Wechselberger zu Bachinger: Falsche Prioritäten der Politik

Versäumnisse von Politik und Krankenkassen - bestehende Einrichtungen fördern

Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, sieht in einer Erleichterung bei der Gründung zeitgemäßer ärztlicher Gruppenpraxen nur einen wichtigen Ansatzpunkt zur Reform der wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Die Pläne und Möglichkeiten der niedergelassenen Ärzte zur Forcierung einer zeitgemäßen Primärversorgung würden allerdings an mangelnder Professionalität und ideologischen Vorbehalten von Gesundheitspolitik und Krankenkassen scheitern.
So kommentierte der ÖÄK-Präsident die jüngste Forderung des Patientenanwalt-Sprechers, Gerald Bachinger, nach verstärkter Gruppenbildung bei Ärzten.

Die jahrelangen Versäumnisse zur Sicherung einer angemessenen, wohnortnahen Gesundheitsversorgung würden sich etwa an den zunehmenden Schwierigkeiten, Ärzte für Spital oder Kassenpraxis zu finden, niederschlagen, sagte der Ärztepräsident am Dienstag. Schließlich sei auch das Chaos an der Kinderambulanz im Donauspital Ausdruck eines „systembedingten Organisationsfiaskos“.

Statt „der einseitigen Verfolgung Theorie-verklärter und abgehobener Modelle“ wie zum Beispiel PHC-Zentren spricht sich der Ärztepräsident für eine sofort wirksame Unterstützung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit dem Ziel der Spitalsentlastung aus.

Als Prioritäten nennt Wechselberger
• spitalsentlastende, moderne Leistungskataloge im Kassenbereich, • die Ermöglichung praktikabler Zusammenarbeitsformen für Ärzte ohne Einschränkungen, was etwa die Anzahl der Mitarbeiter oder die Anstellung von Ärzten betrifft, und ohne bürokratische Bedarfsprüfungen
• ausreichend Kassenverträge für nichtärztliche Gesundheitsberufe, wie dies trotz gesetzlicher Verpflichtung von den Krankenkassen bis heute nicht umgesetzt wird
• Forcierung der wohnortnahen Primärversorgung nach dem Muster des Haus- und Vertrauensarztmodells der ÖÄK von 2010
• Verbesserung bei der Koordination aller ambulanten Leistungen durch Ärzte und nichtärztliche Gesundheitsberufe

Die Gesundheitsversorgung sei am Wochenende durch allgemeinmedizinische Bereitschaftsdienste abgedeckt. Diese böten Hilfe bei akuten Erkrankungen von Kindern, Erwachsenen und Senioren. „Eine flächendeckende fachärztliche Bereitschaft, wie sie von einigen Politikern gefordert wird, ist in der gegebenen Situation weder finanziell erschwinglich noch organisatorisch umsetzbar“, so Wechselberger abschließend (ms).

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