Erstmals Online-Bewertung der fachärztlichen Ausbildung (1)

Punktueller Verbesserungsbedarf

Wien (OTS) - Im November 2015 wurden die österreichischen Turnusärztinnen und –ärzte in Ausbildung zum Facharzt erstmals via Online-Befragung zur Evaluierung ihrer Ausbildungssituation eingeladen. Die Bewertung zeigt auf, dass die fachärztliche praktische Ausbildung in den heimischen Spitälern grundsätzlich ganz gut angenommen und bewertet wird. Verbesserungspotenzial ist dennoch gegeben, speziell, was die Ausbildung in manchen Fächern, aber auch einigen Bundesländern betrifft. Auch das Fehlen eines Ausbildungskonzeptes wird bemängelt, ebenso der Umstand, dass die auszubildenden Ärztinnen und Ärzte oft nicht wissen, wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist. Die Entlastung der Ärzteschaft durch Delegation von Tätigkeiten des mitverantwortlichen Bereiches an das Pflegepersonal wurde ebenfalls als essenziell für einen guten Lernerfolg genannt.

„Die Durchschnittsnote auf der Schulnotenskala liegt mit 2,36 über dem letzten Ergebnis der Evaluierung der Ausbildung in der Allgemeinmedizin. Dennoch gibt es einige wichtige Verbesserungsmöglichkeiten, die wir schleunigst in Angriff nehmen sollten“, fasste Karlheinz Kornhäusl, stv. Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion Turnusärzte, die Resultate zusammen.

In diesem Zusammenhang stellte Kornhäusl folgende Forderungen auf:
• Krankenanstaltenträger müssen gute Ausbildung als eigene Verpflichtung wahrnehmen
• Zeit- und Personalressourcen für die Ausbildenden
• Strukturierte Ausbildungsassistenz
• Qualitätsgesicherte Ausbildung
• Entlastung von Administrations- und Dokumentationsaufgaben
• Mehr Zeit für Medizin, mehr Zeit für Wissensvermittlung und -aneignung, mehr Zeit für den Patienten
• Planung und Planungssicherheit für gesamten Ausbildungsweg/Arztkarriere
• Aktive Fortbildungsunterstützung durch Freistellung und Kostenübernahme
• Vertrag auf Ausbildungsdauer
• Familienfreundliche Maßnahmen (Teilzeit, Kinderbetreuung) für Ausbildungsärzte
• Entsprechende Entlohnung
• Fixe Implementierung von „Ausbildungs-Oberärzten“
• Schaffung von Skill- und Trainingszentren in ganz Österreich

Die Auswertung

Prinzipiell wird die fachärztliche Ausbildung etwas besser beurteilt als die allgemeinmedizinische: 77 Prozent der Befragten geben an, dass die fach- und abteilungsspezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten „zur Gänze“ bzw. „zu einem großen Teil“ vermittelt worden seien. Bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung lag der Anteil derer, die sich gut ausgebildet fühlten, zuletzt bei 38 Prozent.

Doch man müsse dieses Ergebnis insofern bereinigen, als einige Fächer überdurchschnittlich gut abschneiden, während andere deutlich unter dem Durchschnitt liegen. „Das am schlechtesten bewertete Fach, die Neurochirurgie, erhielt die Note 2,60, ist also gerade einmal befriedigend, während das am besten bewertete Fach – Plastische Chirurgie – die Note 1,92 einheimsen konnte“, führte Kornhäusl aus. Die Ausbildung in den Fächern Dermatologie, Unfallchirurgie und Orthopädie wird ebenfalls deutlich schlechter bewertet als im Österreichschnitt. Auch die Bewertung nach Bundesländern schwankt deutlich: Oberösterreich schneidet mit 2,06 signifikant besser ab als der Durchschnitt, während die Bewertung für Wien mit 2,76 deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

Die Ergebnisse der Evaluierung seien repräsentativ für den aktuellen Status der fachärztlichen Ausbildung in den heimischen Spitälern. Insgesamt wurden 1.392 Fragebögen vollständig ausgefüllt. Derzeit befinden sich rund 4.700 Ärztinnen und Ärzte in Facharztausbildung; die Beteiligungsquote liegt somit bei 30 Prozent. „Die Vorgangsweise war größtenteils ident mit der, die im Zuge der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung zur Anwendung kam: Die Kolleginnen und Kollegen wurden zum überwiegenden Teil per E-Mail eingeladen und konnten über die Mail direkt zur Online-Befragung gelangen“, sagte Kornhäusl. Eine Auswertung einer Abteilung wurde nur vorgenommen, wenn mindestens vier Bewertungen vorlagen. (Forts.)

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