• 09.02.2016, 14:49:25
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1.200 Vögel im Wiener Tierschutzverein: Und sie bleiben doch

Behörde wollte Weitertransport der Ziervögel genehmigen. WTV schritt ein und kaufte die Tiere frei

Utl.: Behörde wollte Weitertransport der Ziervögel genehmigen. WTV
schritt ein und kaufte die Tiere frei =

Vösendorf (OTS) - Die Meldung über die 1.200 aus einem PKW im 14.
Wiener Gemeindebezirk geretteten Vögel hat Österreich erschüttert.
Die öffentliche Meinung dazu vermittelte ein klares Bild: So darf mit
Tieren nicht umgegangen werden. Umso unverständlicher ist es, dass
sich das Schicksal der Vögel beinahe zu einem handfesten Skandal
entwickelte.

Bereits am Sonntag, nach Bekanntwerden der Nachricht, traf der
vermeintliche Besitzer des größten Teils der Tiere im Wiener
Tierschutzverein ein. Es handelte sich um einen Tierhändler aus den
Niederlanden, der angab, dass es sich bei dem bulgarischen Paar, das
die Tiere dem Vernehmen nach in dem PKW transportierte, lediglich um
die beauftragten Transporteure handle und die Tiere eigentlich
innerhalb eines Tages von den Niederlanden nach Bulgarien hätte
bringen sollen. Laut der Bestellliste des Händlers hat dieser ihnen
816 Vögel zum Transport übergeben, darunter Wellensittiche,
Kanarienvögel, Diamanttauben und Agaporniden. Angeblich seien die
Tiere insgesamt vier Tage lang in Kisten in dem PKW eingepfercht
gewesen. Der Transport habe sich so lange verzögert, weil die
Transporteure offenbar unbefugter Weise unterwegs weitere Tiere
zugekauft haben. Dies würde jedenfalls die Anzahl von rund 1.200
Tieren, die im Wiener Tierschutzverein aktuell betreut werden,
erklären. Die näheren Details dieser Deals sind nicht bekannt. Ebenso
ist die exakte Stückzahl, sprich wie viele Tiere wo eingekauft worden
sind, behördlicherseits (vom Veterinäramt der Stadt Wien) nicht exakt
festgestellt worden.

„Leider ist es wahr, dass dieser Fall nur die Spitze eines Eisberg an
Tierleid und Tierqual ist, aber wenn es in seltenen Fällen doch
gelingt, dass durch Aufmerksamkeit mutiger Passanten und durch das
beherzte Eingreifen der Exekutive Tiere aus dieser grausamen
Geschäftemacherei befreit werden, dann war es für alle Tierschützer
eigentlich klar, dass diese Tiere für den Rest ihres Lebens genug
Stress und Leid erfahren haben und sie ab jetzt nur noch liebevolle
Betreuung erhalten sollten“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Umso größer war das Erstaunen und Entsetzen im Wiener
Tierschutzverein, dass die Behörde (MA60) nach etwas mehr als drei
Tagen die Freigabe für einen Weitertransport der Tiere nach Bulgarien
erteilen wollte. „Die Eile der Behörden, die Tiere wieder auf die
Reise zu schicken, obwohl nicht einmal sämtliche Rechtsverhältnisse
mit letzter Sicherheit geklärt werden konnten, ist absolut
unverständlich“, so Petrovic.

Ein Schlag ins Gesicht der Tierschutzidee

Die Behörden hätten laut Petrovic jedenfalls stur nach Vorschrift und
ohne Rücksicht auf den Tierschutzgedanken gehandelt. „Es ist uns
völlig unverständlich, dass angesichts des fürchterlichen Leids, das
Tiere schon erleben mussten - sie waren vier Tage lang praktisch ohne
Wasser und ohne frisches Futter eingepfercht und unterwegs - jetzt
schon wieder im Auftrag der Stadt Wien in Kisten gepfercht und
weitergekarrt werden sollen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der
Tierschutzidee“, so Petrovic.

WTV kauft Tiere frei

Umso paradoxer erscheint es, dass sich ausgerechnet der holländische
Tierhändler halbwegs kompromissbereit zeigte. Der Wiener
Tierschutzverein protestierte vehement gegen eine Herausgabe und den
Weitertransport der Tiere. Da sich die Behörde nicht einsichtig
zeigte und beharrlich auf die Eigentumsverhältnisse pochte,
verhandelte der Wiener Tierschutzverein mit dem Händler und konnte
die Tiere schlussendlich auf eigene Faust „freikaufen“, um ihnen
weiteres Ungemach zu ersparen. Der Preis für diese hunderten
Tierleben: 9.000 Euro. „Es ist erschütternd, dass ein gewerbsmäßiger
Tierhändler letztlich mehr Herz aufgebracht hat als die Stadt Wien.
Der Verweis der zuständigen Behörde auf die Eigentumsverhältnisse ist
kein Grund und keine Rechtfertigung für eine fortgesetzte
Tierquälerei. Die Tiere hatten ja nicht einmal Zeit, sich von den
bisherigen Strapazen zu erholen“, so Petrovic. Bis dato haben 32
Tiere die Strapazen des Transports nicht überlebt beziehungsweise
starben an dessen Folgen.

WTV hofft auf Bevölkerung

Nun hofft der Wiener Tierschutzverein auf die Unterstützung der
Bevölkerung. Alle Menschen, denen das Schicksal der Vögel genauso
nahe geht wie dem Team des Wiener Tierschutzvereins können sich ab
sofort mit einer Spende mit dem Kennwort „Phönix“ auf das
Spendenkonto des WTV (IBAN: AT19 6000 0000 0171 7000, BIC: BAWAATWW)
am Kaufpreis für die Tiere beteiligen. „Wir werden jedenfalls alles
in unserer Macht stehende tun, um den Tieren von nun an ein Leben
ohne Qual und Leid zu ermöglichen. Sie sind quasi allesamt unsere
Phönixe, die nun aus der Asche gestiegen sind“, so Petrovic. Über die
Vergabe der Tiere kann vorerst noch keine Auskunft gegeben werden, da
sich die Vögel immer noch unter strenger Quarantäne befinden.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WTV

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