- 15.10.2015, 11:10:17
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E-Wirtschaft diskutierte Geschäftsmodelle, Innovationen und Services der Zukunft
Innovationsstaatssekretär Harald Mahrer sieht Digitalisierung als „Tor zu einer neuen Welt“
Utl.: Innovationsstaatssekretär Harald Mahrer sieht Digitalisierung
als „Tor zu einer neuen Welt“ =
Wien (OTS) - "Energy x.0 - Geschäftsmodelle - Energiedienstleistungen
- Technologien" lautete der Titel des 3. Trendforums. am 14. Oktober.
Harald Mahrer, Staatssekretär im Wissenschafts- und
Wirtschaftsministerium, bezeichnete in seinem Impulsstatement vor
rund 140 Gästen die Digitalisierung als die "größte Veränderung seit
der Erfindung des Buchdrucks".
Wolfgang Anzengruber, Präsident von Oesterreichs Energie verwies auf
den massiven und rapiden Wandel, in dem sich die traditionsreiche
Branche befindet. "Künftig wird es nicht mehr ausreichen,
Kilowattstunden zu verkaufen. Stattdessen müssen die Unternehmen
Servicepakete entwickeln, um die Kunden beim Management ihres
Energiebedarfs und damit ihrer Energiekosten zu unterstützen", so
Anzengruber. Es gehe darum, neue Geschäftsmodelle,
Energiedienstleistungen und Technologien für die zunehmend
digitalisierte Elektrizitätswirtschaft zu finden und einzuführen.
Dabei empfehle sich die Vernetzung mit innovativen Start-ups, die die
Energiewende als Chance betrachten.
Als zentrales Werkzeug des Wandels sieht Anzengruber die
Digitalisierung, die die Interaktion mit den Kunden erleichtert und
damit eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle möglich macht. "Die
europäische Wirtschaft hat genug Daten über ihre Kunden. Aber die
Wertschöpfung daraus ziehen Unternehmen in den USA. Das müssen wir
ändern", betonte Anzengruber.
Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, verwies
auf weitere zentrale Trends: Die neuen Technologien ermöglichten
Kunden erstmals echte Teilnahme an der Stromerzeugung und machen sie
zu aktiven Partnern im System der Elektrizitätsversorgung. Hier sei
die E-Wirtschaft gefordert, konstatierte Schmidt. Strom aus
erneuerbaren Quellen ist zudem die wichtigste Zukunftsenergie. "Der
Einsatz von Strom in den Bereichen Verkehr und Raumwärme ist somit
aus Sicht der Branche ein Ansatzpunkt für erhebliche
Effizienzsteigerungen", so Schmidt.
Dramatische Änderungen
"Die Digitalisierung ist ein Tor in eine neue Welt. Da sie nur mit
elektrischer Energie funktioniert, brauchen wir die E-Wirtschaft, die
die kritische Infrastruktur für die Stromversorgung bereitstellt",
erläuterte Staatssekretär Harald Mahrer. Die Bundesregierung werde
noch im Herbst beginnen, eine "Open-Innovation-Strategie" für
Österreich auszuarbeiten. Er lud die E-Wirtschaft ein, "sich
intensivst einzubringen: "Ich bin von der Innovationskraft der
Branche überzeugt und zähle auf sie." Mahrer erwartet auch
grundlegende Änderungen des Kundenverhaltens und der Kundenwünsche
auf Basis der Digitalisierung. Die Wucht der Entwicklung sei
gewaltig. Schon im Jahr 2030 würden laut aktuellen Schätzungen rund
30 Milliarden Objekte, vor allem Maschinen sowie Sensoren aller Art,
mit dem Internet verbunden sein werden. Das bringe "dramatische
Auswirkungen" auf die gesamte Wirtschaft mit sich.
Energieeffizienz von oben und unten
Andreas Kuhlmann, der vor kurzem bestellte Vorsitzende der
Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), betonte
bei seinem ersten Besuch in Österreich in dieser Funktion,
Energieeffizienz sei ein "Innovationsthema". Erstens würden neue
Maschinenparks installiert, die anderen Anforderungen gerecht zu
werden hätten als die bisher genutzten Anlagen. Zweitens werde die
Digitalisierung die gesamte Systematik der Energieversorgung
verändern. Bisher werde die Energiewende als eine
"Top-down"-Unternehmung betrachtet, die von der Politik eingeleitet
worden sei und von dieser gesteuert werde. Immer häufiger jedoch
würden die Energiekunden selbst initiativ und entwickelten neue
Versorgungsstrukturen. Dies stelle die Energieversorger und die
Netzbetreiber vor erhebliche Herausforderungen. Es gelte, diesen
"Bottom-up"-Ansatz der Energiewende mit dem "Top-down"-Ansatz der
Politik zu verbinden und in Einklang zu bringen.
Produktion umstellen
Laut Brigitte Bach, der Leiterin des Energy Departments am Austrian
Institute of Technology (AIT), ist Energieeffizienz speziell für
Unternehmen "jedenfalls sinnvoll, weil sie Kosten vermeidet." In
Österreich gebe es eine Vielzahl von entsprechenden Initiativen und
Ansätzen. Jedoch fehle ein umfassender Plan: "Wir bräuchten einen
großen Wurf in jedem größeren Unternehmen. Kleine Schritte wie die
Nutzung von Abwärme sind natürlich zu befürworten. Notwendig wäre
jedoch die Umstellung ganzer Produktionsprozesse." So sollten etwa
Konzerne wie die voestalpine versuchen, Stahl ausschließlich mit
elektrischer Energie zu produzieren. Cornelia Daniel, Inhaberin des
Solarberatungsunternehmens Dachgold, forderte, die Politik solle
hinsichtlich Energieeffizienz "die Marschrichtung vorgeben."
Insbesondere gelte es, die Kommunikation zwischen Wissenschaft und
Wirtschaft zu verbessern und zu beschleunigen, da sich der Stand
wissenschaftlicher Erkenntnis rapid ändere. Als besonderes Problem
bezeichnete Daniel die "billige Energie", die Effizienzmaßnahmen
unattraktiv mache. Doch die notwendige Internalisierung externer
Kosten erweise sich als schwierig: "Denn da sind wir bei unpopulären
Themen wie der CO2-Steuer."
Wende braucht Effizienz
"Ohne Energieeffizienz gibt es keine Energiewende", warnte Peter
Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, die
auch als Monitoringstelle laut Energieeffizienzgesetz agiert. In
manchen Schwellenländern wie Indien werde sich der Energiebedarf in
den kommenden Jahrzehnten vervierfachen. Um ihn zu decken, reichten
herkömmliche Technologien nicht mehr aus. Etliche Unternehmen hätten
dies erkannt und entwickelten neue Ideen: "Beispielsweise werden
Baustoffe zunehmend unter dem Aspekt der Energieeffizienz
betrachtet." Traupmann sprach sich dafür aus, bestehende Regulative
für energieeffiziente Geräte zu entrümpeln. "Die Vorschriften für
Kühlgeräte sind so kompliziert, dass niemand mehr wirklich
durchblickt."
Innovation mal 10
Im Vorfeld des diesmaligen Trendforums identifizierte Oesterreichs
Energie zehn besonders innovative Unternehmen, die Produkte und
Dienstleistungen in energienahen Bereichen anbieten.
- Die Cybergrid GmbH hat eine Software entwickelt, mit der sich
Stromerzeuger und -verbraucher zu "virtuellen Kraftwerken"
kombinieren lassen. Die "gebündelte" Energie kann auf Strommärkten
gewinnbringend verkauft werden.
- Die Einkaufsgemeinschaft Dachgold will den Einsatz der Photovoltaik
(PV) im Gewerbebereich forcieren. Durch günstigere
Einkaufskonditionen soll es möglich werden, in den kommenden Jahren
1001 PV-Anlagen bei Gewerbebetrieben zu installieren.
- Die 3F Solar Technologies GmbH hat einen Hybridkollektor
entwickelt, der sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. Das Gerät hat
eine Effizienz von bis zu 75 Prozent und ist vor allem für
Einfamilienhäuser geeignet.
- Der solaren Dampferzeugung für Industriebetriebe hat sich die
Fresnex GmbH verschrieben. Mit einem Concentrated-Solar-Power-Modul
(CSP-Modul) wird Dampf gewonnen und für Produktionsprozesse
bereitgestellt. Die Anlage kann auch in bestehende Systeme zur
Dampfversorgung integriert werden.
- GuhIO ist eine Software, die in Strom verbrauchende Geräte
eingespielt wird. So können diese über das Internet mit anderen
Geräten interagieren oder über Apps gesteuert werden. Dies ist auch
automatisiert möglich.
- Einen Energiesparchip, der Energieverluste von Geräten um bis zu 50
Prozent senkt, bietet Infineon Austria an. Der Chip ermöglicht es
auch, Ladegeräte sowie Netzteile erheblich kompakter und damit auch
leichter zu bauen.
- PECK ist eine Dienstleistung eines Konsortiums aus POS
Architecture, TeamGMI, dem Österreichischen Institut für Bauen und
Ökologie (IBO) und der Tatwort GmbH. Sie eignet sich für Neubauten
wie auch Bestandsanlagen und zeigt binnen kurzer Zeit, ob und wie das
Gebäude auf Plusenergiestandard gebracht werden kann.
- Bei Philips Green Warehouse handelt es sich um ein Komplettpaket
für die Beleuchtung von Logistikzentralen, das aus LED-Lampen und
einer kabellosen Steuerung besteht. Damit werden die LED immer dann
aktiviert, wenn an einer bestimmten Stelle des Gebäudes Licht
benötigt wird. In der Zwischenzeit werden sie gedimmt, was den
Strombedarf senkt.
- Die Meo Smart Home Energy GmbH bietet ein Energiemanagementsystem
für Einfamilienhäuser an. Dieses ermöglicht, den Wärme- und
Stromverbrauch bedarfsgerecht zu steuern und damit die Energiekosten
zu vermindern.
- Vaillant hat ein kompaktes Brennstoffzellengerät entwickelt, das
nicht nur Strom erzeugt, sondern auch eine Brennwert-Einheit enthält.
Dieses eignet sich sowohl für Neubauten als auch für die
Altbausanierung. Der Gesamtwirkungsgrad beläuft sich auf etwa 93
Prozent.
Eine Videopräsentation der Unternehmen sowie eine Beschreibung der
vorgestellten Projekte sind unter
http://oesterreichsenergie.at/veranstaltungen/oesterreichs-energie-tr
endforum/energy-x0.html abrufbar.
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