"Wie kommt die Kunst ins Museum?" – eine Themenführung im Leopold Museum

"Fakten, die verschwiegen werden" – eine Initiative der IKG

Wien (OTS) - Im Leopold Museum befinden sich unter anderen folgende Schiele-Zeichnungen:

"Selbstdarstellung mit gestreiften Ärmelschonern", 1915 "Rückenansicht eines vorgebeugten Jünglingsaktes", 1908 "Frauenakt"
"Sitzender Bub mit gefalteten Händen", 1910
"Selbstbildnis in weißem Anzug mit Panama-Hut", 1910

Provenienz
Diese Schiele-Zeichnungen stammen aus der Sammlung von Karl Mayländer. Fünf weitere Blätter der Sammlung Karl Mayländer befanden sich in der Albertina, diese wurden mittlerweile restituiert.

Schicksal
Der Sammler Karl Mayländer wurde nach der NS-Machtergreifung in Österreich im März 1938 als Jude verfolgt, nach Lodz deportiert und ermordet. Nach 1945 befand sich die Sammlung bei Etelka Hofmann. Sie war aber weder Erbin noch Ehefrau oder Lebensgefährtin von Karl Mayländer. Dennoch hat sie nach 1945 Schiele-Zeichnungen aus der Sammlung an die Albertina und an Prof. Dr. Rudolf Leopold verkauft.

Gegenwart
Im Juni 2011 hat der Kunstrückgabebeirat dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur einstimmig empfohlen, die fünf Zeichnungen von Egon Schiele aus der Albertina zu restituieren. Dem Rückgabebeschluss folgend, hat die Albertina diese Zeichnungen an die rechtmäßige Erbin von Karl Mayländer ausgefolgt.

Bereits im November 2010 hat ein von der damaligen Kulturministerin eingesetztes Gremium, welches die von der unabhängigen Provenienzforschung erarbeiteten Dossiers bewertet, die sogenannte "Michalek-Kommission", die Restitution der fünf Schiele-Zeichnungen aus dem Leopold Museum empfohlen. Für die Kommission war die Übergabe der Sammlung an Etelka Hofmann durch die Verfolgungssituation von Karl Mayländer bestimmt und daher als Entziehung zu beurteilen.

Ein in diesem Zusammenhang erstelltes Gutachten von Univ.-Prof. DDr. Christoph Grabenwarter, wonach eine Rechtspflicht der öffentlichen Hand gegeben ist, auf eine Rückgabe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln hinzuwirken, befindet sich seit Mai 2014 in Händen des Bundesministeriums für Kunst und Kultur, Verfassung und öffentlichen Dienst. Auch der Leiter des Verfassungsdienstes, Dr. Gerhard Hesse, hat sich den Ergebnissen dieses Gutachtens angeschlossen. Trotzdem ist bis heute nichts passiert.

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) fordert die Restitution der fünf Schiele-Zeichnungen von der Leopold Museum-Privatstiftung an die Erbin nach Karl Mayländer.

Sowohl dem Leopold Museum als auch an verantwortlicher Stelle im Bundeskanzleramt ist bekannt, dass die Erbin bald ihr 95. Lebensjahr erreichen wird. Es stünde ihnen daher gut an, die Rückgabe noch zu ihren Lebzeiten in die Wege zu leiten. Diese Rückgabe sollte auch deshalb schnellstens umgesetzt werden können, da nunmehr der Vorstand der Leopold Museum-Privatstiftung – abgesehen von Frau Dr. Leopold, der Witwe nach Dr. Rudolf Leopold – ausschließlich durch die Republik Österreich besetzt wird, also Vertreter des Bundes das alleinige Sagen im Vorstand haben und eine Rückstellung unverzüglich bewirken können (und müssen).

Wie die Kunst ins Museum kommt - das erklärt Dr. Robert Holzbauer den Besuchern im Leopold Museum bei einer Themenführung am 19. November. Werden dabei auch die genannten Fakten zur Sprache kommen?

Eine Initiative der
Israelitischen Kultusgemeinde Wien

Rückfragen & Kontakt:

Rückfrage: Erika Jakubovits, Exekutivdirektorin, Tel: +43 664 2012424
Weitere Informationen unter www.raubkunst.at

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