- 12.10.2015, 09:00:01
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Zuversicht in den USA, Unsicherheit im Euro-Raum, fragile Entwicklung in den Schwellenländern
Mittelfristige Prognose für die Weltwirtschaft bis 2020
Utl.: Mittelfristige Prognose für die Weltwirtschaft bis 2020 =
Wien (OTS) - Nach dem Konjunktureinbruch im Jahr 2015 wird Chinas
Wirtschaft auch in den kommenden Jahren langsamer wachsen. Dies hält
die Rohstoffpreise mittelfristig niedrig und erschwert so die
Erholung in Russland und Brasilien, wo zukunftsträchtige
Investitionen während der Rohstoffpreishausse versäumt wurden. Auch
im Euro-Raum dämpft die geringe Investitionstätigkeit die
Wachstumschancen. Das Fehlen wirtschaftspolitischer
Koordinationsmechanismen erhöht die Unsicherheit, und die
nationalstaatlich orientierte Wirtschaftspolitik verstärkt die
Divergenz der Wirtschaftsentwicklung. In den USA sind die
Wachstumsmöglichkeiten besser, da die Folgen der Finanzmarkt- und
Wirtschaftskrise durch eine geschickt kombinierte Geld- und
Fiskalpolitik überwunden wurden und die Erwerbsbevölkerung wächst.
Die Bruchstellen im Gefüge der Weltwirtschaft, die von der
weltweiten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise offengelegt wurden,
prägen die Wachstumstendenzen auch in den kommenden Jahren. Zwei
negative Impulse verdienen hier besondere Beachtung: die
investitionshemmende Unsicherheit im Euro-Raum und die Fragilität der
Entwicklung in den Schwellenländern. Im Euro-Raum fehlt es an
wirtschaftspolitischen Instrumenten, um die im Gefolge der Rezession
entstandene Krise und die Divergenz der Mitgliedsländer nachhaltig zu
lösen. Grundlegende Konstruktionsfehler der Währungsunion,
insbesondere ein Mangel an Ausgleichs- bzw.
Stabilisierungsmechanismen in der Lohn- und Fiskalpolitik, bleiben
bestehen. Daher ist die Unsicherheit weiterhin hoch und die
Investitionsdynamik schwach. Das Wirtschaftswachstum wird im
Euro-Raum mittelfristig 1,4% p. a. betragen.
Ein weiterer negativer Impuls geht von den Schwellenländern aus.
In China schwächte sich die Expansion der Sachgütererzeugung heuer
empfindlich ab. Dies steht in direkter Verbindung mit den
Entwicklungen seit 2007: Die Exportzuwächse, die aufgrund der
weltweiten Wirtschaftskrise eingebrochen waren, wurden durch massive
staatliche Investitionsprogramme ersetzt. Die Überproduktion wurde
nun korrigiert mit entsprechend dämpfenden Effekten auf den
Welthandel und die Rohstoffpreise. Da der Dienstleistungssektor in
China mittlerweile eine wichtige Rolle spielt und die Behörden noch
einigen Interventionsspielraum haben, wird die aktuelle
Konjunkturflaute zwar rasch überwunden werden, die
Trendwachstumsraten sind aber im Prognosezeitraum mit +6% p. a.
geringer als in der Vergangenheit. Der Verfall der Rohstoffpreise
belastet darüber hinaus die rohstoffexportierenden Länder,
insbesondere Russland und Brasilien: Die Investitionsversäumnisse
während der Rohstoffpreishausse ("Dutch Disease") mindern die
mittelfristigen Wachstumschancen (+1,7% p. a. bzw. +1,3% p. a.).
Indiens Wirtschaft als Rohstoffimporteur profitiert hingegen von der
Verbilligung und kann, sofern die Zinswende in den USA nicht
neuerliche Finanzmarktturbulenzen nach sich zieht, mittelfristig mit
+7,2% p. a. kräftiger wachsen als Chinas Wirtschaft.
In den USA sind die Wachstumsperspektiven, gemessen an dem bereits
sehr hohen Pro-Kopf-Einkommen, weltweit weiterhin am besten (+2,5% p.
a.). Die Folgen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise -
Schuldenüberhang im privaten Sektor, hohe Arbeitslosigkeit, geringe
Kreditvergabe - wurden durch eine geschickt kombinierte Geld- und
Fiskalpolitik überwunden. In den kommenden Jahren bleibt die
Fiskalpolitik expansiv ausgerichtet, jedoch werden die Zinssätze
entsprechend der soliden Wirtschaftslage schrittweise angehoben.
Umgekehrt schränken im Euro-Raum Verschärfungen der Fiskalregeln den
Spielraum der öffentlichen Hand weiter ein, die Geldpolitik bleibt
aufgrund des trägen Wachstums und des geringen Preisauftriebes
vorläufig locker. Ihre realwirtschaftliche Wirkung ist aber,
abgesehen von der Schwächung des Euro, gering, da sie nicht durch
fiskalische Impulse ergänzt wird.
Die vorliegende Prognose erstreckt sich über den Zeitraum
2016/2020 und wurde mit dem makroökonometrischen Weltmodell von
Oxford Economics (Global Economic Model) erstellt. Es umfasst
insgesamt 77 Länder; 47 davon werden detailliert abgebildet, darunter
China, USA, die meisten EU-Länder, Indien, Japan, Russland und
Brasilien.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
10/2015.
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