• 03.12.2015, 14:11:00
  • /
  • OTS0187 OTW0187

Visionär und bahnbrechend: Wegbereiter(innen) des Neuen von Lehmbruck bis De Bruyckere

Neues Leopold Museum-Direktorium und Kurator(inn)en präsentieren Jahresvorschau 2016

Ausstellung Wilhelm Lehmbruck: Wilhelm Lehmbruck
(1881–1919), Kniende,1911, Bronze, 174,5 × 67,7 × 140 cm,
Privatbesitz

Utl.: Neues Leopold Museum-Direktorium und Kurator(inn)en
präsentieren Jahresvorschau 2016 =

Wien (OTS) - Im Rahmen der Antrittspressekonferenz präsentierte das
neue Direktorium des Leopold Museum – Hans-Peter Wipplinger
(Museologischer Direktor) und Gabriele Langer (Kaufmännische
Direktorin) – am Donnerstag, 3. Dezember 2015 gemeinsam mit den
Kurator(inn)en und Gastkurator(inn)en kommende Ausstellungen sowie
laufende und künftige Projekte. Die Ausstellungen des Leopold Museum
im Jahr 2016 bieten ein breites Spektrum von der Kunst des 19.
Jahrhunderts über die klassische Moderne bis hin zur zeitgenössischen
Kunst. Der Großteil der Projekte nimmt auf die Sammlung des Leopold
Museum Bezug und intendiert, so Hans-Peter Wipplinger, „durch eine
intensive Verschränkung von Sammlungskonvoluten und externen
Leihgaben in Wechselausstellungen eine kontinuierliche
Neukontextualisierung von Exponaten der Sammlung aus einer
gegenwärtigen Perspektive.“ Internationale Positionen werden ebenso
präsentiert wie Werke österreichischer Künstlerinnen und Künstler.

Restaurierungsbedürftige Schätze: Donatoren und Paten gesucht

Die erste Schau des neuen Jahres, initiiert von Hans-Peter Wipplinger
und gemeinsam mit Sammlungskurator Franz Smola konzipiert, rückt ab
29. Jänner „Verborgene Schätze der Sammlung“ des Leopold Museum in
den Mittelpunkt. Gezeigt wird eine Auswahl aus jenen Werken, die ab
1994 bereits in einem restaurierungsbedürftigen Zustand in den
Stiftungsbestand eingebracht worden waren. Zeit- und Geldmangel
hatten bisher die Restaurierung verhindert. Konservatorische
Maßnahmen sind nicht nur bei Gemälden sondern auch bei Objekten der
Wiener Werkstätte oder bei Möbeln nötig. Hans Peter Wipplinger: „Mit
dieser Ausstellung wollen wir Patenschaften für die Kunstwerke
gewinnen. Dies soll uns ermöglichen, die Werke künftig in der
permanenten Sammlung zu präsentieren.“

Leopold Museum extern: Kubin, Boeckl und Co. auf Reisen

Unter dem Motto „Sammlung Leopold auf Reisen“ werden künftig externe
Präsentationen ausgewählter Zusammenstellungen aus dem
Sammlungsbestand forciert. Der Fokus soll dabei nicht nur auf der
Kunst in Wien um 1900 oder den Werken Egon Schieles liegen, sondern
beispielsweise auch auf Werken des Österreichischen
Stimmungsimpressionismus (Emil Jakob Schindler, Tina Blau, Theodor
von Hörmann u.v.m.), den grafischen Arbeiten Alfred Kubins oder den
Werken der österreichischen Kunst der 1920er-Jahre (Herbert Boeckl,
Hans Böhler, Albin Egger-Lienz u.a.).

Lehmbruck: Erneuerer und Wegbereiter der modernen Skulptur

Die erste umfassende Retrospektive zum Werk von Wilhelm Lehmbruck
(1881—1919) zeigt ab 8. April die künstlerische Entwicklung des
bedeutenden expressionistischen Künstlers. Hans-Peter Wipplinger,
Kurator der Ausstellung: „Wir widmen diese Schau dem einflussreichen
Erneuerer und Wegbereiter der modernen europäischen Bildhauerkunst.“
Hauptwerke Lehmbrucks werden ebenso zu sehen sein wie Arbeiten seiner
Freunde, Weggefährten und Zeitgenossen, unter Ihnen Alexander
Archipenko, Amedeo Modigliani, George Minne, Ernst Barlach, Käthe
Kollwitz oder Egon Schiele. Die Gegenüberstellung von Werken
Lehmbrucks mit jenen von Joseph Beuys, der die Bedeutung des
Künstlers für sein Schaffen betonte, bildet den krönenden Abschluss
der Schau. Wipplinger: „Der künstlerische Dialog zwischen den Werken
Lehmbrucks und den Arbeiten von Joseph Beuys zeigt die hohe
Ähnlichkeit formaler Prinzipien auf, die besonders im Bereich der
Zeichnung hinsichtlich der Aspekte des Flüchtigen und
Unabgeschlossenen ins Auge fällt. Gleichzeitig ist diese
Gegenüberstellung aber auch ein Zeichen für die über seine Zeit
hinausweisende Wirkkraft Lehmbrucks.“

De Bruyckere: Rohe Schönheit und Verletzlichkeit des
menschlichen Körpers

Zeitgleich mit der Retrospektive von Wilhelm Lehmbruck präsentiert
das Leopold Museum die erste große Einzelausstellung der belgischen
Künstlerin Berlinde De Bruyckere (geb. 1964) in Wien.
Ausstellungskuratorin Stephanie Damianitsch: „Die Künstlerin zählt
mit ihren eindrücklichen Skulpturen, die den menschlichen Körper in
seiner rohen Schönheit und Verletzlichkeit in den Fokus rücken, zu
den international bekanntesten Bildhauerinnen der Gegenwart.“ De
Bruyckere nimmt sich mit ihren Skulpturen den Formationen und
Deformationen des menschlichen Körpers als Ort historischer
Einschreibungen an. Sie lässt sich von aktuellen Medienbildern, aber
auch von der klassischen Ikonografie der Kunstgeschichte inspirieren.
Das Leopold Museum bildet mit seinem Fokus auf der Kunst der Wiener
Moderne, einen perfekten Resonanzraum für die Personale. Damianitsch:
Vergleichbar mit den Bestrebungen von De Bruyckere trachteten auch
die Künstler der Wiener Moderne – neben ihrem Fokus auf
Psychologisierung – danach „das Fleisch zu erkennen“ (Werner Hofmann)
und gingen hierbei „vom Figurativen in die Defiguration“, um „Leben
und Tod, Eros und Thanatos, Lustprinzip und Todestrieb zu
verschränken“ (Jacques Le Rider).

Hörmann: Stimmungsimpressionist und Visionär

Der Stimmungsimpressionist Theodor von Hörmann (1840—1895) gilt als
eine der ungewöhnlichsten und eigenständigsten
Künstlerpersönlichkeiten des späten 19. Jahrhunderts. Eine große
Schau des u.a. von der Schule von Barbizon und den französischen
Impressionisten beeinflussten Künstlers macht ab 29. April erstmals
den Weg Hörmanns vom Realisten zum Impressionisten nachvollziehbar.
Als Kuratorin der Ausstellung konnte mit der Kunsthistorikerin
Marianne Hussl-Hörmann eine direkte Nachfahrin des Künstlers und
profunde Kennerin des Werkes gewonnen werden. Hussl-Hörmann: „Theodor
von Hörmann beschritt sowohl in seiner Malerei als auch in seinem
kulturpolitischen Engagement neue innovative Wege. Seine visionären
Ideen, wie sein Engagement für die Gründung der Secession sowie einer
modernen Galerie in Wien, hatte er als erster angesprochen und
verfolgt. Sein Werk gibt ein lebendiges Beispiel für das Ringen um
eine neue Wahrnehmung und eine adäquate malerische Sprache im Kontext
internationaler Strömungen."

Fremde Götter: Stammeskunst im Kontext der Moderne

Die Sammeltätigkeit von Museumsgründer Rudolf Leopold war vielseitig.
In der Ausstellung „Fremde Götter“ zeigt das Leopold Museum ab 23.
September erstmals den hochkarätigen Bestand an Stammeskunst aus der
Sammlung Leopold. Der Ethnologe Erwin Melchardt, der die Objekte in
den letzten Jahren wissenschaftlich bearbeitet hat, setzt die
Meisterwerke „primitiver“ Kunst gemeinsam mit Ivan Ristić, Kurator
des Leopold Museum, in einen Bezug mit Werken der klassischen
Moderne. Ristić: „Von Picasso, der angesichts afrikanischer Masken im
Pariser Musée d’Ethnographie erkannte „um was es in der Malerei
wirklich geht“ über Werke der expressionistischen Künstlergruppe
„Brücke“, der Surrealisten und Dadaisten bis hin zur zeitgenössischen
Kunst wird die Rezeption der Kunst Afrikas und Ozeaniens dargelegt.“
Erwin Melchardt: „Für den Sammler Rudolf Leopold war die
„ursprüngliche“ Kunst der sogenannten „Naturvölker“ eine a priori
expressionistische. Über 200 seltene Ahnenfiguren, Tanzmasken,
Werkzeuge, Bauplastiken und andere außergewöhnliche Werke befinden
sich in der Sammlung des Museums.“ Eine Auswahl aus diesen Objekten
tritt mit Arbeiten von Pablo Picasso, Amedeo Modigliani, Ernst Ludwig
Kirchner oder Max Ernst in einen anregenden Dialog.

Poetiken des Materials: Junge Künstler(innen) und das
„Material“ von Geschichte(n)

Ab 21. Oktober präsentiert die Ausstellung „Poetiken des Materials“
sechs in Wien lebende Künstlerinnen und Künstler – Benjamin Hirte,
Sonia Leimer, Christian Mayer, Mathias Pöschl, Anne Schneider und
Misha Stroj. Ihre Werke zeichnen sich sowohl durch die
Auseinandersetzung mit kulturellen Diskursen sowie Geschichtlichkeit
aus, als auch durch die Vielzahl der verwendeten Medien und
Materialien. Mit ihren skulpturalen bzw. multimedialen Ansätzen
wenden sie sich verstärkt den materiellen Aspekten von Kunstwerken
und deren bedeutungsstiftendem Potenzial zu. Wie Stephanie
Damianitsch, Kuratorin der Ausstellung, erläutert, werden „Material
sowie die medialen Praxen der Sichtbarmachung zur Sprache neuer, oft
durch Ironie geprägter Erzählungen, die sich im spielerischen
Wechselverhältnis von Material, Medium, Display und Raum entspinnen.“
Entgegen der kritischen Reflexion von Geschichtlichkeit und deren
Repräsentation unter den gegenwärtig virulenten Begriffen
„Virtualität“, „Simulation“ oder „Immaterialisierung“ erhält die Welt
der greifbaren Dinge, ihre Ästhetik und Geschichtsträchtigkeit in den
Arbeiten der präsentierten Künstler(innen) damit eine völlig neue
Gewichtung.

Das Direktorium

Hans-Peter Wipplinger studierte Kunstgeschichte, Theater- und
Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien. Er arbeitete
unter anderem am OK Centrum für Gegenwartskunst Linz und am New
Museum of Contemporary Art in New York. Von 2003 bis 2007 war er
Direktor und Geschäftsführer des Museum Moderner Kunst in Passau
sowie von 2008 bis Ende September 2015 Direktor der Kunsthalle Krems.
Seit Oktober 2015 bekleidet er die Funktion des museologischen
Direktors des Leopold Museum. Hans-Peter Wipplinger kuratierte
zahlreiche Themenausstellungen sowie monografische Ausstellungen zur
klassischen Moderne und zur Gegenwartskunst, u.a. zum Werk von Paula
Modersohn-Becker, Francis Picabia, Joseph Beuys, Yoko Ono, Franz
West, Anna Jermolaewa, Pipilotti Rist oder Ernesto Neto.

Gabriele Langer absolvierte ihr Studium an der FH Wien mit
Schwerpunkt Finanz-, Steuer-, Rechnungswesen und war auch als Lektor
für operatives Controlling tätig. Mehr als 15 Jahre war sie in einer
der namhaftesten Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei
tätig und hier mit der Ausgliederung der österreichischen
Bundesmuseen betraut. 2000 wechselte sie als kaufmännische Direktorin
an das Kunsthistorische Museum. In den Jahren 2008 bis 2013 war sie
in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung mit dem Schwerpunkt der
Beratung von Kulturbetrieben und den wohl bekanntesten
österreichischen Festspielen tätig, ehe sie im April 2013 in das
Leopold Museum wechselte. Mit 1. August 2015 wurde Gabriele Langer
zur kaufmännischen Direktorin des Leopold Museum berufen.

Wechselausstellungen:

WILHELM LEHMBRUCK. Retrospektive (08.04. – 04.07.2016)
BERLINDE DE BRUYCKERE (08.04. – 04.07.2016)
THEODOR VON HÖRMANN (29.04. – 05.09.2016)
FREMDE GÖTTER. Stammeskunst im Kontext der Moderne (23.09.2016 –
09.01.2017)
POETIKEN DES MATERIALS (21.10.2016 – 30.01.2017)

Sammlungspräsentationen:

EGON SCHIELE. Selbsthingabe und Selbstbehauptung.
Neupräsentation der Egon Schiele-Sammlung (seit 23.09.2015)
VERBORGENE SCHÄTZE DER SAMMLUNG (29.01. – 22.02.2016)
SAMMLUNG LEOPOLD AUF REISEN (Laufendes Projekt)

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | LPM

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel