- 15.12.2015, 11:10:01
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Neuer Wertschöpfungsbarometer:
Gewinnauszahlungen in einem Jahr 7,6-mal so stark gestiegen wie Personalaufwand
Utl.: Gewinnauszahlungen in einem Jahr 7,6-mal so stark gestiegen
wie Personalaufwand =
Linz (OTS) - 2014 überstieg die durchschnittliche
Pro-Kopf-Wertschöpfung (Produktivität) in öster-reichischen Mittel-
und Großbetrieben den durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalauf¬wand um
33.165 Euro. Nach einem Rückgang in den Jahren 2012 und 2013 hat sich
dieser Wert 2014 wieder leicht erhöht. Gleichzeitig sind die
Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen pro Beschäftigtem
überproportional um 34,8 Prozent auf 14.551 Euro angestiegen.
„Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums eine bedenkliche
Entwicklung, denn das Geld hätte ja auch in höhere Löhne und Gehälter
fließen bzw. dringend nötige Investitionen in Innovationen und neue
Arbeitsplätze finanzieren und so die Nachfrage ankurbeln können“,
sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.
Während die Interessenvertreter der österreichischen Unternehmen
lautstark über mangelnde Wettbewerbsfähigkeit aufgrund angeblich zu
hoher Lohnkosten jammern, um dadurch die Lohnansprüche klein zu
halten oder eine Senkung der Lohnnebenkosten durchzusetzen, schrauben
sie gleichzeitig die durchschnittlichen Gewinnauszahlungen an die
Eigentümer/-innen in die Höhe. Dadurch fehlen Mittel für wichtige
Investitionen in Forschung und Entwicklung, die am ehesten geeignet
wären, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nachhaltig
sicherzustellen. Diese Schlüsse lassen sich aus den Berechnungen zum
AK-Wertschöpfungsbarometer ziehen.
Seit 2004 wurden die Gewinnauszahlungen pro Beschäftigter/pro
Beschäftigtem um rund 74,1 Prozent erhöht, dreimal so stark wie der
Personalaufwand pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem, der im gleichen
Zeitraum nur um 25,1 Prozent gestiegen ist. Im Vorjahr sind die
Gewinnauszahlungen pro Beschäftigtem sogar 7,6-mal so stark
angestiegen wie der Personalaufwand!
Beim Wertschöpfungsbarometer errechnet die AK Oberösterreich anhand
der veröffentlichten Jahresabschlüsse mittlerer und großer
Unternehmen seit Jahren, wie sich die Produktivität der Beschäftigten
im Vergleich zu den Personalaufwendungen entwickelt und wofür die
daraus erwirtschafteten Überschüsse verwendet werden. Jetzt wurde
diese Auswertung um die Daten der aktuell vorliegenden
Jahresabschlüsse 2014 von derzeit 934 Unternehmen mit insgesamt
400.062 Beschäftigten erweitert. Auf kleine Betriebe sind aus der
Studie keine Rückschlüsse möglich.
Mit zukunftsfähigen Investitionen in beschäftigungsfördernde
Sachanlagen kann ein Unternehmen abgesichert und auch der
Unternehmenswert nachhaltig gesteigert werden. Die durchschnittliche
Investitionsneigung (das prozentuelle Verhältnis der
Sachinvestitionen zum Wertverlust der Sachanlagen) der untersuchten
Unternehmen hat sich 2014 aber - relativ deutlich - um zehn
Prozentpunkte auf 123 Prozent vermindert – ein eindeutiges Indiz
dafür, dass insgesamt weniger in die Sachanlagen investiert wurde.
Das schwächt die Entwicklung der Unternehmen und gefährdet
Arbeitsplätze.
Fazit: Die hohe Produktivität ihrer Mitarbeiter/-innen hat
Österreichs Mittel- und Großbetrieben auch 2014 eine hohe
Rentabilität des Eigenkapitals und den Eigentümer/-innen hohe
Gewinnauszahlungen ermöglicht. Aufgrund der im Vergleich dazu
schwachen Lohnentwicklung fehlt es aber an wachstumsfördernder
Nachfrage. „Die Leistung der Beschäftigten muss entsprechend
abgegolten werden. Zudem schwächen geringe Lohn- und
Gehaltserhöhungen die Kaufkraft und werden so zum Bumerang“ sagt der
AK-Präsident.
Kalliauer fordert kräftige Lohn- und Gehaltssteigerungen zur Stärkung
der Kaufkraft. Die Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen
sollten sich in ihrer längerfristigen Entwicklung an der Entwicklung
der Löhne und Gehälter orientieren. Boni-Zahlungen an Vorstände und
Geschäftsführer/-innen sollten an beschäftigungsrelevante, soziale
und ökologische Kriterien gekoppelt und in ihrer Höhe gedeckelt
werden.
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