• 25.02.2016, 09:00:02
  • /
  • OTS0024 OTW0024

Eine neue Strategie für Europa: Dynamik durch soziale und ökologische Innovation

Wien (OTS) - Die Idee der Europäischen Union war über Jahrzehnte
Garant für Integration, Frieden und Wohlstandssteigerung in Europa.
Heute droht sie zu scheitern, die Finanzmarktkrise und die
Wirtschaftsflaute der vergangenen Jahre sowie die daraus
resultierenden sozialen und finanziellen Verwerfungen bringen
zunehmend Verteilungskämpfe mit sich. Auf diesem Nährboden entstehen
auch Spannungen zwischen den Mitgliedsländern. Die mögliche
Abspaltung Großbritanniens belegt den Verlust an Attraktivität dieser
Gemeinschaft. Vor diesem Hintergrund muss die EU einen neuen Weg
finden, um Wachstum und Beschäftigung zu stärken.

Ein neuer Weg für die EU muss über eine neue Belebung der
Wirtschaftsdynamik führen, gegründet auf sozialen und ökologischen
Innovationen, um die gesellschaftliche Kohärenz wieder zu stärken und
sich den Herausforderungen ökologischer Nachhaltigkeit zu stellen.
Ökonomische Dynamik ist dabei nicht an den Wachstumsraten des
Bruttoinlandsproduktes zu messen, denn diese Größe ist angesichts
sozialer Unsicherheit und ungebremst zunehmender Umweltbelastung
immer weniger in der Lage, den Lebensstandard der Bevölkerung
abzubilden. Die EU braucht andere Leitziele und neue Strategien.

Dies ist das Resümee des internationalen Forschungsnetzwerkes
"Welfare, Wealth and Work for Europe - WWWforEurope" unter Führung
des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), das
im Jahr 2012 von der Europäischen Kommission beauftragt wurde,
Lösungsvorschläge zu Europas drängenden Problemen zu erarbeiten.
Basierend auf seinen vierjährigen Forschungsarbeiten entwickelte das
Konsortium eine Strategie, wie die EU durch soziale und ökologische
Innovation auf den Weg zu neuer Dynamik gebracht werden kann. Das
Abschlussdokument wird WIFO-Leiter Prof. Dr. Karl Aiginger heute dem
Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission überreichen.

Orientierung auf drei Leitziele

Das Projekt WWWforEurope skizziert einen neuen Weg für Europa,
ausgerichtet auf die drei Leitziele:

- Wirtschaftliche Dynamik basiert auf der Offenheit zu
Strukturerneuerung, sozialer Mobilität und Innovation, um den
Lebensstandard für alle Bevölkerungsteile zu steigern.

- Soziale Inklusion erfordert die forcierte Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit, eine gerechtere Einkommens- und Vermögensverteilung
und eine höhere Chancengleichheit auch aus Genderperspektive.

- Ökologische Nachhaltigkeit verpflichtet zu Senkung von
Ressourcenverbrauch und Emissionen.

Voraussetzung für die Erreichung der Ziele ist die
Berücksichtigung von drei Prinzipien:

- Alle drei Ziele müssen simultan mittels eines systemischen und
umfassenden Ansatzes angepeilt werden. Isolierte Strategien sind
inneffizient, teuer und liefern suboptimale Ergebnisse.

- Ein neues Verständnis von Wettbewerbsfähigkeit begreift
offensiv-innovative Standards im Umwelt- und Sozialbereich als
Wettbewerbsvorteile und setzt auf die Innovationskraft von
Unternehmen, die die dadurch entstehenden Chancen auf internationalen
Märkten wahrnehmen können.

- Die Umsetzung der Ziele soll in zwei Stufen erfolgen: Die erste
Stufe nutzt die gesteigerte Dynamik der Wirtschaft zur Senkung von
Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung und für den sozioökologischen
Umbau der Wirtschaftsstruktur in der EU. Auf Basis dieser neuen
Struktur werden in der zweiten Stufe die Entkoppelung der
Wohlfahrtsentwicklung vom Wirtschaftswachstum und der Umstieg auf
nachhaltige Produktionsweisen möglich.

Die sieben Hebel des Wandels

Zur Realisierung dieser Ziele hat WWWforEurope ein Programm
ausgearbeitet, das sich über sieben Politikfelder spannt und dort
Reformen als Hebel des Wandels identifiziert:

- Innovationen: Sie sind die wichtigste Komponente des Fortschritts,
müssen sich aber vor allem auf die Senkung des Verbrauchs von
Energie- und Umweltressourcen konzentrieren und nicht auf die
Einsparung von Arbeitskraft.

- Dynamik: Zur Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage sind
sowohl eine Verringerung der Einkommensunterschiede und eine Anhebung
der Entwicklung der realen Einkommen an jene der Produktivität als
auch ein Investitionsschub zur Dekarbonisierung der Gesellschaft
notwendig.

- Wohlfahrt: Neue soziale Entwicklungen erfordern einen
grundlegenden Wandel in der Ausrichtung der sozialen
Sicherungssysteme von kurativen Maßnahmen zu verstärkter Prävention.
Dies bedingt eine Abkehr von sozialen Kompensationsleistungen hin zu
sozialen Investitionen in Bildung, Gesundheit und Arbeitsmarkt.

- Arbeit: Maßnahmen zur Verbesserung der Qualifikation von
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sollen eine individuelle
Verringerung der Arbeitszeit erlauben, ohne das Armutsrisiko zu
steigern. Eine symmetrische Flexibilisierung der Arbeitszeit erlaubt
es Unternehmen, auf Nachschwankungen zu reagieren, und
Arbeitskräften, ihre Zeitaufteilung entsprechend ihrer
Work-Life-Balance anzupassen.

- Energie: Die Dekarbonisierung des Energieverbrauchs muss zunächst
an der Beseitigung der ausgabenintensiven Subventionierung fossiler
Energieträger ansetzen. Gemeinsam mit einer technologiegetriebenen
Verringerung des Energieverbrauchs, höheren Umweltstandards und
verstärkten Investitionen im Umweltbereich muss in Zukunft eine
absolute Entkoppelung des Wirtschaftswachstums vom CO2-Ausstoß
erreicht werden.

- Öffentlicher Sektor: Mit einem Anteil von knapp 50% am BIP der EU
kommt dem öffentlichen Sektor eine essentielle Rolle in der
Wirtschaftspolitik zu. Die Umorientierung der Ausgaben in Richtung
Forschung und Bildung, soziale Investitionen und eine nachhaltige
Beschaffungspolitik sowie die Verlagerung der Steuerlast von Arbeit
hin zu Ressourcenverbrauch, Grundvermögen, spekulativen
Finanzmarkttransaktionen und Erbschaften können einen bedeutenden
Beitrag zur gleichzeitigen Erreichung aller drei strategischen Ziele
leisten.

- Finanzsektor: Seine stärkere Ausrichtung auf realwirtschaftliche
Ansprüche ermöglicht die Finanzierung umfangreicher Investitionen im
Umwelt- und Sozialbereich.

Aufgrund der enttäuschenden Erfahrungen der EU mit hochgesteckten
Plänen und verfehlten Zielen in der Vergangenheit identifizierte das
WWWforEurope-Projekt Erfolgsfaktoren, die die
Umsetzungswahrscheinlichkeit dieses Projektes auf europäischer Ebene
erhöhen. Dazu gehören etwa die verstärkte Einbindung von
Interessensvertretungen und eine bessere Operationalisierung der
Zwischenziele wie auch die laufende Überwachung der Fortschritte in
diesem Wandel der EU zur ersten Weltwirtschaftsregion, die ihre
Ökonomie auf Ziele "beyond GDP" ausrichtet.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel