Experten: Nutzungspotenzial im heimischen Wald bei Weitem nicht ausgenützt

ÖBB wollen wieder mehr Holz auf der Schiene transportieren

Linz/Wien (OTS) - "Die Nutzungsmöglichkeiten im österreichischen Wald sind bei Weitem noch nicht ausgenützt, sehr viel Potenzial liegt noch brach. Es ist deutlich mehr hiebsreifes Holz da als genutzt wird. Den Waldbesitzern geht Vermögen verloren, wenn sie zum Zeitpunkt der Hiebsreife nicht ernten." Dies stellte Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach und ehemaliger EU-Agrarkommissär, gestern beim FHP-Holzgespräch in Eferding, OÖ, fest. Zuerst sollte das Holz aber stofflich verwertet werden, ehe es am Ende des Lebenszyklus verbrannt wird. Diese kaskadische Nutzung gelte es weiter zu forcieren, so Fischler. "Die größte Herausforderung für den Wald stellt der Klimawandel dar. Die Baumartenwahl ist entscheidend, aber nicht einfach: Die Waldbesitzer müssen zumindest 80 Jahre vorausplanen. Insgesamt verlangen die Herausforderungen der Zukunft neue Herangehensweisen in der Waldbewirtschaftung und innovativere Formen der Holzverwendung. Wir müssen eine Innovations-Kette aufbauen", erklärte Fischler.

Holztransport soll zunehmend auf Schiene verlagert werden

"Die Forst- und Holzwirtschaft ist der wichtigste Partner der ÖBB im Bereich Gütertransport. In den vergangenen Jahren musste unser Unternehmen jedoch die Güterbeförderung wirtschaftlich gesunden lassen. Das ist gelungen. Die Holzbranche musste allerdings höhere Preise und weniger Verladebahnhöfe akzeptieren", berichtete ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern. Trotzdem müssten die ÖBB den Holztransport mit einem "deutlich zweistelligen Millionenbetrag" bezuschussen. Das könne sich das Unternehmen einerseits leisten, weil das Jahresergebnis von 330 Mio. Euro Verlust 2010 auf +100 Mio. Euro 2014 gedreht werden konnte. "Außerdem haben die Bundesbahnen auch im strukturschwächeren ländlichen Raum eine Standortaufgabe zu erfüllen", sagte Kern.

Neue Vereinbarung mit FHP

"Es gibt noch 128 Holzverladebahnhöfe in Österreich. Damit haben wir pro 100 km neun dezentrale Bahnhöfe. Deutschland hat sechs und Italien nur einen pro 100 km. Wir haben das dichteste Bahnnetz der Verladung in Europa. Diese Struktur soll so erhalten bleiben", unterstrich der ÖBB-General.

Mit der Plattform Forst-Holz-Papier (FHP) gebe es eine "Zusammenarbeit auf Augenhöhe", so Kern. Im Vorjahr erwirtschaftete man mit der Forst- und Holzwirtschaft 220 Mio. Euro Umsatz, bis 2018 strebe man 250 Mio. Euro an. Als Teil der guten Partnerschaft mit der Holzbranche verwies Kern darauf, dass auch die ÖBB mit Holz bauen. Demnächst werde der Güterterminal Inzersdorf eröffnet. Die Bahnhöfe Zeltweg und Gramatneusiedl seien ebenfalls Holzbauten. "Der größte ÖBB-Holzbau wird aber in der Weststeiermark der Bahnhof vor dem Koralm-Tunnel", blickte Kern in die Zukunft.

"Gäbe es diese neue Vereinbarung mit den ÖBB nicht, kämen 200.000 Lkw-Fahrten zusätzlich zum Einsatz", bedankte sich Sektionschef Gerhard Mannsberger vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft bei den ÖBB. In den kommenden Monaten seien flexible Transportlösungen gefragt, gelte es doch, das vom Käfer befallene Holz möglichst rasch zu den Verarbeitern zu bringen. Heuer fallen 1,5 Mio. Festmeter Schadholz an, das auf die Käferkalamität zurückzuführen ist. Das bedeutet einen wertmäßigen Schaden von rund 35 Mio. Euro. Das Schadholzaufkommen könnte sich erfahrungsgemäß 2016 verdoppeln, so der Experte.

Forstwirtschaft vom Klimawandel betroffen - Außernutzungstellung keine Lösung

Angesichts des Klimawandels sieht Mannsberger den Wald eindeutig als Betroffenen. Die Forstwirtschaft sei aber auch ein Teil der Lösung, weil der Wald CO2 binde. "Ein Urwald ist CO2-neutral - er gibt so viel ab, wie er aufnahm. Außer Nutzung gestellte Wälder wären die schlechteste Lösung. Hier würden ältere Bestände zunächst mehr Kohlenstoff freisetzen als kommende Bestände binden könnten. Im bewirtschafteten Wald bleibt CO2 in Form der Holzprodukte längere Zeit gebunden", stellte der Forstexperte fest. Auch die Klimatologin Christa Kummer verwies in ihrem Referat auf die Notwendigkeit, rechtzeitig Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu erarbeiten. Die Forstwirtschaft sei aber hier auf einem guten Weg, betonte sie.

In Österreich werden jährlich rund 18 Mio. Erntefestmeter Holz geerntet. Als Potenzial nannte Mannsberger 22 Mio. Festmeter. In Form von Arrondierungen im Zug von Naturschutzprogrammen könnte es weitere Schutzflächen geben, erklärte er. Außernutzungstellungen seien aber problematisch. Verbesserungen könnte sich Mannsberger beim Grad der stofflichen Nutzung noch vorstellen. "Derzeit sind wir bei 78% des geernteten Holzes, das zuerst stofflich und erst dann thermisch genutzt wird. 85% wären möglich. Jedes Prozent mehr erfordert allerdings überproportionaler Anstrengungen", gab der Sektionschef zu bedenken.

Bausektor bietet ebenfalls noch großes Potenzial für Holz

Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), sieht noch ein großes Potenzial für Holz im Baubereich: "Vom gesamten Bauvolumen in Österreich im Umfang von rund 17 Mrd. Euro hat der Holzbau einen Anteil von 3,7 Mrd. Euro. Eine 2%ige Verschiebung vom Bauvolumen bedeutet um 10% mehr Holzbau", betonte Weiss. Er verwies auf zahlreiche von der BIG umgesetzte Projekte.

Für die Verwendung des natürlichen Rohstoffes Holz im Wohnbau würden zahlreiche Argumente sprechen, so der Referent. Die rechtlichen Rahmenbedingungen (Brandschutzanforderungen, mehrgeschoßiger Wohnbau usw.) seien mittlerweile etwas verbessert worden. Auch von den Kunden werde der Wunsch nach Holzverwendung geäußert, berichtete Weiss. Als positives Beispiel für modernen Holzbau präsentierte Andrea Reithmayer, Vizerektorin der BOKU Wien, den geplanten Neubau der Büro- und Laborgebäude der IFA (Department für Agrarbiotechnologie) in Tulln.

Bekanntlich setzt sich die Plattform Forst-Holz-Papier (FHP), die die Holzgespräche gestern in Eferding veranstaltete, seit einiger Zeit intensiv für die vermehrte Verwendung von Holz im Bausektor ein. Sie hat eine Holzbau-Charta verfasst, die mittlerweile von zahlreichen Institutionen, Vereinigungen und auch Einzelpersonen (darunter auch mehrere Bundesminister) unterzeichnet wurde. Diese Unterstützungserklärungen und daraus resultierende Forderungen wurden bereits an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner übergeben, wie FHP-Vorsitzender Georg Starhemberg mitteilte.
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