• 29.10.2015, 22:37:42
  • /
  • OTS0245 OTW0245

TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 30.10.2015, Leitartikel von Manfred Mitterwachauer: "Mythisches Misstrauen"

Innsbruck (OTS) - Innsbruck und die Patscherkofelbahn in Igls - ein
Mythos. Die gehört zur Stadt wie das Goldene Dachl. Doch die goldenen
Zeiten am "Kofel", dem Olympiaberg Franz Klammers, sind längst
vorbei, die 1928 erbaute und immer wieder teiladaptierte Pendelbahn
ist ein Zuschussbetrieb, der auch den Rest des jüngeren
Liftanlagenparks belastet. 2014 drohte sogar das Aus. Hand in Hand
mit dem Niedergang der Bahn ging auch jener des Igler Tourismus - er
gleicht einem komatösen Patienten.
Für schier unglaubliche 41 Millionen Euro will die Stadt, welche
die Anlagen 2014 für einen Liebhaber-Kaufpreis (10,7 Mio. Euro) von
ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel zurückerwarb, nun die Schubumkehr
einleiten. Eine Einseilumlaufbahn samt Attraktivierungspaket, welches
aber zum Teil noch in den Kinderschuhen steckt, soll Sommer- wie
Wintersaison retten.
Ob die Rechnung aufgeht, steht vor der heutigen Beschlussfassung im
Sondergemeinderat in den Sternen. Auch nach dem Ausbau wird der Kofel
ein Kleinstskigebiet bleiben. Eines, das im Umkreis mit mehreren
vergleichbaren Bahnen konkurriert. Ein Konglomerat, das nur mit
öffentlichen Zuschüssen am Leben erhalten, dessen Redimensionierung
seit Jahren von Experten empfohlen und gleichzeitig von der Politik
mit großer Inbrunst ignoriert wird.
Der Verlust der seilbahntechnischen Anbindung des Dorfes an den
Berg und somit eines identitätsstiftenden Merkmals schmeckt dem
Igler Stadtteilausschuss und den Bürgerinitiativen nicht. Hinzu kommt
eine Agrargemeinschaft, die meint, Raumordnung spielen zu müssen. Als
Gegenleistung für ihr Ja zur notwendigen Grundabtretung für den
Seilbahn-Neubau will sie - vermeintlich im öffentlichen Igler
Interesse - der Stadt vorschreiben, in welchem Ausmaß künftig in Igls
Sozialwohnbau betrieben werden kann. Das kommt in den übrigen
Innsbrucker Stadtteilen, wo reihenweise verdichtet wird, gar nicht
gut an.
Doch auch die Stadtpolitik spielt ein doppeltes Spiel. Als zynisch
ist der (inzwischen verworfene) Versuch von Bürgermeisterin Christine
Oppitz-Plörer und Co. zu werten, die alte Pendelbahn einem Privatier
als Museumsbahn zu schenken. Wohl wissend, dass angesichts der
Neubaupläne der Stadt keiner so dumm sein würde, dieses Präsent auch
anzunehmen. Und bei der nunmehr von der Stadt präferierten
Busanbindung Igls’ an die neue Bahn wurde der Weg des einst
versprochenen konsensualen Wegs im Beirat II eiskalt ignoriert.
Igls und Innsbruck - der Mythos hat sich verflüchtigt. Geblieben
ist ein offen zur Schau gestelltes, beidseitiges Misstrauen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel