- 19.10.2015, 09:15:01
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Was Führungskräfte schwächt und was sie stärkt Umfrage unter 1.500 Führungskräften in Österreich und Deutschland
Der aktuelle Hernstein Management Reports widmet sich den Belastungs- und Entlastungsfaktoren in den Führungsetagen.
Utl.: Der aktuelle Hernstein Management Reports widmet sich den
Belastungs- und Entlastungsfaktoren in den Führungsetagen. =
Wien (OTS) - Der Aufstieg in eine Führungsposition geht meist mit
einem starken Erfolgs- und Zeitdruck, ständiger Erreichbarkeit und
fehlendem Einklang von Freizeit und Job einher. Dieser Druck ist in
den Ergebnissen des aktuellen Hernstein Management Reports deutlich
spürbar. Der Großteil der 1.500 befragten Führungskräfte in
Österreich und Deutschland fühlt sich fremdgesteuert und so gar nicht
ausgeglichen in der Work-Life-Balance. Als Belastungsfaktor Nr. 1
gilt: Zwischenmenschliches.
Als nicht plan- und abschätzbar beschreiben 48 Prozent der
Führungskräfte ihre eigene Arbeit. 44 Prozent der Befragten geben
mangelnde Pausenmöglichkeiten an. Fehlanzeige gibt es bei der
Work-Life-Balance: 42 Prozent der Befragten sehen die Vereinbarkeit
von Privat- und Berufsleben als nicht gegeben.
Wünsch dir was
Wenn Führungskräfte einen Wunsch frei hätten, würden sie am liebsten
was beim "Zwischenmenschlichen" ändern. 15 Prozent der Befragten
sehen die Zusammenarbeit im Team, Konflikte am Arbeitsplatz, die
Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten sowie
das Arbeitsklima im eigenen Unternehmen veränderungswürdig. "Manager
haben oft ein berufliches Doppelleben: Führen und Leisten. Dieser
Fakt wird vom Umfeld gerne übersehen", so Eva-Maria Ayberk, Leiterin
des Hernstein Instituts. "Sie sind hin- und hergerissen zwischen den
Interessen von Kunden, Chefs und ihren Teams. Und gleichzeitig sollen
sie die richtigen Zahlen liefern." 11 Prozent der Befragten wünschen
sich eine Veränderung der Arbeitsinhalte. 10 Prozente wollen etwas an
der Organisationsstruktur im eigenen Unternehmen verändern: von der
eigenen Position bis hin zu Abbau von Bürokratie.
Persönliche Entlastung
Neben ihren Fach- und Führungsaufgaben sind Führungskräfte auch für
eine Reihe von administrativen Tätigkeiten verantwortlich. Bekommen
sie dabei organisatorische Unterstützung? Nur 9 Prozent verfügen über
eine allein ihnen zugeordnete administrative Assistenz. 34 Prozent
teilen sich eine Assistenz, 35 Prozent sind gänzlich auf sich
gestellt. In dieser Gruppe zeigen sich auch tendenziell höhere
Belastungswerte bei der Bewältigung des eigenen Arbeitspensums.
Bitte nicht stören
Das führt zu Zeitdruck, Unterbrechungen und mangelnden Pausen. Auch
in den Führungsetagen ein großes Thema: 57 Prozent der Führungskräfte
sprechen davon, dass sie die eigene Arbeit nicht frei von
Unterbrechungen erledigen können. "Eine Studie der University of
California aus dem Jahr 2005 fand heraus, dass Führungskräfte
durchschnittlich alle 11 Minuten in ihrer Arbeit unterbrochen werden.
Dann dauert es bis zu 25 Minuten, bis sie wieder in ihre Tätigkeit
hineinfinden", so Eva-Maria Ayberk. "Unterbrechungen reduzieren
langfristig die Leistungsfähigkeit und damit die Produktivität. In
Kombination mit anderen Stressfaktoren können gesundheitliche
Probleme auftreten, die wiederum zu krankheitsbedingten Ausfällen
führen. Weiter gedacht senken Unterbrechungen und die damit
verbundenen Folgen die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens."
Auszeit = Karriere aus?
Wenn es Zeit wird, auf die Bremse zu steigen und die Belastungen
zurückzuschrauben: Welche Möglichkeiten bieten Unternehmen, um die
Reißleine zu ziehen? Die häufigste Verbreitung in Unternehmen haben
Karenzangebote, die über das gesetzliche Maß hinausgehen (52
Prozent). Teilzeitmöglichkeiten (49 Prozent) werden häufig angeboten,
diese werden in überwiegendem Maße von Frauen genutzt: 23 Prozent vs.
11 Prozent bei den Männern. Einen Laufbahnwechsel, also ein Wechsel
zwischen Führungs- und Expertenfunktion, gibt es in 46 Prozent der
Unternehmen, diesen nehmen vor allem junge Führungskräfte in
Anspruch. In einem Viertel aller Unternehmen gibt es die Möglichkeit,
sich in Form eines Sabbaticals für einen längeren Zeitraum aus dem
Spiel zu nehmen. Weniger verbreitet sind Jobsharing-Möglichkeiten. Am
häufigsten genutzt werden Teilzeitmöglichkeiten (15 Prozent) und
Karenzangebote (14 Prozent). Nur jede dritte Führungskraft konsumiert
die Angebote, interessanterweise nutzen die oberen Führungsebenen die
Angebote häufiger. "Ob Stundenreduktion, Jobsharing oder Sabbatical,
bei Führungskräften steht da gerne auch die Frage nach der
Leistungsfähigkeit im Raum. Gerne wird ein Motivationsknick
unterstellt und die Lust am Arbeiten bezweifelt. Und das, obwohl sich
die Rückkehrer nach ihrer Auszeit viel leistungsfähiger, erfrischter
und nicht mehr so betriebsblind fühlen", ist Eva-Maria Ayberk
überzeugt.
Agilität und ein neues Leadership Verständnis
Führungskräfte tragen die Verantwortung, die gesundheitlichen Risiken
ihrer Teams im Auge zu haben. Gleichzeitig sollen sie mit gutem
Beispiel vorangehen. Denn ist die Führungskraft gesund, sind es auch
die Mitarbeitenden. Ein Spagat, der immer mehr herausfordert.
Eva-Maria Ayberk: "Führung und Organisation von gestern sind von
gestern. Angesichts der Flexibilisierung zeigen Organisationen mit
traditionellen Führungsmodellen Abnützungserscheinungen und
funktionieren mehr schlecht als recht. Jede Organisation braucht
Leadership, aber nicht unbedingt Führungskräfte wie wir sie heute
kennen. Was es braucht, ist Agilität und ein neues Leadership
Verständnis"
Hier geht es zum Gesamtreport und zu Infografiken zur freien
Verwendung: http://www.ots.at/redirect/hernstein_report
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