Energie für die Bildungsreform: Initiative Neustart Schule fordert sachorientierte Diskussion

Wien (OTS) - Die Initiative NEUSTART SCHULE lud ihre Partner und ausgewählte Experten zu einem Arbeitstreffen zum Stand der Bildungsreform. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die im November präsentierten Pakete inhaltlich diskutiert und gemeinsam Erfolgsfaktoren für eine gelungene Umsetzung erarbeitet.

Richtungsweisender Frühling

Unter dem Titel „Energie für die Bildungsreform“ wurden am vergangenen Donnerstag von NEUSTART SCHULE jene Parameter präsentiert, die aus Sicht der Experten für die erfolgreiche Umsetzung der Bildungsreform maßgeblich sind. Mehr als zwanzig Organisationen – darunter Hilfswerk, Industriellenvereinigung, EduCare, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Bundesjugendvertretung – formulierten als ein „Miteinander der Vielen“ gemeinsame Vorschläge. „Es wird ein richtungsweisender Frühling für die Bildungspolitik, die kommenden Monate werden zeigen, ob erkennbare Reformschritte gelingen. Wir möchten jedenfalls unsere Erfahrungen und Vorschläge einbringen, weil der Reformstau hoch ist“, so NEUSTART SCHULE Initiator Christian Friesl. Der gemeinsame Tenor in Richtung der politisch Verantwortlichen: Jetzt steht die Umsetzung der Vorschläge vom 17.11. im Vordergrund, aber danach muss es unbedingt mit den großen Bildungsfragen weitergehen.

Elementarpädagogik & Schulpaket

Die Aufwertung der Elementarbildung kann ein zentraler Erfolg der Bildungsreform werden, dazu braucht es die Finanzierung des zweiten Kindergartenjahres und die Entwicklung bundesweit einheitlicher und verbindlicher Standards für Qualität und Rahmenbedingungen. Umsicht ist bei der Konzeption des „Bildungskompass“ geboten. Das gilt für die Weitergabe sensibler Daten ebenso wie die Wahl der adäquaten Methode zur Feststellung des Entwicklungsstandes. Es braucht stärken-und ressourcenorientierte Lösungen und kein Screening-Instrument für Dreieinhalbjährige als bloße Momentaufnahme oder Selektionskriterium.

Um kontraproduktive Brüche zu vermeiden, sollten die verpflichtenden Kindergartenjahre mit den ersten Schuljahren systematisch verknüpft werden. Damit wird ein fließender Übergang der Kinder in die Schulphase je nach Entwicklungsstand gewährleistet. In verschlankten Volksschullehrplänen soll der Fokus auf Grundkompetenzen und Kulturtechniken gelegt und neue Unterrichtsinhalte im Hinblick auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts altersadäquat berücksichtigt werden. Die Beurteilung erfolgt in einer Kombination von alternativer Leistungsbeschreibung und Ziffernnoten.

Autonomie & Bildungsinnovation

Bildung spielt sich vor Ort ab, deswegen braucht es weitgehende pädagogische, finanzielle und personelle Autonomie. Mehr Autonomie an den Schulen muss auch mit Professionalisierungs-maßnahmen und -angeboten für Schulleiterinnen und Schulleiter einhergehen. Als kompetente Führungskräfte brauchen sie pädagogischen Hintergrund sowie Managementwissen und Führungs-Know-how. Außerdem hat das Bestellungsverfahren objektiv, ohne politische Einflussnahme und unter Mitwirkung der Schulpartner zu erfolgen.
Der Fokus bei der neuen Bildungsstiftung soll im Sinne einer zukunftsweisenden Bildungsdebatte auf neuen Entwicklungen und Trends im Lernen und Lehren sowie der Förderung von außerordentlichen Begabungen liegen. Dafür gilt es nachvollziehbare und transparente Kriterien für die Mittelvergabe zu definieren, die weitgehend unbürokratisch und ohne großen Verwaltungsaufwand abgewickelt werden sollen.

Bildungsdirektionen & Modellregion

In der Frage der Bildungsdirektionen scheinen alte politische Gräben erneut aufzubrechen. Scharf kritisiert wird von NEUSTART SCHULE, dass mit den neuen Bildungsdirektionen offensichtlich der kompletten Verländerung der Schulverwaltung der Weg geebnet werden soll. Dies wäre nichts anderes als die rechtliche Einzementierung der IST-Situation mit neuen Funktionsbezeichnungen und ein Etikettenschwindel. Christian Friesl: „Im Vorschlag des 17.11. steht eine gemeinsame Bund-Länder Behörde und schon das war ein umstrittener Kompromiss. Von operativen Aufgaben für Landeshauptleute war aber nicht die Rede. Bei der Bildungsreform geht es um die Qualität von Bildung und nicht um die Quantität von Verwaltung. Wenn Bund und Länder nicht in der Lage sind zusammenzuarbeiten, soll die Bildungsdirektion eine Bundesbehörde werden.“

Bei den Modellregionen wurden schon bald nach dem 17.11. erste Stimmen für eine Ausweitung der 15%-Grenze laut. Diskussionen um Ober- oder Untergrenzen bringen uns aber hier nicht weiter. Stattdessen plädiert NEUSTART SCHULE: „Es braucht alternative und schülerInnenzentrierte Kriterien, damit die Modellregion auch wirklich eine organische Einheit mit einem sinnvollen Einzugsgebiet wird.“ Um die soziale Durchmischung zu gewährleisten, müsse die Modellregion daher eine gewisse Mindestgröße haben. Außerdem regt die Initiative die bundesweite Konzeption und Koordination der Modelle an, denn schließlich müssen die Modelle ja auch vergleichbar bleiben.

Parteiübergreifender Prozess

Einig sind sich alle Unterstützer darin, dass nach der Umsetzung der Vorschläge vom 17.11. die Bildungsreform nicht zu Ende ist, sondern erst richtig beginnt, nämlich mit inhaltlichen Reformüberlegungen. Österreich muss zu einem Land mit ausgeprägtem Bildungsbewusstsein werden: Wir müssen Bildungsziele definieren, die Pflichtschulqualität deutlich steigern, über eine Bildungspflicht statt der Unterrichtspflicht nachdenken, Chancengerechtigkeit schaffen und Maßnahmen gegen Schulabbruch setzen. „Österreich braucht eine ‚Bildungsrevolution‘ – und dafür benötigt es ein gemeinsames Vorgehen mit den Betroffenen, der Politik, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft“, so die Plattform abschließend.

Über „Neustart Schule“
„Neustart Schule“ ist eine Initiative der Industriellenvereinigung und ihrer Partner, die Bewegung in die österreichische Bildungspolitik bringt. Ziel von Neustart Schule ist es, mit der Unterstützung von Partnern, ExpertInnen und der Bevölkerung auf die Notwendigkeit einer Bildungsreform aufmerksam zu machen und die Politik dafür zu gewinnen. Weitere Informationen unter www.neustart-schule.at und auf Facebook unter www.facebook.com/neustartschule.

Sämtliche Pressematerialien & Fotos zum Download unter:
www.neustart-schule.at/presse

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Tina Dworschak
Industriellenvereinigung, Bereich Bildung & Gesellschaft
Projektleitung „Neustart Schule“
Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien
Mobil: +43 664-8412950
Mail: t.dworschak@iv-net.at

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