• 02.02.2016, 09:10:47
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  • OTS0016 OTW0016

StEOP, Aufnahmetests, Gebühren; Sinnlose Schikanen der Hochschulpolitik.

Über die Sinnlosigkeit von Aufnahmeprüfungen und den damit verbundenen Gebühren.

Utl.: Über die Sinnlosigkeit von Aufnahmeprüfungen und den damit
verbundenen Gebühren. =

Wien (OTS) - Die HTU Wien kritisiert die Vorgehensweise einiger
Universitäten Österreichs gegenüber Studieninteressierten. Eine
Einhebung zusätzlicher Gebühren zur Teilnahmeberechtigung für
Aufnahmetests ist ein weiterer Stein, der Studierenden bereits beim
Einstieg ins Studium in den Weg gelegt wird. Mit solchen Maßnahmen
erreicht man keine Verbesserung der österreichischen
Bildungslandschaft, sondern sabotiert sie noch weiter.

Diese Vorgehensweise der Universitätsleitungen kommt jedoch für die
HTU Wien leider nicht überraschend. Bei Betrachtung der letzten Jahre
ist dies nur ein weiterer Punkt, der zeigt, wie inkonsequent und
ziellos Österreich in der Bildungs- und Hochschulpolitik agiert.

Dazu ein kleiner Abriss der letzten Jahre:

* 2010 MINT Kampagne des Wissenschaftsministeriums
Mit der MINT-Kampagne bewirkte das damalige BMWF einen Zuwachs an
Studieninteressierten im mathematischen, naturwissenschaftlichen und
technischen Bereich um bis zu 160%. Da seitens der Industrie ein
großer Mangel an qualifizierten Kräften in diesen Berreichen
herrschte, wäre es angebracht gewesen, Geldmittel für die
zusätzlichen Studienplätze bereitzustellen. Dies geschah jedoch
nicht, die Universitäten erhielten keine zusätzlichen Mittel zur
Finanzierung dieser Plätze.
* 2011 StEOP Einführung
Anstatt zu einer Erhöhung der Studienplätze beizutragen, wird als
Antwort auf die steigenden Studierendenzahlen die Studieneingangs und
Orientierungsphase (StEOP) ins Leben gerufen. Diese bildet die erste
vom Ministerium geschaffene Schikane, die Studierenden auf ihrem
Ausbildungsweg behindert.
* 2013 § 14h Universitätsgesetz 2002
Die Studienfelder Architektur, Biologie, Informatik, Pharmazie und
Wirtschaft werden in ihren Beginnendenzahlen beschränkt. Anstatt
endlich eine Ausfinanzierung der Hochschulen zu gewährleisten, werden
Studierende weiter im Studium durch die Einführung einer
beschränkenden StEOP beschnitten.
* 2015 Erweiterung § 14h Universitätsgesetzt 2002, weitere
Verschärfung der StEOP
Weitere Studienrichtungen werden zugangsbeschränkt. "Sollten
Universitäten in Zukunft stärker beschränkt werden, so müssen sich
die österreichischen Bürgerinnen und Bürger auf ein bundesweit sozial
selektives Bildungssystem einstellen und zukünftig wachsende
Einkommensklüfte als alltäglich
hinnehmen." warnte schon damals Denise Schaffer, aus dem Vositzteam
der HTU Wien.
* 2016 Gebühren für Aufnahmetests
Der Senat der Universität Wien beschließt, ab dem kommenden
Wintersemester eine Gebühr für die Zulassung zum Aufnahmetest
einzuheben. Als Begründung wird die Senkung der "no-show"-Rate
gennant. Viele andere Universitäten überlegen nun nachzuziehen. Dass
diese Maßnahme für viele eine Hürde darstellen wird, sich überhaupt
für dieses Studium inskribieren zu wollen, ist vorhersehbar...

Dieser Folge von Abläufen ist klar zu entnehmen, dass es
offensichtlich nie der Plan war mittels langfristig angesetzten
Maßnahmen eine Verbesserung der Hochschulsituation zu erreichen.
Engstirnige, ziellose, kurzfristige Maßnahmen und somit nur
Hindernisse in den Weg zu stellen scheint das Allheilmittel zu sein.

Aufnahmeprüfungen spiegeln nicht die Eignung für ein Studium wider,
sie können nur den Zweck der Studienplatzbewirtschaftung erfüllen. Es
ist anzuzweifeln, dass es jemals möglich sein wird einen fairen,
standartisierten Aufnahmetest zu gestalten. Denn standardisierte
Verfahren, die auch dem Diskriminierungsverbot gegenüber Menschen mit
Behinderung zufriedenstellend genüge tun, wären, wenn überhaupt
möglich, mit enormem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden.
Somit bewirken Aufnahmeprüfungen nur zusätzlich Verdrängungseffekte
gegenüber Minderheiten, sind sozial selektiv und stellen eine weitere
psychologische Hürde für Studieninteressierte dar.

Eine zusätzliche Einführung von Gebühren für Aufnahmetests sind
diesem Kontext nicht zielführend. Das Ziel, mehr Studieninteressierte
verbindlich zu Aufnahmeprüfungen anzumelden, sodass diese auch
erscheinen, wird auch nicht durch eine Gebühr erreicht werden.
Beispielsweise ist jede fünfte für den MedAT 2014 angemeldete Person
nicht zum Test erschienen, obwohl die Teilnahmegebühr sogar 110€
betrug [1].

Um dem großen Andrang entgegenzuwirken, muss man an die Problematik
anders herangehen. Anstatt mit Verunsicherungen ("Wir müssen erst
sehen, ob du geignet bist!") und Gebühren ("Damit du auch wirklich
kommst!") zu arbeiten, um Studienabbrecher und "no-shows" zu
verhindern, muss man mit langfristigeren Maßnahmen ansetzten. Solche
Maßnahmen sind zum Beispiel die Schaffung von mehr Plätzen durch die
Ausfinanzierung der Hochschulen und gezielte, effiziente
Studienberatung noch vor der Matura.

[1] http://www.ots.at/redirect/diepresse.com

Die HTU Wien (Hochschülerinnen und Hochschülerschaft an der TU
Wien) ist die gesetzliche Interessensvertretung der Studierenden an
der TU Wien.

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