• 08.12.2015, 09:45:37
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ELGA: Ärztekammer kritisiert „hohe Kosten bei derzeit wenig Nutzen“

Sorge vor zusätzlichem administrativem Aufwand – Offenlegung aller Kosten im Wiener Krankenanstaltenverbund gefordert

Utl.: Sorge vor zusätzlichem administrativem Aufwand – Offenlegung
aller Kosten im Wiener Krankenanstaltenverbund gefordert =

Wien (OTS) - Für die Ärztekammer besteht hinsichtlich des morgigen
Startschusses für die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) nach wie
vor „kein Grund zum Jubel“. Trotz einjähriger Verspätung hätten es
die Verantwortlichen nämlich nicht geschafft, ein praxistaugliches
Informationssystem mit Vorteilen für die Patienten bei gleichzeitiger
Benutzerfreundlichkeit für die Ärzteschaft auf die Beine zu stellen,
kritisiert der Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres.

Vor allem die Unsicherheit über einen möglichen zusätzlichen
administrativen Aufwand beunruhigt die Mediziner. „Ich befürchte
jedenfalls, dass es aufgrund fehlender Suchfunktionen zukünftig ein
Mehr an Bürokratie geben wird, und zwar sowohl in den Ordinationen
als auch in Spitälern.“ Damit aber bliebe noch weniger Zeit für den
direkten Kontakt mit den Patienten.

Szekeres fordert die Offenlegung sämtlicher Kosten der
ELGA-Implementierung im Wiener Krankenanstaltenverbund: „Gerade in
Zeiten, in denen man über Abteilungszusammenlegungen und
Ambulanzschließungen nachdenkt, sollte jeder Euro für die Patienten,
und nicht patientenfern für EDV-Projekte, investiert werden.“ ELGA
dürfe keine Priorität haben, wenn Patienten, etwa im MR-/CT-
beziehungsweise nuklearmedizinischen Bereich, über lange Wartezeiten
klagten.

Es sei absehbar, dass die niedergelassenen Kolleginnen und
Kollegen ELGA nicht umsetzen werden. Die Gespräche über die
Finanzierung in den Ordinationen hätten nicht einmal noch begonnen.
Daher werde ELGA „ein Torso bleiben, für den man sinnlos in den
Spitälern Geld verschwendet hat“. Szekeres hätte dieses Geld lieber
für die Patientenversorgung verwendet gewusst.

Über all dem stünden nach wie vor auch massive
datenschutzrechtliche Bedenken. Szekeres: „Die Praxis zeigt, dass der
Patient in den Spitälern gar nicht weiß, wer seine gesamte ELGA
einsieht, weil das von jedem Spitalsträger in Österreich individuell
geregelt wird.“ Das sei für die Patienten eine belastende
Unsicherheit und damit „grob patientenfeindlich“. (hpp)

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