- 29.10.2015, 15:40:27
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„SENGL MALT“: GROSSE RETROSPEKTIVE IM LEOPOLD MUSEUM
Umfassende Schau zum 70. Geburtstag von Peter Sengl

Utl.: Umfassende Schau zum 70. Geburtstag von Peter Sengl =
Wien (OTS) - Aus Anlass des 70. Geburtstages von Peter Sengl (* 1945)
zeigt das Leopold Museum von 30. Oktober 2015 bis 8. Februar 2016 die
breit angelegte, retrospektive Schau "SENGL MALT", die auch mit
neuesten Arbeiten überrascht. Präsentiert werden rund 80 Werke des in
Wien lebenden und schaffenden Künstlers, Gemälde und Arbeiten auf
Papier. Die Schau reicht von frühen Werken der 1960er Jahre bis zu
jüngsten, speziell für die aktuelle Präsentation entstandenen
Arbeiten.
Radikal und offen: Anknüpfen bei Schiele und Kubin
Leopold Museum Sammlungskurator Franz Smola - unter dessen Ägide als
interimistischer museologischer Direktor des Museums die
Sengl-Ausstellung ins Programm aufgenommen wurde -
verortet im Werk von Peter Sengl zahlreiche Anknüpfungspunkte zu der
in der Sammlung Leopold vertretenen Kunst: "Blickt man auf die
Provokationen und Tabuüberschreitungen, die häufig in Sengls Werken
anzutreffen sind, fühlt man sich an Egon Schieles radikal offene
Auseinandersetzung mit Nacktheit und Sexualität erinnert, die bei
seinen Zeitgenossen auf Argwohn und Unverständnis stieß. Sengls
Bildwelten lassen aber auch an die bizarren Traumwelten von Alfred
Kubin denken."
Erste große Museumsschau in Wien nach 2001
Der Künstler ist mit seinen 70 Jahren hochaktiv, stellt mehrmals
jährlich aus. Fast 15 Jahre sind seit der letzten umfassenden
retrospektiven Wiener Sengl-Ausstellung vergangen. Zuletzt war Peter
Sengl 2001 im Historischen Museum der Stadt Wien, dem heutigen Wien
Museum, zu Gast. Sengls Werk hat sich seither weiterentwickelt und
dennoch gibt es Grundkonstanten in Œuvre und Wesen des Künstlers:
Sengl arbeitet immer gegen den Strich, verbindet das Figürliche mit
surreal Abstrahiertem, konstruiert und fixiert die Elemente seiner
Bilder.
Sengls Werk: Singulär und hellhörig
Ausstellungskurator Carl Aigner: "Im Kontext der bildenden Kunst
Österreichs nach 1945 ist Peter Sengls Werk singulär. Zu Recht ist es
auch in keine der zeitgenössischen Kunstströmungen seit den
1970er-Jahren einzuordnen, schon gar nicht kann es als "abstrus" oder
"kabarettistisch" abgetan werden. Sengls Bilder sind hellhörige
seismografische Befunde, zeitdiagnostische Erzählungen, die sich
einer ethischen Beurteilung entziehen, weil sie gewissermaßen
Berichtstatus haben." Carl Aigner berichtet, wie schwierig es gewesen
sei, aus den tausenden Arbeiten des ungemein produktiven Künstlers
auszuwählen: "Wir haben uns entschieden, von der Gegenwart aus einen
Blick zurück zu werfen, wir beginnen mit ganz frühen Werken, zeigen
die Arbeiten der 1960er und frühen 1970er Jahre, dokumentieren die
gleichermaßen vorhandene Leidenschaft für das Malen und das Zeichnen.
Sengls Malerei ist Zeichnung. Seine Zeichnung Malerei. Er schafft
Räume mit der Malerei. Sein Œuvre ist außergewöhnlich in unserer
"übermedieninformierten" Welt. Sengl darf mit gutem Grund als
postmoderner Künstler der ersten Mediengeneration bezeichnet werden."
Der Fundus des Künstlers
Aus welchem Fundus schöpft Peter Sengl für seine eigenwilligen,
wundersamen Bildwelten? Carl Aigner fand den Schlüssel in den
Atelierschränken des Künstlers. Hier befindet sich ein "sorgfältig
angelegter und gehüteter Bilderatlas". Aus dem Steinbruch der
(Kunst-)Geschichte wie aus den Bildarsenalen von Printmedien entnimmt
Sengl Versatzstücke und entwickelt aus ihnen eine "Strategie des
Zitats". Franz Smola: "Peter Sengl ist ein narrativer Künstler. Er
bändigt mit seinen detailreichen Bildern die mediale Bilderflut der
vergangenen Jahrzehnte. Eines ist sicher: Die Bilder lassen niemanden
kalt, sie gehen unter die Haut."
Im Netzwerk animalischer Natur
Der thematische Fokus von Sengls Schaffen ist der Mensch im Netzwerk
animalischer Natur und apparativer Existenz. Sengls Interesse liegt
im Ergründen der Beziehung zwischen Natur und Mensch, verbunden mit
der Frage: "Was ist ein Mensch?". Einerseits ist er bestrebt, die
Natur zu beherrschen, mit ausgeklügelter Technik zu kontrollieren,
andererseits ist er selbst Teil der Natur. Sengls Mensch ist ein
Maschinenwesen, seine Figuren sind cyborgartige Wesen, Biomaschinen,
eingespannt in Gerüste und Prothesen. Immer wieder bindet der
Künstler Tierdarstellungen in seine Kompositionen ein oder rückt
diese in den Mittelpunkt. Carl Aigner: "Es gibt hier keine
Hierarchie. Die Tiere sind auf Augenhöhe mit den Menschen." Sein
besonderes Interesse an Tieren zeigte sich schon früh. Seit Peter
Sengl in Wien lebt, ist er ständiger Gast im Schönbrunner Tiergarten.
Das Tierstudium, die Tieranalyse sind integrativer Bestandteil seines
Schaffens.
Geschätzte Ikonen
Peter Sengl hat sich anlässlich seiner aktuellen Ausstellung die
Sammlung des Leopold Museum noch einmal genauer angesehen. "Er hat
sich einiger Ikonen von der Jahrhundertwende bis in die 1920er Jahre
angenommen, ja mehr noch, sich ihrer bemächtigt. Damit hat er eine
außerordentliche Serie für seine Retrospektive gemalt", vermerkt
Katalogautor Thomas Zaunschirm.
Im Unterschied zu anderen an der Kunstgeschichte angelehnten Bildern
habe er sich nicht nur anregen lassen, sondern sieben Werke aus der
Sammlung Leopold paraphrasiert. Sengl nimmt dazu folgendermaßen
Stellung: "Es handelt sich nicht um Kopien, sondern um eine
Auseinandersetzung mit dem Künstler in meiner Art, zu malen. Ich
vereinnahme deren Arbeiten, indem ich mich selbst ins Bild setze. Es
ist immer ein Bild von mir."
Titel als literarische Miniaturen
Die Bedeutung der Bildtitel der Werke Peter Sengls ist signifikant.
Sie stellen parallel zu den Bildern autonome literarische
Bilderweiterungen dar. Hier manifestiert sich der assoziative
Werkcharakter in seinem Schaffen auf besondere, außergewöhnliche
Weise.
Sengls Werke: Bühnen eines Welttheaters
Sengls Werke sind nicht allein Bühnen der Kunstgeschichte, sondern
Bühnen eines Welttheaters. Nicht zuletzt die theatralischen
Figurationen im Werke Sengls haben den ehemaligen
Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg - ihn verbindet eine
langjährige Freundschaft mit Peter Sengl - dazu bewogen, die
Eröffnungsrede zur Ausstellung zu halten. Schottenbergs Text fand
auch in den Katalog Eingang.
BIOGRAPHISCHES
Peter Sengl wurde vor 70 Jahren im März 1945 südlich von Graz, in
Unterbergla, Bezirk Deutschlandsberg, geboren. 1963 ging er an die
Akademie der bildenden Künste in Wien und studierte bei Sergius
Pauser. 1965 lernte der junge Künstler im legendären Wiener Café
Hawelka Susanne Lacomb kennen, seine spätere Frau. Sie war und ist
für den Künstler nicht nur oft »Modell« - in jeder Hinsicht -,
sondern bis heute auch wichtigster Begleiter seines künstlerischen
Werdegangs. 1974 wurde Tochter Deborah geboren, heute ebenfalls eine
erfolgreiche Künstlerin.
Die erste Ausstellung Peter Sengls fand 1970 im Grazer Forum
Stadtpark statt. 1971 folgte eine von Otto Breicha (1932-2003)
vermittelte Schau in der Künstlerhausgalerie in Wien. Bis heute
realisierte Sengl zahlreiche Personalausstellungen im In- und
Ausland, unzählige Ausstellungsbeteiligungen unterstreichen den
künstlerischen Rang von Peter Sengl. Hervorzuheben sind u.a. die
Einzelausstellungen in der Neuen Galerie (heute Lentos), Linz (1977),
dem Austrian Institute in New York (1980), dem Museum moderner Kunst
(mumok), Wien (1988) sowie jene im Salzburger Rupertinum, heute Teil
des Museum der Moderne (1988), im Kunsthistorischen Museum, Wien
(1995), dem Historischen Museum der Stadt Wien (heute Wien Museum -
2001) und in der Neuen Galerie, Graz (2004).
Der Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung ist bei Brandstätter der umfassende von Carl Aigner
und Franz Smola herausgegebene Katalog "SENGL MALT. EINE
RETROSPEKTIVE" mit Beiträgen von Carl Aigner, Michael Schottenberg,
Franz Smola und Thomas Zaunschirm erschienen. Das Buch umfasst 128
Seiten und ca. 100 Abbildungen, erhältlich zum Preis von 19,90 Euro
im Leopold Museum Shop.
Rahmenprogramm zur Ausstellung "Sengl malt"
Kurator Carl Aigner führt mit Peter Sengl am Donnerstag, 12.
November, und am Donnerstag, 7. Jänner 2015, jeweils um 18 Uhr
exklusiv durch die Ausstellung. Am Donnerstag, 12. November 2015
findet um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Carl Aigner, Peter Sengl
und Thomas Zaunschirm statt.
Bilder der Veranstaltung finden Sie am Freitag abca. 11:30 unter
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7245
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
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