- 20.10.2015, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 21. Oktober 2015 von Michael Sprenger "Klammheimliche Freude"
Innsbruck (OTS) - FPÖ-Chef Strache hat mit Gewinnen bei allen vier
Landtagswahlen rechnen können. Doch dass im Burgenland Rot-Blau
regiert und Oberösterreich Schwarz-Blau werden soll, bedeutet für
Strache die eigentliche Genugtuung.
Nach der Landtagswahl in Vorarl-berg griff Heinz-Christian Strache
selbst zum Telefon. Er wollte Reinhold Mitterlehner von Schwarz-Blau
im Ländle überzeugen, schließlich hat dort Schwarz-Blau Tradition.
Und Strache brauchte einen Erfolg, der über das Geklatsche und
Gegröle am Wahlabend hinausreicht. Doch der neue ÖVP-Obmann ließ in
abblitzen. Die Blauen in einer Regierung?
Das konnte der liberale konservative Parteiobmann nach wenigen Wochen
im Amt nun wirklich nicht gebrauchen. ÖVP-Landeshauptmann Markus
Wallner hat sich dann eh für eine Landesregierung mit den Grünen
entschieden, Mitterlehner war erleichtert.
Strache musste warten. Und es hat sich für ihn ausgezahlt.
Ausgerechnet von roter Seite wurden die Blauen zur Regierungspartei
auserkoren. Der Burgenländer Tabubruch macht es heute Mitterlehner
einfach, wenn in seinem Heimatland Schwarz mit Blau einen
Koalitionspakt abschließen sollte. Dabei ist es der ÖVP sehr egal,
dass sie dort in Oberösterreich lange mit den Roten, dann mit den
Grünen und jetzt eben mit den Blauen koaliert. Hauptsache
Machterhalt!
Und wer soll schon mit dem Finger auf die Schwarzen zeigen? Der
Finger der SPÖ ist nicht mehr sauber. Strache übt sich derweil in
klammheimlicher Freude. Jetzt hat er Mitterlehner und Werner Faymann
dort, wo er nie geglaubt hatte, dass er sie am Ende des Wahljahrs
haben sollte. Faymann sieht die Gefahr von Schwarz-Blau im Bund -
auch wenn es wohl Blau-Schwarz heißen müsste. Doch kaum hat irgendwer
in der Löwelstraße Schwarz-Blau ausgesprochen, schallt den Genossen
ein "Burgenland! Burgenland!" entgegen. Landeshauptmann Hans Niessl
hat nicht nur den roten Tabubruch zu verantworten, er ist auch
mitschuldig daran, dass die SPÖ bei den kommenden Wahlen nicht mehr
glaubwürdig ihr "Wir gegen Schwarz-Blau" inszenieren kann. Vielleicht
weiß das alles auch Niessl - und wollte deshalb eine besondere Volte
schlagen. Mit Blick auf Oberösterreich sagte er: "Wo Schwarz-Blau
möglich ist, wird es gemacht." Das heißt, um in Niessls Denke zu
bleiben: Hätte er nicht Rot-Blau gemacht, wäre für die Roten auch das
Burgenland verloren gegangen. Für Strache wirkt dies alles wie
Balsam. Nach den ernüchternden Zugewinnen in Wien kann er erste Reihe
fußfrei beobachten, wie sich ÖVP und SPÖ einen Kampf um Grundsätze
und verlorene Glaubwürdigkeit liefern.
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