- 06.11.2015, 13:48:39
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Experten: Nutzungspotenzial im heimischen Wald bei Weitem nicht ausgenützt
ÖBB wollen wieder mehr Holz auf der Schiene transportieren
Utl.: ÖBB wollen wieder mehr Holz auf der Schiene transportieren =
Linz/Wien (OTS) - "Die Nutzungsmöglichkeiten im österreichischen Wald
sind bei Weitem noch nicht ausgenützt, sehr viel Potenzial liegt noch
brach. Es ist deutlich mehr hiebsreifes Holz da als genutzt wird. Den
Waldbesitzern geht Vermögen verloren, wenn sie zum Zeitpunkt der
Hiebsreife nicht ernten." Dies stellte Franz Fischler, Präsident des
Europäischen Forums Alpbach und ehemaliger EU-Agrarkommissär, gestern
beim FHP-Holzgespräch in Eferding, OÖ, fest. Zuerst sollte das Holz
aber stofflich verwertet werden, ehe es am Ende des Lebenszyklus
verbrannt wird. Diese kaskadische Nutzung gelte es weiter zu
forcieren, so Fischler. "Die größte Herausforderung für den Wald
stellt der Klimawandel dar. Die Baumartenwahl ist entscheidend, aber
nicht einfach: Die Waldbesitzer müssen zumindest 80 Jahre
vorausplanen. Insgesamt verlangen die Herausforderungen der Zukunft
neue Herangehensweisen in der Waldbewirtschaftung und innovativere
Formen der Holzverwendung. Wir müssen eine Innovations-Kette
aufbauen", erklärte Fischler.
Holztransport soll zunehmend auf Schiene verlagert werden
"Die Forst- und Holzwirtschaft ist der wichtigste Partner der ÖBB
im Bereich Gütertransport. In den vergangenen Jahren musste unser
Unternehmen jedoch die Güterbeförderung wirtschaftlich gesunden
lassen. Das ist gelungen. Die Holzbranche musste allerdings höhere
Preise und weniger Verladebahnhöfe akzeptieren", berichtete
ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern. Trotzdem müssten die ÖBB
den Holztransport mit einem "deutlich zweistelligen Millionenbetrag"
bezuschussen. Das könne sich das Unternehmen einerseits leisten, weil
das Jahresergebnis von 330 Mio. Euro Verlust 2010 auf +100 Mio. Euro
2014 gedreht werden konnte. "Außerdem haben die Bundesbahnen auch im
strukturschwächeren ländlichen Raum eine Standortaufgabe zu
erfüllen", sagte Kern.
Neue Vereinbarung mit FHP
"Es gibt noch 128 Holzverladebahnhöfe in Österreich. Damit haben
wir pro 100 km neun dezentrale Bahnhöfe. Deutschland hat sechs und
Italien nur einen pro 100 km. Wir haben das dichteste Bahnnetz der
Verladung in Europa. Diese Struktur soll so erhalten bleiben",
unterstrich der ÖBB-General.
Mit der Plattform Forst-Holz-Papier (FHP) gebe es eine
"Zusammenarbeit auf Augenhöhe", so Kern. Im Vorjahr erwirtschaftete
man mit der Forst- und Holzwirtschaft 220 Mio. Euro Umsatz, bis 2018
strebe man 250 Mio. Euro an. Als Teil der guten Partnerschaft mit der
Holzbranche verwies Kern darauf, dass auch die ÖBB mit Holz bauen.
Demnächst werde der Güterterminal Inzersdorf eröffnet. Die Bahnhöfe
Zeltweg und Gramatneusiedl seien ebenfalls Holzbauten. "Der größte
ÖBB-Holzbau wird aber in der Weststeiermark der Bahnhof vor dem
Koralm-Tunnel", blickte Kern in die Zukunft.
"Gäbe es diese neue Vereinbarung mit den ÖBB nicht, kämen 200.000
Lkw-Fahrten zusätzlich zum Einsatz", bedankte sich Sektionschef
Gerhard Mannsberger vom Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft bei den ÖBB. In den kommenden Monaten seien flexible
Transportlösungen gefragt, gelte es doch, das vom Käfer befallene
Holz möglichst rasch zu den Verarbeitern zu bringen. Heuer fallen 1,5
Mio. Festmeter Schadholz an, das auf die Käferkalamität
zurückzuführen ist. Das bedeutet einen wertmäßigen Schaden von rund
35 Mio. Euro. Das Schadholzaufkommen könnte sich erfahrungsgemäß 2016
verdoppeln, so der Experte.
Forstwirtschaft vom Klimawandel betroffen -
Außernutzungstellung keine Lösung
Angesichts des Klimawandels sieht Mannsberger den Wald eindeutig
als Betroffenen. Die Forstwirtschaft sei aber auch ein Teil der
Lösung, weil der Wald CO2 binde. "Ein Urwald ist CO2-neutral - er
gibt so viel ab, wie er aufnahm. Außer Nutzung gestellte Wälder wären
die schlechteste Lösung. Hier würden ältere Bestände zunächst mehr
Kohlenstoff freisetzen als kommende Bestände binden könnten. Im
bewirtschafteten Wald bleibt CO2 in Form der Holzprodukte längere
Zeit gebunden", stellte der Forstexperte fest. Auch die Klimatologin
Christa Kummer verwies in ihrem Referat auf die Notwendigkeit,
rechtzeitig Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu erarbeiten.
Die Forstwirtschaft sei aber hier auf einem guten Weg, betonte sie.
In Österreich werden jährlich rund 18 Mio. Erntefestmeter Holz
geerntet. Als Potenzial nannte Mannsberger 22 Mio. Festmeter. In Form
von Arrondierungen im Zug von Naturschutzprogrammen könnte es weitere
Schutzflächen geben, erklärte er. Außernutzungstellungen seien aber
problematisch. Verbesserungen könnte sich Mannsberger beim Grad der
stofflichen Nutzung noch vorstellen. "Derzeit sind wir bei 78% des
geernteten Holzes, das zuerst stofflich und erst dann thermisch
genutzt wird. 85% wären möglich. Jedes Prozent mehr erfordert
allerdings überproportionaler Anstrengungen", gab der Sektionschef zu
bedenken.
Bausektor bietet ebenfalls noch großes Potenzial für Holz
Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft
(BIG), sieht noch ein großes Potenzial für Holz im Baubereich: "Vom
gesamten Bauvolumen in Österreich im Umfang von rund 17 Mrd. Euro hat
der Holzbau einen Anteil von 3,7 Mrd. Euro. Eine 2%ige Verschiebung
vom Bauvolumen bedeutet um 10% mehr Holzbau", betonte Weiss. Er
verwies auf zahlreiche von der BIG umgesetzte Projekte.
Für die Verwendung des natürlichen Rohstoffes Holz im Wohnbau
würden zahlreiche Argumente sprechen, so der Referent. Die
rechtlichen Rahmenbedingungen (Brandschutzanforderungen,
mehrgeschoßiger Wohnbau usw.) seien mittlerweile etwas verbessert
worden. Auch von den Kunden werde der Wunsch nach Holzverwendung
geäußert, berichtete Weiss. Als positives Beispiel für modernen
Holzbau präsentierte Andrea Reithmayer, Vizerektorin der BOKU Wien,
den geplanten Neubau der Büro- und Laborgebäude der IFA (Department
für Agrarbiotechnologie) in Tulln.
Bekanntlich setzt sich die Plattform Forst-Holz-Papier (FHP), die
die Holzgespräche gestern in Eferding veranstaltete, seit einiger
Zeit intensiv für die vermehrte Verwendung von Holz im Bausektor ein.
Sie hat eine Holzbau-Charta verfasst, die mittlerweile von
zahlreichen Institutionen, Vereinigungen und auch Einzelpersonen
(darunter auch mehrere Bundesminister) unterzeichnet wurde. Diese
Unterstützungserklärungen und daraus resultierende Forderungen wurden
bereits an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner übergeben, wie
FHP-Vorsitzender Georg Starhemberg mitteilte.
(Schluss)
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