- 23.10.2015, 10:00:34
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Achterbahn bei Wertpapieren – Umschichtungen bei Einlagen
Neue OeNB-Publikation zu Einkommen, Konsum und Vermögen privater Haushalte 1995-2014
Utl.: Neue OeNB-Publikation zu Einkommen, Konsum und Vermögen
privater Haushalte 1995-2014 =
Wien (OTS) - Private Haushalte erhöhten ihr Geldvermögen seit
Jahresanfang durch Neuveranlagungen um 2,7 Mrd EUR (das sind rund 0,5
% des gesamten Geldvermögens). Getragen wurde dieser Anstieg nach wie
vor durch täglich fällige Gelder in Höhe von 5,5 Mrd EUR, teilweise
jedoch zulasten von gebundenen Guthaben ( 3,7 Mrd EUR).
Wertpapierinvestoren suchten auch 2015 alternative
Investitionsmöglichkeiten für das aus Nettotilgungen der Bankanleihen
frei werdende Kapital, das großteils in Investmentfonds geflossen
sein dürfte. Die hohe Kapitalmarktvolatilität führte auch im
laufenden Jahr zunächst zu deutlichen Kursgewinnen, aber ab dem
zweiten Quartal zu deutlichen Kursverlusten.
Das Geldvermögen erhöhte sich im ersten Halbjahr auf 593 Mrd EUR -
Grund dafür waren die Nettoneuveranlagung (2,7 Mrd EUR), die
positiven Bewertungseffekte (4,7 Mrd EUR) und die Änderungen im
Wertansatz für kapitalgedeckte Pensionsansprüche (in Höhe von rund
1,1 Mrd EUR).
Neben dem Geldvermögen hatten private Haushalte auch
nichtfinanzielle Vermögenswerte von rund 740 Mrd EUR (davon rund 713
Mrd EUR aus Immobilien) - dies geht aus der soeben erschienen
OeNB-Sonderpublikation zu Einkommen, Konsum und Vermögen der privaten
Haushalte 1995-2014 hervor.
Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik,
erläuterte im Rahmen einer Pressekonferenz der Oesterreichischen
Nationalbank (OeNB) das aktuelle Finanzverhalten der privaten
Haushalte. Gemäß aktuellsten Daten der Gesamtwirtschaftlichen
Finanzierungsrechnung (GFR) stieg das Geldvermögen aus
Nettoneuveranlagungen seit Jahresanfang um 2,7 Mrd EUR bzw. in den
letzten vier Quartalen um 8,9 Mrd EUR. Nach wie vor sind die nur
moderaten Anstiege der realverfügbaren Einkommen bei konstant
unterdurchschnittlicher Sparquote ein wesentlicher Grund für das
geringe Wachstum des Geldvermögens aus Neuveranlagungen. "Vor dem
Hintergrund, dass die Neugeschäftszinsen für gebundene Einlagen über
zwei Jahre im Durchschnitt nur mehr 60 Basispunkte über jenen für
täglich fälligen Einlagen liegen, ist es nicht verwunderlich, dass
die Österreicher die sofort verfügbare Variante bevorzugen"
erläuterte Dr. Turner den Zuwachs von 5,5 Mrd EUR in den ersten sechs
Monaten, dem ein Rückgang der gebundenen Guthaben von 3,7 Mrd EUR
gegenüberstand. Ende Juni machten die täglich fälligen Einlagen rund
16 % des gesamten Geldvermögens aus. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren
betrug dieser Anteil knapp mehr als 3 %.
Per saldo verkauften heimische Privatinvestoren handelbare
Wertpapiere im ersten Halbjahr um 0,8 Mrd EUR - dahinter standen
insbesondere Verkäufe von Bankanleihen und Käufe von
Investmentfondanteilen. Wie schon in den letzten zehn Jahren
investierten Haushalte, je nach Angebot und wirtschaftlicher
Situation, in eines dieser beiden Produkte. Zuletzt führten
Nettoverkäufe - zu zwei Drittel aus den Nettotilgungen - zu einem
weiteren Rückgang von Bankanleihen in Höhe von rund 2 Mrd EUR (Stand
per Ende Juni 2015 23,6 Mrd EUR, das waren rund 13 % des gesamten
Umlaufvolumens inländischer Bankanleihen). Im Gegenzug kauften die
Haushalte in den ersten sechs Monaten 2015 Investmentzertifikate (vor
allem von Rentenfonds und gemischten Fonds) um insgesamt 2,3 Mrd EUR.
Darüber hinaus verkauften private Haushalte auch inländische
Unternehmensanleihen, Anleihen ausländischer Emittenten sowie
börsennotierte Aktien im Gesamtumfang von rund 1,1 Mrd EUR.
Wertpapierinvestoren, die zur Jahresmitte 2015 handelbare Wertpapiere
im Ausmaß von rund 108 Mrd EUR besaßen, sahen sich seit Jahresanfang
mit deutlichen Bewertungsschwankungen konfrontiert. Nach einem
preisbedingten Anstieg im ersten Quartal um 5,4 %, verringerte sich
der Marktwert im zweiten Quartal um 2,8 % und dann zwischen Juli und
August um weitere 6,8 %. Dieses Ergebnis drückt auch auf die
Jahresperformance, wie die aktuellen Ergebnisse für Investmentfonds
und Pensionskassen deutlich zeigen.
Das gesamte Geldvermögen in Höhe von 592 Mrd EUR bestand zu 44 %
aus Einlagen und verzinslichen Wertpapieren. Die wirtschaftliche
Entwicklung und insbesondere die deutliche Reduktion der Zinsen für
Einlagen und Wertpapiere (gekoppelt mit Umschichtungen) reduzierten
die Durchschnittserträge der Vermögenseinkommen von 2,6 % (vor der
Finanzkrise 2003 bis 2008) auf 1 % (in den letzten vier Quartalen).
Bei der Pressekonferenz präsentierte Dr. Turner auch die neue
Sonderpublikation der OeNB zur Entwicklung von Einkommen, Konsum und
Vermögen der privaten Haushalte zwischen 1995 und 2014. Das Datenset
beinhaltet auch Daten zum Immobilienvermögen (Quellen: Statistik
Austria und eigene Berechnungen der OeNB), dessen Wert Ende 2014 rund
713 Mrd EUR ausmachte. Das Nettovermögen (aus Finanzvermögen und
nichtfinanziellen Vermögensgüter abzüglich Kreditverschuldung - vor
allem aus Wohnbaukrediten) betrug zum selben Stichtag rund 1.160 Mrd
EUR. Seit der Jahrtausendwende stieg es um rund 80 %, wobei 36
Prozentpunkte aus Veranlagungen und Investitionen abzüglich
Kreditfinanzierungen kamen und 44 Prozentpunkte aus Bewertungs- und
sonstigen Effekten. Dabei spielte der Anstieg der Immobilienpreise
eine dominante Rolle.
Die entsprechenden Daten zur Entwicklung des Finanzvermögens finden
Sie in den Standardtabellen zur Gesamtwirtschaftlichen
Finanzierungsrechnung unter www.oenb.at/Statistik. Das Sonderheft
STATISTIKEN zu Einkommen, Konsum und Vermögen der Haushalte finden
Sie unter www.oenb.at/Publikationen/Statistik.
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