• 14.10.2015, 11:03:10
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Armutskonferenz: Auftakt zu Aktionstagen - „Reißen wir die Mauern nieder!“

„Niemand ist offiziell für Armut, auch nicht der Finanzminister. Aber Armut wird in Kauf genommen“: Mauer aus prekären Jobs, Austerität, schlechter Schule, Diffamierung.

Utl.: „Niemand ist offiziell für Armut, auch nicht der
Finanzminister. Aber Armut wird in Kauf genommen“: Mauer aus
prekären Jobs, Austerität, schlechter Schule, Diffamierung. =

Wien (OTS) - "Wir reißen die Mauern nieder, die effektive
Armutsbekämpfung und respektvolle Behandlung von Betroffenen
verhindern". Als Auftakt zum internationalen Tag gegen Armut
durchbrach die Armutskonferenz eine "Mauer", welche sich aus
Barrieren zusammensetzte, die erfolgreicher Armutsbekämpfung
entgegenstehen: Willkür, Amtsgewalt, Prekäre Jobs, Wohnkosten,
soziale Ungleichheit, Gesundheitsgefährdung, Austerität, schlechte
Schule, Diffamierung. Im strömenden Regen vor dem Finanzministerium
mischte sich auch der Ruf Armutsbetroffener: "Lasst uns nicht im
Regen stehen!"

Foto:
http://www.armutskonferenz.at/files/aktionstage_reisst-die-mauern-nieder_2015-10-14.jpg

"Sorgen und Ängste gilt es ernst zu nehmen, besonders auch als Sorge
über ungerechte Verhältnisse", so die Armutskonferenz. "Niemand ist
offiziell für Armut, auch nicht der Finanzminister. Aber Armut wird
mittlerweile einfach in Kauf genommen. Zum Beispiel mit Kampagnen
gegen Mindestsicherungsbezieher oder mit im Budget veranschlagten
Kürzungsvorschlägen im Sozialen. Kürzungen bei den sog.
Ermessensausgaben treffen Beratungsstellen für Familien und Kinder in
Not, Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen. Das soziale Netz muss gerade
dann halten, wenn man es am meisten braucht", so die Armutskonferenz.
"Dort zu kürzen, bedeutet Armutsrisken zu erhöhen, statt Armut
nachhaltig zu bekämpfen.

336.000 Menschen von "erheblicher Deprivation" betroffen

Viele der Betroffenen hätten nie gedacht, dass sie einmal in Armut
leben, ihre Biographien sind bunter als es der erste Blick glauben
macht. Die Dauerpraktikantin mit Uni-Abschluss und der
Schulabbrecher, die Alleinerzieherin mit drei Kindern, die früher als
Dolmetscherin in der Welt herum kam, der Langzeitarbeitslose, der
einmal eine Firma geleitet hat. Der junge Mann mit Depressionen, der
sich in sozialen Initiativen engagiert, und die Zugewanderte in der
Leiharbeitsfirma. Der Freund der sich als Ich-AG durchschlägt, und
die - nach einem Bandscheibenvorfall des Vaters - überschuldete
Familie. Ihre Geschichten sind unterschiedliche, ihre
Lebensverähltnisse allesamt prekär.

Mehr als 330.000 Menschen in Österreich sind "erheblich materiell
depriviert", also existentieller Teilhabemöglichkeiten "beraubt"
(lateinisch "depriviert"), leiden neben einem niedrigen Einkommen
auch unter Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen wie Wohnung,
Gesundheit oder Bildung. Auf der anderen Seite besitzen die reichsten
5% des Landes die Hälfte des gesamten Bruttovermögens. Dabei werden
Besitzer hoher Vermögen statistisch nur eingeschränkt erfasst. Die
tatsächliche Ungleichverteilung ist demnach noch viel größer.

"Dauerhafte Armut bei steigendem Reichtum ist kein Naturgesetz. Es
gibt genügend Instrumente und Möglichkeiten in der Schule, beim
Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern", so die
Armutskonferenz.

Herausforderungen stellen: Armutsbekämpfung ist möglich, Armut
ist vermeidbar

Es geht darum, die Schwächen des Sozialstaats zu korrigieren und
seine Stärken zu optimieren. Es geht darum, inklusive Antworten auf
die großen sozialen Herausforderungen und neuen sozialen Risken, wie
etwa prekäre Beschäftigung, Pflege, psychische Erkrankungen oder
Migration zu finden. Es geht um einen Freiheitsbegriff, der auch die
Freiheit der Benachteiligten einschließt. Es geht um ein Verständnis
von Autonomie, das Bedürftigkeit nicht als Gegensatz formuliert. Es
geht um eine Politik des Sozialen, die Bürgerinnen und Bürger sieht,
nicht Untertanen.
Armut ist vermeidbar - auch in Krisenzeiten. Weniger Jobs, weniger
Lohn, weniger Zukunft, weniger Sicherheit sind keine Naturereignisse,
die über uns hereinbrechen.

Programm Aktionstage "Es reicht. Für alle!"

Im Vorfeld des internationalen Tages gegen Armut und soziale
Ausgrenzung (17.10.) ruft die Armutskonferenz unter dem Motto "Es
reicht! Für alle!" zu österreichweiten Aktionstagen auf. An vielen
Orten in Österreich finden von Mittwoch bis Samstag Straßenaktionen,
Protest, Versammlungen, Diskussionen, Irritationen und künstlerische
Events statt.

Programm:
http://www.armutskonferenz.at/files/programm_es-reicht-fuer-alle_2015-10-15.pdf

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