• 12.02.2016, 09:23:22
  • /
  • OTS0017 OTW0017

Deutsche Bank: Regulierung hat völlig versagt

Politik zog keine Lehren aus Krise und Bankenrettungen - Das Risiko trägt die Allgemeinheit

Utl.: Politik zog keine Lehren aus Krise und Bankenrettungen - Das
Risiko trägt die Allgemeinheit =

Wien (OTS) - Mit den Turbulenzen der Deutschen Bank (1) wird für das
globalisierungskritische Netzwerk Attac erneut deutlich, wie sehr die
Regulierung des Finanz- und insbesondere des Bankensektors versagt
hat. „Die politischen Eliten haben auch nach dem Crash 2008 weiter
die Interessen der Finanzlobby bedient. Weder wurde die hochriskante
Geschäftspolitik der Banken beschränkt noch das Investmentbanking vom
Kundengeschäft getrennt. Großbanken sind gefährlich
unterkapitalisiert, um ein Vielfaches „too big to fail“ sowie zu eng
miteinander verflochten. Dem globalen Finanzsystem droht mit dieser
Ausgangslage eine noch größere Krise als 2008“, kritisiert Lisa
Mittendrein von Attac Österreich.

Zocken ist noch immer das Geschäftsmodell vieler Großbanken

Die Deutsche Bank zeigt exemplarisch, dass das Zocken mit Aktien,
Derivaten und anderen Wertpapieren immer noch das vorherrschende
Geschäftsmodell vieler Großbanken ist. 52 Billionen Euro (2014)
beträgt allein das Volumen der ausstehenden Derivate der Deutschen
Bank - das 18fache des deutschen Bruttoinlandsproduktes. Laut Bilanz
ist der Handel mit Wertpapieren in ihrem Geschäftsmodell doppelt so
wichtig wie das Kreditgeschäft. „Die Investmentsparten der Banken
agieren riskant und gefährden damit sowohl das Kreditgeschäft als
auch die Stabilität des gesamten Bankensektor“, kritisiert
Mittendrein. Um die riskante Geschäftspolitik der Banken in den Griff
zu bekommen, fordert Attac seit jeher ein strenges Verbot des
Banken-Eigenhandels und ein Verbot bestimmter spekulativer
Wertpapiere.

Eigenkapital-Anforderungen viel zu niedrig

Wie viele internationale Großbanken ist die auch die Deutsche Bank
massiv unterkapitalisiert. Ihre Verschuldungsquote (Anteil des
Eigenkapitals an der gesamten Bilanzsumme) beträgt lediglich 3,5
Prozent. Dies bedeutet, dass die Deutsche Bank zu 96,5 Prozent
fremdfinanziert ist. Damit ist Bank aber kein Sonderfall. Die mit
Basel III angestrebte maximale Verschuldungsgrenze von nur drei
Prozent ist völlig unzureichend. Attac fordert, sie mittelfristig auf
20 bis 30 Prozent anzuheben.

„Too big to fail“: Auch bei Bail-in droht Systemcrash

Eine Bedrohung für das globale Finanzsystem ist die Deutsche Bank vor
allem aufgrund ihrer enormen Bilanzsumme von rund 1,6 Billionen Euro.
Mit einer Rettung wären der europäische Banken-Rettungsschirm (55
Milliarden Euro im Endausbau 2023) und selbst die deutsche Regierung
völlig überfordert.

Das mit der Bankenunion vorgesehene „Bail-in“ der GläubigerInnen
könnte aufgrund der engen Verflechtungen des Sektors das gesamte
europäische Bankensystem ins Wanken bringen. „Die Regelungen, die uns
angeblich vor weiteren Bankenrettungen schützen sollen, sind bei
derart systemrelevanten Banken völlig nutzlos. Als letzter
Rettungsanker müsste wieder die Allgemeinheit einspringen. Die Folgen
wären weitere Kürzungsprogramme auf dem Rücken der Schwächsten der
Gesellschaft“, kritisiert Mittendrein. Attac fordert daher große
Banken ("too big to fail") endlich zu zerteilen, das
Investmentbanking vom Kundengeschäft zu trennen und die Verflechtung
der Banken zu reduzieren.

---
(1) Der Marktwert der Deutschen Bank hat sich innerhalb eines Jahres
halbiert, der Aktienkurs ist seit Anfang des Jahres um rund 40
Prozent gefallen. Von vier Abteilungen der Bank machen nur zwei
Profite, weil sie das Risiko erhöht haben – wofür sie aber mittel-
und langfristig mehr Eigenkapital benötigen. Die anderen zwei
Abteilungen machen offene Verluste. Die Rückstellungen für noch
drohende Strafen sind zu niedrig.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ATT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel