• 13.11.2015, 09:01:54
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Gendefekt einer seltenen Erkrankung identifiziert

Wien (OTS) - Forscher der MedUni Wien haben die genetische Ursache
für eine seltene Erkrankung entdeckt. Die Betroffenen leiden an
lebensbedrohlichen „Leberkrisen“ in der frühen Kindheit und
entwickeln im Schulalter neurologische Symptome wie Neuropathie und
Ataxie (eine Bewegungsstörung). Dieselben Forscher beschrieben
bereits 2007 bei einer natürlich vorkommenden Mausmutante mit
ähnlichen Symptomen einen Defekt im Scyl1 Gen. Jetzt ist es mittels
moderner Genom-Sequenzierungsmethoden gelungen, die ersten Fälle
einer entsprechenden Erkrankung beim Menschen zu identifizieren.
Damit endet eine Suche erfolgreich, die vor mehr als 10 Jahren am
Neuromuscular Research Department (Zentrum für Anatomie und
Zellbiologie der MedUni Wien) begonnen hatte.

Sogenannte mdf-Mäuse ("muscle deficient") haben ein verkümmertes
Kleinhirn (Atrophie) und zeigen Symptome wie Muskelatrophie, Ataxie
(Gangstörungen), Tremor (Zittern) und haben auch verdünnte Sehnerven.
Dafür verantwortlich ist eine Mutation im Scyl1 Gen der Maus, die
von der Forschergruppe rund um Wolfgang M. Schmidt und Reginald E.
Bittner (Neuromuskuläre Forschungsabteilung am Zentrum für Anatomie
und Zellbiologie der MedUni Wien) entdeckt und im Jahr 2007 erstmals
beschrieben wurde. Das in der Evolution hoch konservierte Scyl1
stellt ein wichtiges Molekül für den intrazellulären Transport dar.
Nun konnten mittels moderner DNA-Sequenzierungsmethoden
("Next-Generation Sequencing") erstmals bei PatientInnen mit
vergleichbaren klinischen Symptomen Mutationen im humanen SCYL1 Gen
identifiziert werden.

Erste PatientInnen identifiziert

Die in den letzten Jahren rasch fortgeschrittenen technologischen
Entwicklungen auf dem Gebiet der DNA-Sequenzierung (Next-Generation
Sequencing) erlauben eine raschere und umfassende Analyse des
menschlichen Genoms. Der korrespondierende Autor der Publikation,
Reginald E. Bittner: „Durch die enorme Steigerung der
Sequenzierleistung, welche über 100 Millionen Sequenzen pro
untersuchtem Individuum erbringt, konnten wir nun erstmals bei drei
Patienten Mutationen im SCYL1 Gen identifizieren. Die drei
Betroffenen, zwei Geschwister und ein Mädchen aus einer weiteren
Familie, leiden an ähnlichen Symptomen wie die mdf-Mäuse. Neben den
neurologischen Manifestationen, wie Tremor, Muskelschwäche und Ataxie
aufgrund einer Kleinhirnatrophie, litten die Betroffenen zusätzlich
in den ersten Lebensjahren wiederholt an lebensbedrohlichen Krisen
mit akutem Leberversagen“, beschreibt Bittner die humane
SCYL1-Erkankung.

Die genetische Diagnose hilft

„Unsere Entdeckung hilft den Betroffenen, deren Angehörigen und den
behandelnden Ärzten, die molekulargenetische Ursache dieser
Erkrankung zu kennen. In diesem Fall war das nur möglich, weil alle
Gene der Betroffenen umfassend analysiert wurden – auch jene, welche
bisher noch nicht im Zusammenhang mit einer Erbkrankheit beschrieben
wurden “, erklärt Erstautor Wolfgang Schmidt (ebenfalls von der
Neuromuskulären Forschungsabteilung), „Auch bei dieser seltenen
Erkrankung ermöglicht erst die exakte molekulargenetische Diagnose
den Betroffenen, in Zukunft möglicherweise an spezifischen
Therapieversuchen teilzunehmen“, so Schmidt.

Service: The American Journal of Human Genetics

Disruptive SCYL1 Mutations Underlie a Syndrome Characterized by
Recurrent Episodes of Liver Failure, Peripheral Neuropathy,
Cerebellar Atrophy, and Ataxia.
Wolfgang M. Schmidt, S. Lane Rutledge, Rebecca Schüle, Benjamin
Mayerhofer, Stephan Züchner, Eugen Boltshauser, Reginald E. Bittner

Beschreibung der Scyl1-Mutation in der mdf-Maus:
http://embor.embopress.org/content/8/7/691

Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien

Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert. Dort
werden in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt
Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt. Die Forschungscluster
umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/Onkologie,
kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und
Immunologie. Die obengenannte Studie an der MedUni Wien fällt in den
Themenbereich der medizinischen Neurowissenschaften.

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