• 20.10.2015, 09:02:35
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  • OTS0014 OTW0014

Anhaltende Flaute bei Direktinvestitionen

Österreichs Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2015

Utl.: Österreichs Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2015 =

Wien (OTS) - Aktivitäten heimischer Banken zur Restrukturierung und
Stabilisierung ihrer Beteiligungen in Ost- und Südosteuropa
dominierten die aktiven Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2015.
Neuengagements finden seit Ausbruch der Wirtschaftskrise vorwiegend
anderenorts statt, wie etwa im traditionellen Zielland Deutschland
oder auch in China. Zum Wachstum der Direktinvestitionen trugen in
hohem Ausmaß auch die nicht ausgeschütteten Gewinne der Beteiligungen
im Ausland bei.
Besonders schwach entwickelten sich die passiven Direktinvestitionen:
Wie schon im vergangenen Jahr ziehen ausländische Investoren
Eigenkapital aus Österreich ab. Auch die Kreditfinanzierung ihrer
Töchter in Österreich war in den ersten sechs Monaten des laufenden
Jahres rückläufig. Der einzige Wachstumsimpuls kam bisher - dank
niedriger Dividenden¬ausschüttungen an das Ausland - durch
reinvestierte Gewinne.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 beliefen sich die
aktiven Direktinvestitionen österreichischer Investoren auf 6,4 Mrd
EUR. Dieser relativ hohe Wert ist jedoch vorwiegend Ausdruck
weitreichender Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen des
österreichischen Bankensektors in Ost- und Südosteuropa. Größter
Einzelfall ist die Bank Austria, die ihren Anteil an der rumänischen
"Tiriac" auf rund 96 % fast verdoppelte. Gleichzeitig musste der
rumänischen Volksbank-Tochter Eigenkapital zugeschossen werden, um
deren (mittlerweile finalisierten) Verkauf zu ermöglichen. Vom
Gesamtwert entfielen 2,5 Mrd EUR auf Eigenkapital und jeweils knapp 2
Mrd EUR auf die Gewährung konzerninterner Kredite bzw. auf
reinvestierte Gewinne. Deren Höhe ist die Folge auffallend geringer
Dividenden¬ausschüttungen. Seit 2011 wurden im ersten Halbjahr stets
etwa 5,5 Mrd EUR ausgeschüttet, in der Berichtsperiode waren es
jedoch weniger als 4 Mrd EUR.
Rückschließend auf die angeführten Aktivitäten heimischer Banken
war Rumänien im ersten Halbjahr 2015 die mit Abstand wichtigste
Destination (+1,3 Mrd EUR). Mit Neuinvestitionen von 400 bis 500 Mio
EUR folgten Deutschland, die Schweiz, China, die Vereinigten Emirate,
die Jungferninseln und Großbritannien als Investitionsziele. Weitere
zwölf Länder erhielten mehr als 100 Mio EUR an zusätzlichen
Investitionen aus Österreich, darunter waren mit Slowenien, Kroatien,
Serbien und der Ukraine jedoch nur vier Länder der Region Zentral-,
Ost- und Südosteuropas. Desinvestitionen von mehr als 100 Mio EUR
verzeichnete die Statistik der OeNB hingegen in der Slowakei und der
Tschechischen Republik. Die seit Ausbruch der Finanz- und
Wirtschaftskrise des Jahres 2008 beobachtbare Tendenz, wonach sich
heimische Investoren aus den Transformationsländern zwar nicht
zurückziehen, neue Investitionen aber bevorzugt in anderen Regionen
tätigen, setzte sich also auch im ersten Halbjahr 2015 fort.
Im Einklang mit einem generellen Rückgang des Interesses an
Direktinvestitionen in Europa entwickelten sich die passiven
Direktinvestitionen in Österreich in der ersten Hälfte des laufenden
Jahres mit nur 2,9 Mrd EUR äußerst schwach: Ausländische Investoren
zogen etwa 150 Mio EUR an Eigenkapital ab, ein Vorgang, der im ersten
Halbjahr 2014 zum ersten Mal auftrat. Auch das Volumen der
konzerninternen Kredite wurde um 300 Mio EUR zurückgenommen. Das
positive Gesamtergebnis beruht daher ausschließlich auf einem
Verzicht auf Gewinnausschüttungen: Tatsächlich erhielten ausländische
Investoren in der Berichtsperiode weniger als 2 Mrd EUR an
Dividenden, das ist um eine Milliarde weniger als im
Vergleichszeitraum des Vorjahres oder weniger als die Hälfte des
ersten Halbjahres 2013. Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen
ergaben sich damit Reinvestitionen in der Höhe von 3,3 Mrd EUR.
Trotz des Ausbleibens großer Direktinvestitionen in Österreich gab
es erhebliche regionale Umschichtungen. Ein Beispiel dafür, ist der
Verpackungsspezialist "Constantia Flexibles" des ehemaligen
Turnauer-Imperiums, welcher von einem US-Fonds an einen französischen
Investor verkauft wurde. Im Zuge des Eigentümerwechsels hat sich die
Finanzierungsstruktur hin zu konzernfremdem Kapital verschoben.
Weitere bedeutende Mergers & Acquisitions-Deals waren der Verkauf von
"Duropack" an einen britischen Konzern, sowie der Verkauf von "C.A.T.
oil"- Anteilen zweier österreichischer Großaktionäre an einen auf den
britischen Jungfern-Inseln registrierten Investor.

Weitere statistische Informationen unter statistik.oenb.at und
dieaktuellezahl.oenb.at.

Methodische Anmerkung:
Mit Ausnahme des "Gewinns" und der "reinvestierten Gewinne" beruhen
sämtliche Daten auf Meldungen der betroffenen Wirtschaftseinheiten an
die OeNB. Die Angaben zum Gewinn der Jahre 2014 und 2015 sind
hingegen Schätzungen, da die endgültigen Unternehmensgewinne des
Jahres 2014 erst im Frühjahr 2016 verfügbar sein werden. Die
"reinvestierten Gewinne" sind die Differenz zwischen der
Gewinnschätzung und den laufend gemeldeten Ausschüttungen.

Oesterreichische Nationalbank
Dr. Christian Gutlederer
Pressesprecher
(+43-1) 404 20-6900
[email protected]
www.oenb.at

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