• 28.10.2015, 12:00:01
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Österreichs Energiewende braucht eine Strategie

Österreichischer Biomasse-Verband feiert 20. Jubiläum und zeigt Ausbaupotenziale auf

Utl.: Österreichischer Biomasse-Verband feiert 20. Jubiläum und
zeigt Ausbaupotenziale auf =

Bruck an der Mur (OTS) - "Die Bioenergiebranche sichert aktuell in
Österreich 19.500 Arbeitsplätze - vorwiegend im ländlichen Raum - und
ist, mit einem Umsatz von rund 3 Milliarden Euro pro Jahr, auch zu
einem unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor geworden", lobte Landesrat
Johann Seitinger, anlässlich des 19. Biomassetages in Bruck an der
Mur die Branche. Seitinger weiter: "Ich gratuliere herzlich zum
runden Jubiläum! Seit mittlerweile 20 Jahren setzt sich der
Österreichische Biomasse-Verband für eine effiziente,
ressourcenschonende und nachhaltige Nutzung der Biomasse und damit
für höchste inländische Wertschöpfung ein. Denkt man an geopolitische
Veränderungen, so rückt auch das Thema Versorgungssicherheit immer
mehr in den Mittelpunkt. Daher gilt es, für die Biomasse auch in
Zukunft ein investitionsfreundliches Regelungsumfeld zu
gewährleisten." Josef Plank, Präsident des Österreichischen
Biomasse-Verbandes, ergänzte: "Ohne eine koordinierte Strategie zum
Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung, zum Ausbau der
erneuerbaren Energie und zur Reduktion des Energieverbrauchs sowie
von Treibhausgasen kann das Projekt Energiewende nicht gelingen."
Deshalb fordert er von der Bundesregierung die Erarbeitung einer
Energiestrategie für Österreich mit folgenden 2030-Zielen: 60%-Anteil
erneuerbarer Energien, Reduktion des Endenergieverbrauchs auf 940 PJ
sowie der CO2-Emissionen um 60% im Vergleich zu 2005. Neben
ordnungspolitischen Maßnahmen, wie dem sukzessiven Verbot besonders
klimaschädlicher Energieträger, sowie der Forcierung des Ausbaus der
Bioenergie-Nutzung wird die Einführung einer CO2-Steuer
vorgeschlagen. Energie-Musterland Schweden zeigt es uns bereits vor:
Außer im Transport und in einigen industriellen Sektoren konnten
fossile Brennstoffe vor allem durch eine progressive CO2-Besteuerung
seit 1991 weitgehend verdrängt werden.

Bis zu 40% Ausbaupotenzial bis 2030 vorhanden

Eine CO2-Abgabe bietet umfassende Anreize zur Senkung des
Energieverbrauchs, zum effizienten Umgang mit Energie und zum
forcierten Umstieg auf erneuerbare Energieträger. "Diese Maßnahme ist
die einfachste, effizienteste und wirksamste Möglichkeit, fossile
CO2-Emissionen zu senken und den Umstieg auf erneuerbare
Energieträger zu bewerkstelligen", schilderte Plank. Zu den
Prognosen: Das Umweltbundesamt hat 2015 ein Szenario erstellt, in dem
nachgewiesen wurde, dass der Endenergieverbrauch bis 2030 auf 940PJ
reduziert werden kann; 2013 lag dieser bei 1.119 PJ. Unter diesen
Voraussetzungen kann Bioenergie bis 2030 unter Ausnutzung der
Potenziale 30% der benötigten Energie bereitstellen - alle
Erneuerbaren 60%. Dadurch würden (bezogen auf 2005) rund 60%
THG-Emissionen eingespart.

Der energetische Endverbrauch von Bioenergie hat sich in Österreich
von 139PJ im Jahr 2005 um 56% auf 216PJ im Jahr 2013 erhöht. Der
Wärmemarkt war 2013 mit einem Anteil von mehr als 80% das zentrale
Einsatzgebiet für die Bioenergie, gefolgt von Biotreibstoffen mit 10%
und der Ökostromerzeugung mit 8%. "Wenn es gelingt, die
brachliegenden Rohstoffpotenziale aus der Forst- und Holzwirtschaft,
der Landwirtschaft und aus dem Abfallsektor zu mobilisieren, ist eine
Steigerung der Biomassenutzung um fast 40% bis 2030 möglich",
ergänzte Plank. Etwa 44% des Ausbaupotenzials erschließen sich aus
holzbasierten Energieträgern aus der Forstwirtschaft und Laugen. Der
Rest stammt aus der Landwirtschaft und der Abfallwirtschaft sowie
Kurzumtriebsflächen. Biogas könnte mit 23% des Ausbaupotenzials an
Bedeutung gewinnen. Alle Prognosen können im Detail in der neuen
Broschüre "Bioenergie 2030" nachgelesen werden.

Schweden machen es vor

Robert Fischer vom Schwedischen Biomasseverband zeigte den Werdegang
des skandinavischen EU-Energie-Vorzeigelandes auf, denn Schweden hat
seit einigen Jahren einen Anteil von über 50% an erneuerbaren
Energien im Endenergieverbrauch. Bioenergie trägt dazu mit mehr als
zwei Drittel der Erneuerbaren bei. Das Land hat sich zum Ziel
gesetzt, bis zum Jahr 2030 einen Transportsektor frei von fossilen
Treibstoffen und bis 2050 einen Energiesektor basierend auf 100%
erneuerbaren Energien zu schaffen. Bioenergie soll ihre schon heute
starke Schlüsselrolle weiter ausbauen. Seit 1990 hat Schwedens
Bruttonationaleinkommen (BNP) um 60% zugenommen, gleichzeitig wurden
die THG-Emissionen um 25% gesenkt. Vor allem im Fernwärmesektor hat
Schweden eine "Energiewende" vollzogen. Von 90% fossilen Brennstoffen
in den 1970ern zu fast 90% nicht-fossiler Heizenergie heute. Ein
wesentlicher Erfolgsfaktor war die Einführung der sukzessiv
steigenden CO2-Steuer im Jahre 1991 mit 27 Euro/Tonne CO2eq. Heute
liegt sie bei 120 Euro/Tonne. Haushalte und Dienstleistungssektoren
waren von Anfang an der Steuer ausgesetzt, andere Industriesektoren
genossen Reduktionen. Ab 2018 wird die volle CO2-Steuer in allen
Sektoren fällig. Die große Herausforderung der Zukunft liegt im
Strom- sowie Transportsektor. Die Erreichung der schwedischen Ziele
scheint technisch möglich, wird aber vor allem durch EU-Richtlinien
und durch derzeit niedrige Treibstoffpreise behindert. Ein
wesentlicher Aspekt der Herausforderungen für den Elektrizitätssektor
liegt im stark unterschiedlichen Strombedarfsprofil. "Ein Viertel der
winterlichen Spitzenlast ist auf die große Anzahl von Direktstrom-
und Wärmepumpenheizungen in Einfamilienhäusern zurückzuführen.
Wärmepumpenheizungen verbrauchen zwar durch ihre guten
Jahresarbeitszahlen jährlich wesentlich weniger Energie als
Direktstromheizungen, müssen aber in den kältesten Wintertagen durch
elektrische Zusatzheizungen ergänzt werden", begründete Fischer. Die
aktuelle Regierung nimmt die Zukunft des Energiesystems sehr ernst
und hat im März 2015 eine überparteiliche Energiekommission
initiiert, deren Aufgabe es ist, eine Basis für eine breite
politische Einigung über die langfristige Energiepolitik zu schaffen.

20 Jahre Österreichischer Biomasse-Verband - eine
Erfolgsgeschichte

Am 20. April 1995 wird der Österreichische Biomasse-Verband als
unabhängige Informations-, Diskussions- und Expertenplattform
gegründet. Als Präsident fungiert Dr. Heinz Kopetz, als
Geschäftsführer Prof. Dkfm. Ernst Scheiber. Nach der Gründung des
Verbandes erfolgt die Ausgestaltung der ersten Ziele, die ersten
Messeauftritte und Publikationen. 1999 werden unter der Leitung von
Hermann Pummer Fach-Seminare für Installateure ins Leben gerufen.
2000 wird in der "Puchberger Erklärung" das Ausbauziel von 203PJ
Bioenergie bis 2010 definiert. Zeitgleich wird eine großangelegte
Informationskampagne zum Thema Heizen mit Holz gestartet. Mit 900
Teilnehmern wird die erste Mitteleuropäische Biomassekonferenz im
Jahre 2005 in Graz ein unerwartet großer Erfolg. 2008 werden die
Ausbauziele der Puchberger Erklärung erreicht und die Ziele in der
Tullner Erklärung nachgeschärft. 2010 übernimmt Dr. Horst Jauschnegg
den Vorsitz. 2011 werden neue Ziele für 2020 definiert und der
Verband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) unter der Führung von
Josef Plank ins Leben gerufen. 2012 organisieren sich mehr als 600
österreichische Anlagenbetreiber unter dem Dach des ÖBMV und gründen
die Arbeitsgemeinschaft Biomasse-Nahwärme (ABINA). 2014 sprengt die
Mitteleuropäische Biomassekonferenz mit mehr als 1.100 Teilnehmern
alle Rekorde. Der ÖBMV startet die Werbekampagne "Gute Wärme wächst
nach" im Zuge derer TV Spots und Informationsbeilagen in
Qualitätszeitungen und ein umfangreiches Informationsportal im
Internet erstellt werden. 2015 übernimmt Josef Plank die
Präsidentschaft des Verbandes.

Umweltminister Andrä Rupprechter gratuliert: "Ich danke dem
Biomasse-Verband, dass er sich aktiv in die Diskussion zu einer
Neuausrichtung der Energiepolitik einbringt. Ich sehe den
Biomasse-Verband als wichtigen Multiplikator um die Energiewende
gemeinsam voranzutreiben und freue mich auf die weitere konstruktive
Zusammenarbeit!"

Weitere Informationen, Abbildungen von der Veranstaltung sowie
Grafiken zum Download: www.biomasseverband.at/presse/aktuelles

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