Erstmals Online-Bewertung der fachärztlichen Ausbildung (2)

Wien (OTS) - Fünf entscheidende Faktoren für die Bewertung

Bei der Auswertung haben sich fünf Faktoren herauskristallisiert, die für die Bewertung der Ausbildung und des Lernerfolgs an einer Abteilung entscheidend waren:

  • Die Qualität und Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts
  • Die Rahmenbedingungen für den Ausbildner: genügend Unterstützung durch die Leitung sowie ausreichend Zeit für die Ausbildungsaufgabe
  • Gute Rotationsmöglichkeiten
  • Das Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Ausbildung
  • Oftmaliges Feedback durch den Vorgesetzten

Kornhäusl: „Die Prioritäten sind hier ganz klar ersichtlich. Aus der Beantwortung der Fragen lässt sich ablesen, dass beispielsweise ein Ausbildungskonzept sehr hoch bewertet wird. Dort, wo Ausbildungskonzepte vorhanden sind, erhielten sie im Schnitt die Note 2,0, ihre Umsetzung wurde durchschnittlich mit 2,4 bewertet.“ Allerdings hätten nur 41 Prozent der Befragten angegeben, dass es an ihrer Abteilung ein Ausbildungskonzept gebe. „Das muss sich ändern. Schon bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung hat sich abgezeichnet, dass den Kolleginnen und Kollegen ein durchdachtes, gut umgesetztes Ausbildungskonzept wichtig ist und das Fehlen eines solchen als negativ bewertet wird“, betonte Kornhäusl. Auch der richtige Ansprechpartner sei für eine gute Bewertung der Abteilung und den Ausbildungs- bzw. Lernerfolg wichtig. „Dass 31 Prozent der befragten Kolleginnen und Kollegen nicht wissen, wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist, ist ein Schandfleck, den wir beseitigen müssen. Die Bundeskurie hat in einer Resolution Mitte Dezember 2015 daher gefordert, dass in den Spitälern eigene Ausbildungs-Oberärzte eingestellt werden, um diese Situation zu verbessern“, so Kornhäusl weiter.

„Die ausbildenden Ärztinnen und Ärzte werden ja grundsätzlich gut bewertet. Die fachliche Kompetenz schneidet mit 1,35 sehr gut ab, auch die didaktische Vermittlung wird mit 1,86 durchaus zufriedenstellend bewertet“, führte Kornhäusl aus. Es hapert jedoch an den Rahmenbedingungen für die Ausbildner. Vor allem Zeit und Unterstützung fehlen; Feedback zu ihrer Arbeit erhalten 71 Prozent der auszubildenden Ärztinnen und Ärzte lediglich „hin und wieder“ oder „nie“. Kornhäusl: „Das deutet auf einen massiven Zeitmangel hin. Dabei wäre das Feedback für die Kolleginnen und Kollegen von großer Bedeutung, spiegelt es doch auch den eigenen Lernerfolg wieder und zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf.“

Weiters forderte Kornhäusl ein verpflichtendes Fortbildungsbudget sowie die Schaffung so genannter Skill-Zentren, wie sie in anderen Ländern längst üblich sind und das Üben verschiedener Techniken erlauben. „Österreich könnte dadurch international wettbewerbsfähiger werden“, so der Turnusärzte-Sprecher.

Noch immer brennendes Thema: Arbeitsbelastung und Leistungsdichte

Ein weiteres Problem ist der mitverantwortliche Tätigkeitsbereich: 41 Prozent der Befragten gaben an, dass die Tätigkeiten des mitverantwortlichen Bereiches auf Basis des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) nur teilweise oder gar nicht vom Pflegepersonal übernommen würden. Als Hauptgrund dafür wird ein Mangel an Pflegepersonal gesehen, allerdings spielen auch andere Faktoren wie unzureichende Ausbildung eine Rolle. Kornhäusl: „Auch das sollten wir im Interesse der auszubildenden Kolleginnen und Kollegen, aber auch im Interesse des Pflegepersonals heuer unbedingt in Angriff nehmen. Der mitverantwortliche Tätigkeitsbereich ist klar umrissen; die Träger sind gefordert, für ausreichend gut ausgebildetes Personal zu sorgen, das die Ärzteschaft entlasten und diese Tätigkeiten übernehmen kann.“

Nach wie vor sind Arbeitsbelastung und Leistungsdichte ein zentrales Thema. Die Hälfte der Befragten gab an, immer oder meistens länger im regulären Tag-Dienst bleiben zu müssen, um die Arbeit zu erledigen. Knapp ein Drittel (29%) erklärte, dass die Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten nur teilweise oder gar nicht eingehalten werden. Die Gründe liegen für die Betroffenen klar auf der Hand: Personalmangel (72%) und schlechte Organisation (18%). Kornhäusl: „Natürlich spielt hier auch die Work-Life-Balance eine Rolle. Diese wird nur von 43 Prozent als sehr gut oder gut bezeichnet – das ist eine Schraube, an der wir unbedingt drehen müssen.“ (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Dr. Susanne Lang-Vorhofer
(++43-1) 514 06 - 3348

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE0002