanalytische Akademie" und MAK.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK





![Vorschau Bild von Ennemond Alexandre Petitot, Bergere à la Grecque
[Schäferin im griechischen Stil], aus der Serie Mascarade à la
Grecque [Maskerade im griechischen Stil], Parma, 1777, Radierung](https://core2023.ots.at/api/v1/file/2016/03/03/OBS/OBS_20160303_OBS0023_1457003540_medium.jpg)

