• 29.10.2015, 10:30:01
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Arbeiten in der Weiterbildung hat auch Schattenseiten

Kranksein nur am Wochenende und Teambesprechungen in der Freizeit: Das ist die Realität vieler ErwachsenenbildnerInnen. Sie wollen faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung.

Utl.: Kranksein nur am Wochenende und Teambesprechungen in der
Freizeit: Das ist die Realität vieler ErwachsenenbildnerInnen.
Sie wollen faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung. =

Wien (OTS) - Die Teilnahme an Weiterbildung floriert. Den Forderungen
nach noch mehr Angeboten, gesteigerter Qualität und erhöhter
Professionalität kommen die Bildungsanbieter laufend nach. In der
öffentlichen Wahrnehmung scheint Erwachsenen- und Weiterbildung
erfolgsversprechend zu sein, zumindest für Anbieter und Teilnehmende.
Allzu leicht vergessen werden dabei die Beschäftigen. Sie sind oft
prekären Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Schätzungen zufolge arbeiten
mehr als 100.000 Personen in der Erwachsenen- und Weiterbildung. Für
viele von ihnen sind bezahlter Urlaub oder Krankenstand nicht
selbstverständlich. Auch die Vor- und Nachbereitungszeiten ihrer
Lehre oder die Teilnahme an Besprechungen werden oft nicht im vollen
Umfang entlohnt. Um die Situation zu verbessern sind vor allem
Politik und Institutionen zum Handeln aufgefordert. Die
Arbeitsrealität in der Erwachsenenbildung und die blinden Flecken im
Professionalisierungsdiskurs sind daher Thema der aktuellen Ausgabe
des Magazin erwachsenenbildung.at. Zu Wort kommen unter anderem
Betroffene, die ihren Beschäftigungsalltag kritisch hinterfragen und
wertschätzende Bedingungen einfordern. Das Magazin steht ab sofort
unter www.erwachsenenbildung.at/magazin kostenlos zum Download
bereit.

Beschäftigungsstatus: unsicher

"Wenn ich krank bin, dann zahle ich meine Kollegin, ich drücke ihr
das Geld in die Hand, das ich sonst für diese Stunden bekommen
hätte", schildert eine Erwachsenenbildnerin im Interview mit
Bildungsforscherin und Magazinherausgeberin Birgit Aschemann eine
erschreckende Arbeitspraxis. Einen Arbeitsplatz in der Erwachsenen-
und Weiterbildung zu haben, heißt mitunter: ein äußerst geringes
Einkommen trotz guter Ausbildung, eine unsichere Beschäftigung mit
befristeten Verträgen und wechselnden ArbeitgeberInnen, oder auch
mangelnde soziale Absicherung bei Kranken-, Arbeitslosen- oder
Pensionsversicherung. Für zuverlässige arbeitsrechtliche
Vereinbarungen, die für viele ArbeitnehmerInnen in Österreich
selbstverständlich sind, scheint im Berufsfeld der Erwachsenenbildung
kaum jemand einzutreten. Mit dem BABE Kollektivvertrag wurde zwar ein
erster Schritt getan, zumindest für ErwachsenenbildnerInnen mit
Angestelltenverhältnis. Freie DienstnehmerInnen hingegen zeigen sich
oft unzufrieden mit den Regelungen.

Qualität braucht mehr als Profis

Obwohl seit Jahren viel über Qualität in der Weiterbildung diskutiert
wird, wurde die kollektive Professionalitätsentwicklung des
Berufsfeldes bislang weitgehend außen vorgelassen. Trotz zunehmender
gesellschaftspolitischer Anforderungen hat die Erwachsenen- und
Weiterbildung nach wie vor kaum eine Lobby - schon gar nicht das
Personal. Stattdessen geht alle Energie in dessen Ausbildung und
Weiterqualifizierung. Professionalisierung bei gleichzeitiger
Deprofessionalisierung, sagt man dazu in Fachkreisen. Die
Bildungsforscher Peter Schlögl und Arnfried Gläser fordern unter dem
Stichwort Verberuflichung dazu auf, über einen Berufsverband,
Qualitätsstandards oder das Festlegen von Rechten und Pflichten im
Beruf zu diskutieren. Denn mit den vorhandenen prekären Verhältnissen
sind auch alle Qualitätsbemühungen der Einzelnen radikal begrenzt,
bringen es die MagazinherausgeberInnen Birgit Aschemann und Kurt
Schmid im Editorial auf den Punkt.

AMS-Budgetkürzung erschwert die Situation

Das Arbeitsmarktsservice (AMS) ist in Österreich einer der größten
Auftraggeber der Erwachsenen- und Weiterbildung. Obwohl selbst keine
Bildungseinrichtung, beschäftigt es indirekt über eine heterogene
Trägerlandschaft, geschätzte 10.000 Trainerinnen und Trainer. Mit
2015 hat das AMS sein Budget für die qualifizierende
Arbeitsmarktpolitik drastisch gekürzt. "Der Einbruch erfolgte nicht
aus Budgetmangel, sondern wurde verursacht durch strategische
Veränderungen in der Qualifizierungspolitik des AMS, die als
Paradigmenwechsel verkauft werden", erläutert Helfried Faschingbauer,
der seit Jahrzehnten in der Arbeitsmarktpolitik tätig ist. In seinem
Beitrag zum Magazin beschreibt er die Konsequenzen für beschäftigte
TrainerInnen hinsichtlich Kündigungen und sich verschlechternden
Arbeitsbedingungen. Mit seiner starken Position in der
Beschäftigungslandschaft für TrainerInnen setzt das AMS aber auch
über seine Institutionsgrenzen hinaus ein Zeichen, das keine
Verbesserung der Arbeitssituation für ErwachsenenbildnerInnen
verspricht, so der Autor.

Eine gemeinsame Plattform für wertschätzende
Arbeitsbedingungen

Seit vielen Jahren sind Sabine Schröder und Julia Stranner in der
Basisbildung mit Erwachsenen tätig und versuchen nun einen
gemeinsamen Ausweg aus dem Dilemma ihrer aktuellen
Beschäftigungsrealität zu finden. Dafür haben sie sich einer
Interessensgemeinschaft von Kursleitenden im Bereich Basisbildung und
Deutsch als Zweitsprache angeschlossen, die unter verschiedensten
Bedingungen arbeiten. Aber: "Was uns über alle Differenzen hinweg
vereint, ist unsere Überzeugung, dass Lehr- und Lernbedingungen fair-
und wertschätzend sein sollten - und zwar für alle", schreiben die
Basisbildnerinnen in ihrem Artikel. Die Forderungen der
Interessensgemeinschaft sind unter anderem bezahlte Vor- und
Nachbereitungszeit, angemessener und einheitlicher Stundenlohn,
finanzielle Gleichstellung von Angestellten und freien
DienstnehmerInnen sowie bezahlte Urlaubs-, Krankenstands- und
Feiertage.

Fachmedium und aktuelle Online-Information

Magazin erwachsenenbildung.at (Meb) ist das Fachmedium für Forschung,
Praxis und Diskurs der österreichischen Erwachsenenbildung. Es wird
vom Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) gemeinsam mit dem
Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) und dem Verein CONEDU
dreimal jährlich herausgegeben. Alle eingereichten Artikel
durchlaufen ein Review von ExpertInnen. Das aktuelle Magazin
erscheint parallel zur kostenlosen Online-Ausgabe auf
www.erwachsenenbildung.at/magazin auch im BoD-Verlag und ist als
Druckausgabe zum Selbstkostenpreis von EUR 9,50 oder als E-Book für
weniger als 1 Euro erhältlich.

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Frauen.

Ausblick auf die nächste Ausgabe:

Nächsten Februar erscheint ein Magazin zum Verhältnis von
Erwachsenenbildung und Universität.

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