- 21.01.2016, 09:00:01
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Temporäre Layoffs - das kurzfristige Aussetzen von Arbeitsverhältnissen - spielen eine bedeutende Rolle in Österreich
Wien (OTS) - Die kurzfristige Unterbrechung von
Beschäftigungsverhältnissen ist in Österreich eine in vielen
Betrieben gängige Praxis. 6,5% des Jahresdurchschnittsbestandes an
Beschäftigungsverhältnissen sind betroffen, mit leicht steigender
Tendenz. Diese Strategie kann zur Abfederung branchenspezifischer
Saisonschwankungen oder auch zum Ausgleich konjunkturbedingter
Veränderungen des Arbeitskräftebedarfs eingesetzt werden. Die
freigesetzten Arbeitskräfte sind während der Unterbrechung häufig
arbeitslos und beziehen Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.
Dadurch können Betriebe ihre Personalkosten sehr flexibel anpassen,
verursachen aber Arbeitslosigkeit und damit eine beachtliche
Belastung der öffentlichen Hand.
Unternehmen setzen unterschiedliche Flexibilisierungsstrategien
ein, um betriebsinternen Schwankungen des Arbeitskräftebedarfs
möglichst kostengünstig zu begegnen. Dazu zählen flexible
Arbeitszeitmodelle und leistungsabhängige Entlohnung ebenso wie
Anpassungen des Personalbestandes durch Einstellungen und
Entlassungen, Outsourcing oder auch die Nutzung von befristeter
Beschäftigung und Leiharbeit. Eine Flexibilisierungsstrategie wurde
bisher im politischen Diskurs und in der empirischen Forschung
weitgehend ausgeklammert: die vorübergehende Kündigung ("Layoff") und
anschließende Wiedereinstellung von Beschäftigten durch denselben
Arbeitgeber ("Recall") - kurz "temporäre Layoffs".
Um kurzfristige Nachfrageschwankungen abzufedern, kündigen viele
Betriebe in Zeiten geringer Auslastung einen Teil ihrer Belegschaft -
häufig mit einer Wiedereinstellungszusage - und stellen dieselben
Personen bei verbesserter Auftragslage wieder ein. Dadurch sparen sie
in Phasen schwachen Wachstums Personalkosten. Die während der
Arbeitslosigkeit von den freigesetzten Arbeitskräften bezogenen
Existenzsicherungsleistungen könnten oftmals als impliziter
Bestandteil des vereinbarten Lohnes aufgefasst werden. Sobald sich
der Arbeitskräftebedarf wieder erhöht, können die Betriebe auf
bewährte, bereits betriebsspezifisch qualifizierte Arbeitskräfte
zurückgreifen. Sie vermeiden durch temporäre Layoffs die
üblicherweise mit einer Beschäftigungsbeendigung verbundenen
Nachteile wie den Verlust betriebsspezifischen Humankapitals und die
Kosten einer Neueinstellung (etwa von Personalsuche, Personalauswahl
und Einschulung).
Diese Praxis hat über die betroffenen Betriebe und Arbeitskräfte
hinaus Konsequenzen für die Systeme der sozialen Sicherheit, da die
freigesetzten Arbeitskräfte zu einem großen Teil während der
Beschäftigungsunterbrechung arbeitslos vorgemerkt sind und Leistungen
der Arbeitslosenversicherung beziehen. Temporäre Layoffs bedeuten
folglich eine vorübergehende Verlagerung von Auslastungsrisiken auf
die betroffenen Arbeitskräfte und von Teilen der Personalkosten auf
die öffentliche Hand. Diskontinuierliche Erwerbsverläufe und
zusätzliche Ausgaben des sozialen Sicherungssystems sind die Folge.
Eine aktuelle Untersuchung des WIFO zeigt auf, dass temporäre
Layoffs in Österreich eine bedeutende Rolle spielen. Im Jahr 2013
waren 11,8% aller Neueinstellungen Wiedereinstellungen von temporär
Arbeitslosen bei demselben Arbeitgeber innerhalb einer Zeitspanne von
einem halben Jahr. 6,5% des Jahresdurchschnittsbestandes an
Beschäftigungsverhältnissen entfielen auf Arbeitskräfte, deren
Beschäftigungsverhältnisse kurzfristige Unterbrechungen ("Recalls")
aufwiesen. Die registrierte Arbeitslosigkeit während temporärer
Layoffs erreichte - unter Berücksichtigung von Wiedereinstellungen
innerhalb eines halben Jahres - etwa 12,7 Mio. Tage und trug damit
ein Achtel zur registrierten Gesamtarbeitslosigkeit bei. Dies war mit
Kosten von rund 360 Mio. € für Existenzsicherungsleistungen der
Arbeitslosenversicherung verbunden.
Rund die Hälfte der Recalls entfallen auf Bauwirtschaft, Tourismus
und Landwirtschaft - Bereiche, die stark durch saison- bzw.
wetterabhängige Schwankungen der Beschäftigung geprägt sind.
Temporäre Layoffs sind aber auch in anderen Wirtschaftsbereichen zu
beobachten. So ist z. B. in der Vermittlung und Überlassung von
Arbeitskräften jedes achte Beschäftigungsverhältnis ein Recall. Auf
die Warenherstellung entfielen im Jahr 2013 6,2%, auf den Handel
5,2%, auf Verkehr und Lagerei 5,1% und auf den Bereich "Öffentliche
Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung" 3,7% aller
Wiedereinstellungen.
Abbildung 1: Recall-Anteil am Jahresdurchschnittsbestand der
Beschäftigungsverhältnisse
(http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Innerhalb der Branchen ist das Ausmaß der Verwendung temporärer
Layoffs sehr unterschiedlich. Betriebe, die über hohen
Beschäftigungsumschlag viel Arbeitslosigkeit herbeiführen,
verursachen die gleiche Beitragslast zur Finanzierung der
Arbeitslosenversicherung wie Betriebe, die hohe
Beschäftigungsstabilität bieten und dadurch wenig Arbeitslosigkeit
verursachen. Ein Ausbau von Elementen des Experience Rating in der
Arbeitslosenversicherung könnte zur Internalisierung der vom
Arbeitslosenversicherungssystem getragenen Kosten beitragen und somit
den Anreiz verringern, das System der Arbeitslosenversicherung zur
Finanzierung kurzfristiger Auslastungsschwankungen zu missbrauchen.
Ziel sollte dabei sein, stärkere Anreize zu einer kontinuierlichen
Beschäftigung von Arbeitskräften zu setzen, ohne die notwendige
Reallokation auf dem Arbeitsmarkt zu behindern.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
12/2015 (http://monatsberichte.wifo.ac.at/58564,
http://monatsberichte.wifo.ac.at/58565,
http://monatsberichte.wifo.ac.at/58566)
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