- 09.12.2015, 12:45:12
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Ein Jahr Berufsakademie: Best-practice-Beispiel für hochschulische Weiterbildung
Bildungsreform der Bundesregierung ist gute Basis, auf der weitergearbeitet werden muss. Weiterbildung muss im Hochschulsektor gestärkt werden
Utl.: Bildungsreform der Bundesregierung ist gute Basis, auf der
weitergearbeitet werden muss. Weiterbildung muss im
Hochschulsektor gestärkt werden =
Wien (OTS) - „Das aktuelle Bildungsreformpapier der Bundesregierung
war nicht der große Wurf, aber es ist eine gute Basis, auf der man
weiterarbeiten kann“, betonte Michael Landeshammer (Leiter der
Abteilung für Bildungspolitik der WKÖ und Institutsleiter WIFI
Österreich) heute im Rahmen einer Presskonferenz zu den Themen
„Bildungsreform – Weiterbildung – Evaluierung der Berufsakademie“ in
Wien. Positiv zu bewerten seien etwa das zweite verpflichtende
Gratis-Kindergartenjahr, der Bildungskompass für Kinder bis zum Ende
der Schulpflicht, die verstärkte Schulautonomie oder auch künftig
mehr Transparenz durch die Tatsache, dass nun alle Landes- und
Bundes-Lehrer über das Bundesrechenzentrum abgerechnet werden. In
Punkto Schulverwaltung zweifelte Landertshammer an, ob es tatsächlich
Verwaltungsvereinfachungen geben werde, „da alle Stakeholder ihren
Einfluss behalten und bloß die Türschilder ausgetauscht werden“.
Sowohl das Fehlen einer intensiven Berufsorientierung vor der achten
Schulstufe, als auch ein fehlendes Zertifikat über die schulischen
Grundkompetenzen am Ende der Pflichtschule seien zu bemängeln.
Wichtig wäre auch eine Aufwertung und Imageverbesserung der
beruflichen Bildung. „Das Image der Lehre kann nur angehoben werden,
wenn den Jugendlichen nach einem Lehrabschluss alle Wege offen stehen
– auch und vor allem in den tertiären Bildungssektor“, so
Landertshammer. Diesbezüglich sei der Universitätsentwicklungsplan
des Vizekanzlers und Wissenschaftsministers grundsätzlich gut. Was
aber noch fehle, sei die bessere Durchlässigkeit aus dem beruflichen
Ausbildungsweg in den Hochschulsektor.
„Es gibt noch viel zu tun, aber die Basis ist gelegt. Wir gehen davon
aus, dass auch die Sozialpartner in künftige Reformüberlegungen
involviert werden“, ergänzte Markus Raml, Kurator des WIFI
Österreich. „Die vom WIFI und der Wirtschaftskammer Österreich
gemeinsam mit der FHWien der WKW und der Bundessparte Handel der WKÖ
vor einem Jahr gegründeten Berufsakademien seinen ein best-practice
Beispiel für die Fort- und Weiterbildung für Menschen, die aus dem
Dualen Bildungssystem kommen und sich im tertiären Bereich
weiterbilden wollen“, so Raml. Mit der Berufsakademie wurde ein neues
tertiäres Berufsbildungsangebot etabliert. Zielgruppe sind
Berufstätige aus der mittleren Qualifikationsebene mit absolvierter
Berufsbildung und mehrjähriger Berufserfahrung. Durch die gemeinsame
Organisation und Konzeption von WKÖ, WIFI, FHWien der WKW und der
Bundessparte Handel kann eine praxisbezogene und berufsbegleitende
Ausbildung auf Hochschulniveau garantiert werden. Angeboten werden
derzeit zweisemestrige Lehrgänge und darauf aufbauend zweisemestrige
Master-Programme in den Bereichen „Handelsmanagement“ und
„Marketing&Verkauf“. Die Lehrgänge, die in ganz Österreich an den
WIFIs berufsbegleitend wahrgenommen werden können, wurden alleine im
ersten Jahr ihres Bestehens von knapp 1.000 Studierenden belegt. Das
Potenzial in Österreich liege bei bis zu 7.000 Teilnehmern. Raml: „In
den kommenden zwei Jahren wollen wir die Teilnehmerzahl von derzeit
1.000 verdoppeln.“
Michael Heritsch (Geschäftsführer der FHWien der Wirtschaftskammer
Wien) wies darauf hin, dass „die Hürden für den Schritt von
Lehrabschlussabsolventen in den hochschulischen Sektor noch immer zu
groß sind. Die Zahlen zeigen, dass die derzeit bestehenden Modelle –
etwa einer Berufsreifeprüfung für den Uni-Zugang – noch ein
‚Minderheitenprogramm‘ sind. Mit der Berufsakademie wollen wir dieses
Manko aufbrechen.“ Um einen Lehrgang an der Berufsakademie
absolvieren zu können, ist neben dem positiven Lehrabschluss auch
eine gewisse Berufserfahrung erforderlich. Für Rene Tritscher
(Geschäftsführer der Bundessparte Handel der WKÖ) ist „durch die
Etablierung der Berufsakademie eine optimale Verbindung zwischen
Beruf und Studium gelungen“. Positiv sei auch, dass die Lehrgänge
neben einer Vollzeitbeschäftigung möglich seien. „Was uns besonders
freut, ist dass sowohl Mitarbeiter aus kleinen als auch großen
Unternehmen die Berufsakademien besuchen und wir es geschafft haben,
ein Programm zu entwickeln, das nicht fern ab von der Handelswelt
läuft, sondern die Praxis optimal mit einem wissenschaftlichen
Hintergrund verbindet - das ist einer der Erfolgsfaktoren der
Berufsakademie“, so Tritscher. In der Evaluierungsstudie zur
Berufsakademie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft
(ibw) ist unter anderem auch herausgekommen, dass die Beweggründe der
Studierenden an einem solchen Lehrgang teilzunehmen darin liegen,
sich einerseits persönlich weiterzubilden und andererseits im
Unternehmen selbst beruflich weiterzukommen. Tritscher: „Außerdem
sind die Lehrgänge auch eine hervorragende Vorbereitung auf dem Weg
in die Selbstständigkeit!“
Weitere Evaluierungsergebnisse wurden von Benjamin Gruber (Institut
für Bildungsforschung der Wirtschaft ibw) präsentiert: Die
Studierenden sind Mitte Dreißig und haben entweder eine Lehre oder
mittlere bzw. höhere Schule (zumeist im Handel/kaufmännischen
Bereich) absolviert. Fast alle sind vollzeitbeschäftigt, rund 10-15%
selbstständig. Für die meisten Studierenden ist die kurze
Anreisedauer zum Ort der Lehrveran¬staltung (WIFI) ein wichtiges
Kriterium. Die allgemeine Zufriedenheit mit den Lehrgängen der
Berufsakademie kann als äußerst hoch eingestuft werden - über zwei
Drittel würden sie weiterempfehlen. Zudem haben fast alle dezidiert
vor, nach den beiden ersten Semestern den weiter¬führenden
Master-Studiengang zu belegen. Für viele Teilnehmer stellt die
Berufsakademie eine Alternative für ein FH-Studium dar. Die Eröffnung
neuer beruflicher Perspektiven stellt für die Befragten das
wichtigste Ziel im Zusammenhang mit dem Besuch der Berufsakademie
dar. Aber auch die Verbesserung der beruflichen Leistungsfähigkeit
sowie die bessere berufliche Position werden als wichtig erachtet.
Der Fokus liegt hier vor allem auf einer vertikalen Entwicklung
(höhere Position) innerhalb des derzeitigen Unternehmens. Die
Unterstützung von Seiten der Arbeitgeber spielt beim Besuch einer
solchen Ausbil¬dungsform eine wichtige Rolle. Über die Hälfte der
befragten Personen gab an, dass sie in Form einer flexiblen
Zeit¬eintei¬lung unterstützt werden. (PWK967/BS)
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