EIOPA-Test: Deshalb ist „Österreich nicht betroffen“

Erfolgreiches Dienstgeber-Lobbying bei der Politik hat Pensionisten nachhaltig geschädigt

Wien (OTS) - Abg. Zakostelsky, Finanzsprecher der ÖVP, Obmann des Fachverbands der Pensionskassen und neuerdings designierter CEO des VBV- Konzerns (Pensionskasse, Vorsorgekasse, Consult) (wer ist stärker, Ich oder Ich?), verkündet in OTS0127 v.29.1.angesichts des EIOPA-Pensionskassenstresstests stolz „Österreich sei nicht betroffen“.
Diese Aussage ist wie so oft eine Verleugnung der Realität und verniedlicht wieder einmal das österreichische Pensionskassen-Problem. Verschwiegen wird wohlweislich, warum Österreich nicht betroffen ist: weil in anderen europäischen Staaten nahezu 100%ig leistungsorientierte Systeme bestehen, in Österreich hingegen ein beitragsorientiertes System installiert wurde.
Dazu neuerlich eine Begriffserklärung: Die bisher üblichen, sogenannten „Firmenpensionen“ garantierten eine festgesetzte Pensionshöhe mit Inflationsbereinigung. Sie entsprachen den „leistungsorientierten“ Pensionsansprüchen aus einer Pensionskasse, mit Nachschusspflicht seitens der Dienstgeber. „Beitragsorientiert“ dagegen ist eine Pension, die ausschließlich aus vorhandenem Kapital und dessen laufendem Ertrag geleistet wird, was bedeutet, dass sie den Schwankungen auf dem Kapitalmarkt ausgesetzt ist und daher auch durchaus beträchtliche Kürzungen dieser Pensionen auftreten können. Und das war bei der Geburt des österreichischen Pensionskassensystems der Knackpunkt: Die ursprünglich als „leistungsorientierte“ Pensionsansprüche zu bezeichnenden Firmenpensionen wurden mit unrealistisch hohen fiktiven Jahreserträgen von bis zu 7,5% für die Zukunft abgezinst. Damit hat sich das Kapitalerfordernis für die Übertragung in die Pensionskasse, um eine der vormaligen Firmenpension entsprechende PK-Pension zu erzielen, erheblich reduziert.
So haben sich die Dienstgeber auf Kosten ihrer Mitarbeiter Milliardenbeträge erspart und der Gesetzgeber hat bedauerlicherweise mitgespielt. Das volle Risiko für die Veranlagungserträge und die steigende Lebenserwartung wurde auf die Mitarbeiter bzw. Pensionisten überwälzt.
Die tatsächliche durchschnittliche Performance der Hochzins-Verträge von ca. 2,5% p.a. seit 2000 beträgt gerade einmal ein Drittel des erforderlichen Zielwertes von 7,5%. Daher erleidet heute die Mehrheit der Pensionsbezieher laufende Kürzungen, die sich bei vielen bisher bereits auf über 50% der zugesagten Leistung belaufen.
Und die Schuld der Pensionskassen? Sie haben einst, um das Geschäft an sich zu ziehen, die erwähnten utopischen fiktiven Jahreszinserträge wider besseres Wissen akzeptiert. Dass sie diese angenommen Erträge heute nur selten erreichen können, nehmen sie mit einem Achselzucken hin – denn die Zeche für dieses missglückte Pensionssystem zahlen ja ohnehin die Betroffenen, also die Bezieher einer Pensionskassen-Pension. Beweis dafür sind die aufgrund der Performance per Ende 2015 für heuer wieder angekündigten Kürzungen bei der Mehrzahl der Pensionsverträge.
Die ehemaligen Dienstgeber, teilweise Aktionäre und Dividendenkaiser der Pensionskassen, haben sich seinerzeit zulasten ihrer Mitarbeiter saniert und die Pensionskassen verdienen dabei aufgrund des schlechtesten Pensionskassengesetzes Europas ohne Risiko laufend an dieser gesetzlichen Missgeburt!

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Günter Braun, Pressesprecher des Pekabe - Schutzverband der Pensionskassenberechtigten
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