- 10.02.2016, 09:00:01
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Internationale Konjunktur verliert an Dynamik
Wien (OTS) - Wirtschaftsindikatoren aus dem Ausland deuten auf eine
Abschwächung der Konjunktur hin. Auch der WIFO-Konjunkturtest zeigt
eine leichte Zunahme der Skepsis unter den heimischen Unternehmen.
Davon scheint vorerst allerdings weniger die konjunkturempfindliche
Sachgütererzeugung als vielmehr der Dienstleistungsbereich betroffen
zu sein. Vor allem die Tourismusunternehmen beklagten im Jänner einen
wetterbedingt schlechten Geschäftsgang.
Nach ersten Berechnungen wuchs Österreichs Wirtschaft bis Ende
2015 relativ konstant. Das Wachstum verstärkte sich von real 0,2%
gegenüber der Vorperiode im I. Quartal auf 0,3% im IV. Quartal.
Insgesamt ergibt sich für 2015 ein Anstieg des BIP von real 0,9%.
Damit lag das Wachstum das vierte Jahr in Folge unter 1%. Belastend
wirkte 2015 die Schwäche sowohl des Konsums der privaten Haushalte
als auch der Bruttoanlageinvestitionen. Beide Aggregate expandierten
gegenüber dem Vorjahr real um nur 0,3%. Der Export trug auch 2015 zum
Wachstum der Wirtschaft bei und erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um
1,8%.
Wie der jüngste WIFO-Konjunkturtest zeigt, dürfte sich die
heimische Wirtschaft auch über den Jahreswechsel verhalten positiv
entwickelt haben. Zwar ging der Index der aktuellen Lagebeurteilungen
geringfügig zurück (-0,5 Punkte), er lag damit jedoch unverändert im
leicht positiven Bereich. Im Dienstleistungsbereich und vor allem im
Tourismus und Transportwesen waren die Einschätzungen ungünstiger, in
der Sachgüterproduktion unverändert positiv.
Der Erwartungsindex für die Zukunft verschlechterte sich
allerdings zum zweiten Mal in Folge. Dies könnte mit den zunehmenden
Hinweisen auf eine Abkühlung der internationalen Konjunktur
zusammenhängen. Das Wirtschaftswachstum der USA schwächte sich im IV.
Quartal merklich ab, der Einkaufsmanagerindex weist auf ein
Nachlassen der Industriekonjunktur hin. Auf eine Flaute der
Weltnachfrage und somit eine Abkühlung der Weltkonjunktur könnte auch
der jüngste Abwärtsschub der Rohölpreise hinweisen. Dem entsprechen
auch die Verschlechterung der Erwartungen zu den Auslandsaufträgen in
der Sachgütererzeugung im WIFO-Konjunkturtest und der Rückgang des
ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland.
Wie in den Jahren zuvor belastete auch 2015 die Schwäche der
Konsumnachfrage der privaten Haushalte die gesamtwirtschaftliche
Entwicklung in Österreich. Obwohl die Inflation durch den Verfall der
Energiepreise gedämpft wurde und die Entlastung der Einkommen durch
die Steuerreform bevorstand, weiteten die privaten Haushalte ihren
Konsum real um nur 0,4% aus. Das Verbrauchervertrauen verharrte auch
im Jänner auf außerordentlich niedrigem Niveau.
Weil sich der preisdämpfende Effekt der Heizöl- und
Treibstoffverbilligung im Vorjahresvergleich verringerte, kamen die
bereits in der Vergangenheit stark preistreibenden Auswirkungen von
Mieterhöhungen und der Verteuerung von Bewirtungsdienstleistungen
stärker zur Geltung. Die Inflationsrate erhöhte sich deshalb in
Österreich im Dezember 2015 wieder auf 1%, nach 0,6% im November.
Die Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt ist weiterhin angespannt.
Im Jänner 2016 stieg die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen und
Personen in Schulungsmaßnahmen gegenüber dem Vorjahr um 17.700 auf
490.300; der Anstieg war aber geringer als in den Vormonaten. Unter
Ausschaltung der Saisonschwankungen stagniert die Zahl der
Arbeitslosen seit November.
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik
Austria veröffentlichten "saison- und arbeitstägig bereinigten
Veränderungen" der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO
diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als
Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren
Verlauf auf und machen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser
interpretierbar.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
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