StEOP, Aufnahmetests, Gebühren; Sinnlose Schikanen der Hochschulpolitik.

Über die Sinnlosigkeit von Aufnahmeprüfungen und den damit verbundenen Gebühren.

Wien (OTS) - Die HTU Wien kritisiert die Vorgehensweise einiger Universitäten Österreichs gegenüber Studieninteressierten. Eine Einhebung zusätzlicher Gebühren zur Teilnahmeberechtigung für Aufnahmetests ist ein weiterer Stein, der Studierenden bereits beim Einstieg ins Studium in den Weg gelegt wird. Mit solchen Maßnahmen erreicht man keine Verbesserung der österreichischen Bildungslandschaft, sondern sabotiert sie noch weiter.

Diese Vorgehensweise der Universitätsleitungen kommt jedoch für die HTU Wien leider nicht überraschend. Bei Betrachtung der letzten Jahre ist dies nur ein weiterer Punkt, der zeigt, wie inkonsequent und ziellos Österreich in der Bildungs- und Hochschulpolitik agiert.

Dazu ein kleiner Abriss der letzten Jahre:

  • 2010 MINT Kampagne des Wissenschaftsministeriums Mit der MINT-Kampagne bewirkte das damalige BMWF einen Zuwachs an Studieninteressierten im mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Bereich um bis zu 160%. Da seitens der Industrie ein großer Mangel an qualifizierten Kräften in diesen Berreichen herrschte, wäre es angebracht gewesen, Geldmittel für die zusätzlichen Studienplätze bereitzustellen. Dies geschah jedoch nicht, die Universitäten erhielten keine zusätzlichen Mittel zur Finanzierung dieser Plätze.
  • 2011 StEOP Einführung Anstatt zu einer Erhöhung der Studienplätze beizutragen, wird als Antwort auf die steigenden Studierendenzahlen die Studieneingangs und Orientierungsphase (StEOP) ins Leben gerufen. Diese bildet die erste vom Ministerium geschaffene Schikane, die Studierenden auf ihrem Ausbildungsweg behindert.
  • 2013 § 14h Universitätsgesetz 2002 Die Studienfelder Architektur, Biologie, Informatik, Pharmazie und Wirtschaft werden in ihren Beginnendenzahlen beschränkt. Anstatt endlich eine Ausfinanzierung der Hochschulen zu gewährleisten, werden Studierende weiter im Studium durch die Einführung einer beschränkenden StEOP beschnitten.
  • 2015 Erweiterung § 14h Universitätsgesetzt 2002, weitere Verschärfung der StEOP Weitere Studienrichtungen werden zugangsbeschränkt. "Sollten Universitäten in Zukunft stärker beschränkt werden, so müssen sich die österreichischen Bürgerinnen und Bürger auf ein bundesweit sozial selektives Bildungssystem einstellen und zukünftig wachsende Einkommensklüfte als alltäglich hinnehmen." warnte schon damals Denise Schaffer, aus dem Vositzteam der HTU Wien.
  • 2016 Gebühren für Aufnahmetests Der Senat der Universität Wien beschließt, ab dem kommenden Wintersemester eine Gebühr für die Zulassung zum Aufnahmetest einzuheben. Als Begründung wird die Senkung der "no-show"-Rate gennant. Viele andere Universitäten überlegen nun nachzuziehen. Dass diese Maßnahme für viele eine Hürde darstellen wird, sich überhaupt für dieses Studium inskribieren zu wollen, ist vorhersehbar...

Dieser Folge von Abläufen ist klar zu entnehmen, dass es offensichtlich nie der Plan war mittels langfristig angesetzten Maßnahmen eine Verbesserung der Hochschulsituation zu erreichen. Engstirnige, ziellose, kurzfristige Maßnahmen und somit nur Hindernisse in den Weg zu stellen scheint das Allheilmittel zu sein.

Aufnahmeprüfungen spiegeln nicht die Eignung für ein Studium wider, sie können nur den Zweck der Studienplatzbewirtschaftung erfüllen. Es ist anzuzweifeln, dass es jemals möglich sein wird einen fairen, standartisierten Aufnahmetest zu gestalten. Denn standardisierte Verfahren, die auch dem Diskriminierungsverbot gegenüber Menschen mit Behinderung zufriedenstellend genüge tun, wären, wenn überhaupt möglich, mit enormem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Somit bewirken Aufnahmeprüfungen nur zusätzlich Verdrängungseffekte gegenüber Minderheiten, sind sozial selektiv und stellen eine weitere psychologische Hürde für Studieninteressierte dar.

Eine zusätzliche Einführung von Gebühren für Aufnahmetests sind diesem Kontext nicht zielführend. Das Ziel, mehr Studieninteressierte verbindlich zu Aufnahmeprüfungen anzumelden, sodass diese auch erscheinen, wird auch nicht durch eine Gebühr erreicht werden. Beispielsweise ist jede fünfte für den MedAT 2014 angemeldete Person nicht zum Test erschienen, obwohl die Teilnahmegebühr sogar 110€ betrug [1].

Um dem großen Andrang entgegenzuwirken, muss man an die Problematik anders herangehen. Anstatt mit Verunsicherungen ("Wir müssen erst sehen, ob du geignet bist!") und Gebühren ("Damit du auch wirklich kommst!") zu arbeiten, um Studienabbrecher und "no-shows" zu verhindern, muss man mit langfristigeren Maßnahmen ansetzten. Solche Maßnahmen sind zum Beispiel die Schaffung von mehr Plätzen durch die Ausfinanzierung der Hochschulen und gezielte, effiziente Studienberatung noch vor der Matura.

[1] http://www.ots.at/redirect/diepresse.com

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