- 30.09.2015, 09:00:01
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Standort Österreich verliert im Ranking des World Economic Forum neuerlich
Wien (OTS) - Der Wirtschaftsstandort Österreich verlor im neuen
Global Competitiveness Ranking des Genfer World Economic Forum zwei
Plätze und liegt nun unter 140 untersuchten Ländern auf dem 23. Rang.
Diese Entwicklung entspricht dem in den letzten Jahren beobachteten
Wachstumsrückstand. Nach Jahren des Krisenmanagements sollte wieder
verstärkt die Standortqualität in den Mittelpunkt der
österreichischen Wirtschaftspolitik rücken.
Der soeben vom World Economic Forum (WEF) in Genf veröffentlichte
Global Competitiveness Report 2015-16 beurteilt die
Wettbewerbsfähigkeit in 140 Ländern (http://www.weforum.org/gcr). Die
Indikatoren bilden vor allem langfristig wirkende Struktureinflüsse
ab, weshalb die Spitzenplätze auch heuer nahezu unverändert blieben:
Die Schweiz nimmt wieder den ersten Rang ein vor Singapur und den
USA. Deutschland rückte auf Rang 4 vor, die Niederlande auf Rang 5.
Unter den europäischen Ländern verbesserte sich nach den
Strukturreformen der letzten Jahre insbesondere das Ranking für
Italien.
Österreich verlor zwei Plätze und rangiert nun hinter Frankreich
und Australien auf Rang 23. Ausschlaggebend dafür waren weniger die
Ergebnisse der Managerbefragung als die vom WEF gesammelten
makroökonomischen Indikatoren. So verlangsamte sich in
Übereinstimmung mit dem geringen Wirtschaftswachstum der letzten
Jahre das Marktwachstum. Negativ wirkt sich auch die von den Kosten
der Abwicklung der Hypo Group Alpe Adria AG geprägte Neuverschuldung
des Bundes aus. Zurückgefallen ist Österreich auch gemessen an den
Indikatoren zu Informations- und Kommunikationstechnologien,
insbesondere zur Nutzung internationaler Breitbandverbindungen sowie
der Durchdringung mit mobilem Breitband.
Der Index anerkennt positive Entwicklungen im österreichischen
Innovationssystem. So spiegelt die Managerbefragung vor allem
Verbesserungen in der Verfügbarkeit qualifizierten Personals in
Forschung und Technik wider. Mit dem 37. Rang wird dieser Indikator
aber noch immer sehr kritisch eingeschätzt. Deutlich besser wird mit
dem 8. Rang die Innovationskapazität der Unternehmen selbst
beurteilt.
Widersprüchlich ist die Bewertung der Effizienz des
Arbeitsmarktes. Mit dem 40. Rang schneidet Österreich gemessen an
diesem Teilindex besonders schlecht ab. Neben den hohen
Lohnnebenkosten bewertet das WEF z. B. das System der
Lohnverhandlungen negativ. Allerdings weist der Teilindex die größten
Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr auf, wobei gerade die
Zusammenarbeit der Tarifpartner in den Arbeitsbeziehungen positiv
hervorgehoben wird.
Das letztere Beispiel unterstreicht die methodischen
Schwierigkeiten internationaler Rankings, die eine Vielzahl an
Indikatoren nach weltweit einheitlichem Standard zusammenfassen
müssen. Dabei gehen zwangsläufig nationale Besonderheiten verloren,
die letztlich erklären, warum Österreich gemessen am
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit dem 5. Platz in der EU (und
weltweit unter den Top 10) deutlich besser abschneidet, als die oben
genannten Rangzahlen vermuten lassen.
Insgesamt gibt der Global Competitiveness Report ein aktuelles
Stimmungsbild wieder, das sich gegenüber dem Vorjahr weiter
verschlechtert hat, wenn auch langsamer als zuletzt. Es ist eine
Mahnung an die Wirtschaftspolitik, nach Jahren des Krisenmanagements
die Aufmerksamkeit wieder vermehrt auf strukturelle Fragen der
Wettbewerbsfähigkeit und Standortqualität zu richten. Österreich muss
in den Bereichen Forschung und Umwelt zu einer Vorreiterstrategie
zurückkehren, die Versäumnisse hinsichtlich Schulreformen und
Vorschulerziehung aufarbeiten, die Effizienz des öffentlichen Sektors
steigern und den Faktor Arbeit nachhaltig entlasten. Dies sind die
Voraussetzungen, um das hohe Wohlstandsniveau in Österreich nicht nur
zu erhalten, sondern auch für die Zukunft weiterzuentwickeln.
Technische Anmerkung
Das World Economic Forum in Genf erstellt seit 2004 den Global
Competitiveness Index (http://www.weforum.org/gcr). Dieser beruht
sowohl auf statistischen Quellen internationaler Organisationen als
auch auf einer umfassenden Managerbefragung (Executive Opinion
Survey). Wettbewerbsfähigkeit wird dabei als die Gesamtheit der
Institutionen, Politiken und Determinanten definiert, welche das
Produktivitätsniveau eines Landes bestimmen. Gerade in den Rängen 5
bis 25 können wegen der großen Leistungsdichte geringe Schwankungen
bereits eine Verschiebung um mehrere Plätze zur Folge haben. Diese
sollte man daher im Einzelfall nicht überbewerten, sondern in ihrer
längerfristigen Entwicklung beachten.
Das WIFO ist österreichischer Partner des WEF und hat wie in den
vergangenen Jahren die österreichische Managerbefragung durchgeführt.
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