- 10.02.2016, 16:20:50
- /
- OTS0188 OTW0188
Stellungnahme der ÖGAM zur laufenden Diskussion über Primary health care
Wien (OTS) - Als Fachgesellschaft für Allgemeinmedizin sind wir
irritiert über die letzten Pressemeldungen und Äußerungen von
Patientenanwalt Dr. Bachinger, der der Ärzteschaft Reformunwillen und
Einzementierung der Einzelpraxen im niedergelassenen Bereich vorwirft
und der Gesundheitsversorgungszentren außerhalb des bestehenden
Kassenvertrages forciert.
Die ÖGAM bekennt sich zu neuen Versorgungsformen, auch zu Zentren,
wenn sie den regionalen Gegebenheiten entsprechen. Im Sinne einer
besseren Patientenversorgung gibt es von unserer Seite ganz klare
Vorschläge zur Vernetzung von Einzelpraxen oder der Möglichkeit der
Zusammenarbeit mehrerer Ärzte unter einem Dach (Zentrum). Auch
bekennen wir uns zu einer strukturierten Zusammenarbeit mit
nichtärztlichen Gesundheitsberufen im Sinne einer allumfassenden,
ganzheitlichen und modernen Versorgung mit langen Öffnungszeiten.
Wenn Dr. Bachinger meint, die Ärzte halten an alten
Einzelleistungssystemen ihrer Honorierung fest und wollen weiter die
Einzelpraxen, hat er eine Entwicklung verschlafen, die schon
stattfindet. Die Forderung nach neuen Honorierungssystemen, die vor
allem die Tätigkeit der Allgemeinmedizin abbildet und auch neue
Formen der Zusammenarbeit, kommt ganz klar vor allem aus der
Ärzteschaft und wird von uns als Fachgesellschaft massiv forciert.
Ein Knackpunkt im angedachten PHC-Gesetz ist die Aufweichung des
Gesamtvertrags. Eine Aufweichung des Gesamtvertrages würde zu einer
Entsolidarisierung der Ärzteschaft und auf Dauer zu einer
Schlechterstellung der Honorierung führen. Eine Gewerkschaft würde
auch nicht akzeptieren, wenn man ihnen den Kollektivvertrag streitig
macht.
Um effektiv die Spitalsambulanzen zu entlasten braucht es nicht nur
eine gute Struktur im niedergelassenen Bereich - das bedeutet auch
Schaffung von mehr Kassenstellen (ist nicht gleichzusetzten mit mehr
Einzelpraxen) - sondern vor allem eine kluge Steuerung von
Patientenströmen in die richtige Versorgungsebene. Das scheint aus
ideologischen Gründen in Österreich nicht möglich zu sein, obwohl es
in anderen Ländern klaglos funktioniert - vor allem im Sinne einer
besseren Patientenversorgung.
Diese Überlegungen sind allerdings alle obsolet, wenn wir es nicht
schaffen, genügend Nachwuchs für die Allgemeinmedizin auszubilden.
Hier ist die Politik seit vielen Jahren säumig. Aktuell können wir
nicht mehr alle Kassenstellen besetzen und die Situation spießt sich
zunehmen zu. Man hat den Eindruck, die Politik schaut zu -
beziehungsweise verfolgt andere Ziele. Seit über einem halben Jahr
ist die Entscheidung über die Finanzierung der Lehrpraxis, dem
wichtigsten Bestandteil der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin,
überfällig und noch immer nicht geklärt. Für viele junge Kolleginnen
und Kollegen ist dies Grundlage für die Entscheidung, bei dieser
unsicheren Ausbildung nicht Allgemeinmedizin zu machen. Das Ergebnis
ist, dass sich österreichweit bisher nur eine Handvoll
Jungmediziner_innen für diese Ausbildung entschieden haben.
Da wird aus unserer Sicht Machtkampf zu Ungunsten einer gesicherten
Patientenversorgung und der Versorgungsqualität ausgetragen.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF






