- 18.01.2016, 09:14:52
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Österreichischer Impftag 2016: Mehr als 800 Teilnehmer – neuer Rekord
Wien (OTS) - Mit insgesamt mehr als 800 Teilnehmern, darunter über
600 Ärzten, gab es am Samstag einen neuen Rekord beim
Österreichischen Impftag. Die größte heimische
Fortbildungsveranstaltung für Ärztinnen und Ärzte sowie
Pharmazeutinnen und Pharmazeuten fand zum zweiten Mal in Wien,
diesmal im Austria Center Vienna, statt. Zentrales Thema war das
aktuell intensiv diskutierte Konzept des personalisierten Impfens,
wie die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) am Montag in einer
Presseaussendung mitteilte.
Der Impftag wird von der Österreichischen Akademie der Ärzte
organisiert. Deren Präsident und Präsident der Ärztekammer
Oberösterreich, Peter Niedermoser, betonte in seiner Begrüßung:
„Ärztinnen und Ärzte tragen wie kaum eine andere Berufsgruppe die
Verpflichtung zum lebenslangen Lernen, und zwar auf eigene Kosten und
in der Freizeit. Allein die enorme Teilnehmerzahl beim Impftag zeigt
das hohe Verantwortungsbewusstsein der heimischen Ärzteschaft
gegenüber den Patienten und das enorme Interesse an neuen
Entwicklungen in der Medizin“, so Niedermoser. Er erinnerte weiters
an die ab September geltende gesetzliche Nachweispflicht und
appellierte an die Ärzte, ihre Fortbildungsaktivitäten auch
entsprechend zu dokumentieren.
Rückkehr „vergessener“ Krankheiten
Die ausgesprochen gut besuchten „Lunchworkshops“ widmeten sich
Impfthemen, die nicht unmittelbar mit dem Kernthema „Personalisierte
Impfungen“ in Zusammenhang standen. Univ.-Prof. Ingomar Mutz konnte
anhand zahlreicher internationaler Beispiele zeigen, wie rasch und
dramatisch durch Impfung vermeidbare Erkrankungen wieder zunehmen,
sobald die Durchimpfungsraten sinken. So hatte etwa in der
Sowjetunion ein staatliches Impfprogramm ab Ende der 1950er-Jahre
binnen weniger Jahre zu einem Rückgang der Diphterie-Neuerkrankungen
um 90 Prozent geführt. 1980 schließlich war eine mehr als
90-prozentige Durchimpfungsrate in Russland erreicht. Nach dem Fall
der Sowjetunion und wohl auch als Folge des prinzipiellen Misstrauens
in staatliche Maßnahmen sank die Impfrate auf 50 bis 60 Prozent,
sodass zwischen 1990 und 1998 in Russland 157.000 Diphterie-Fälle zu
verzeichnen waren, davon verliefen 5000 tödlich. Mutz: „In unseren
Breiten vergessene Krankheiten können durch die zunehmende
Reisefreudigkeit, aber auch durch Migrationsströme jederzeit wieder
auftreten. Allein möglichst hohe Durchimpfungsraten bilden einen
wirksamen Schutz vor Epidemien.“
Rechtliche und ethische Konsequenzen der Impfverweigerung
Mehr Zuhörer, als der Saal fassen konnte, interessierten sich auch
für die rechtlichen und ethischen Folgen der Impfskepsis. Der
Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, der
niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger, erinnerte
daran, dass Schutzimpfungen und Hygienemaßnahmen die beiden größten
Erfolgsgeschichten der Medizin seien. Es sei daher „gerade bei
Schutzimpfungen gegen von Mensch zu Mensch übertragbare Erkrankungen
absolut legitim, nicht nur danach zu fragen, was die Allgemeinheit
für das Individuum tun kann, sondern auch danach, welche soziale und
moralische Verantwortung jeder Einzelne trägt“. Das treffe ganz
besonders auf Eltern zu, die schließlich verpflichtet seien, die
Gesundheit ihrer Kinder bestmöglich zu fördern.
Der Kammeramtsdirektor der Österreichischen Ärztekammer, Johannes
Zahrl, konnte anhand historischer Dokumente belegen, dass schon zu
Beginn des 19. Jahrhunderts Maßnahmen überlegt wurden, um die
Bevölkerung von dem damals gerade aufkommenden Instrument der
Schutzimpfung zu überzeugen. Er legte auch klar, dass Ärzte, die aus
medizinisch nicht vertretbaren Gründen generell von Schutzimpfungen
abraten, nicht nur mit straf- und zivilrechtlichen Folgen rechnen
müssten, sondern auch die berufs- und standesrechtlichen Konsequenzen
zu tragen hätten. Das könne bis zur Streichung aus der Ärzteliste und
damit zum Entzug der Berufserlaubnis gehen. (ar)
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