• 22.09.2015, 10:42:23
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Floss: Konsumenteninformation notwendiger denn je

Anforderungen sind gewachsen, langfristige Absicherung des VKI nötig

Utl.: Anforderungen sind gewachsen, langfristige Absicherung des VKI
nötig =

Wien (OTS/VKI) - Seit den 1960er-Jahren vertritt der Verein für
Konsumenteninformation (VKI) die Interessen österreichischer
Verbraucherinnen und Verbraucher. Inhalte und Aufgaben haben sich in
dieser Zeit stark gewandelt. "Was sich nicht geändert hat, ist unser
Anspruch nach Unabhängigkeit sowie der Verzicht auf
Werbeeinschaltungen in unserem Testmagazin KONSUMENT", betont
VKI-Geschäftsführer Franz Floss. "Diesen Standard wollen wir auch in
Zukunft beibehalten und dazu brauchen wir vor allem eines:
finanzielle Planungssicherheit." Floss, der mit Ende September nach
mehr als 40 Jahren Tätigkeit im VKI in den Ruhestand geht, plädiert
dafür, Bußgelder der Bundeswettbewerbsbehörde, wie im aktuellen
Regierungsprogramm vorgesehen, dem Konsumentenschutz zu widmen. "Ein
Betrag von zumindest zwei Millionen jährlich würde immerhin die
Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes ermöglichen."

Derzeit arbeitet der VKI einerseits juristisch und beratend,
veröffentlicht gleichzeitig aber auch jedes Jahr rund 115 Waren- und
Dienstleistungstests. "Produkttests gehören seit der Gründung zu
unseren zentralen Aufgaben", erklärt Franz Floss. "Der VKI hat dabei
in der Vergangenheit auch einiges an Pionierarbeit geleistet. So
musste etwa in den frühen Jahren noch vor Gericht darum gestritten
werden, ob im Rahmen von Warentests auch die Namen der Hersteller
genannt werden dürfen - heute eine Selbstverständlichkeit.

Glaubwürdig durch Unabhängigkeit

Blickt man nun auf die vergangenen Jahre zurück, dann zeigt sich
gerade im Bereich der Waren- und Dienstleistungstests eine starke
Entwicklung. In den vergangenen Jahren war hier u.a. ein deutlicher
Zuwachs an privaten Initiativen zu beobachten. "Nicht zuletzt durch
die Verbreitung von Preis- und Produktvergleichsseiten im Internet
ist ein komplett neues Geschäftsfeld entstanden", erklärt Floss. Das
stelle für Konsumentinnen und Konsumenten einerseits eine
Bereicherung, andererseits aber auch ein Risiko dar. "Wirtschaftlich
sind solche Angebote in der Regel entweder auf Werbekunden oder auf
Vermittlungsprovisionen angewiesen. Damit ist ein gewisser
Interessenskonflikt automatisch gegeben."

Unabhängige Instanzen, die Orientierung bieten, seien vor diesem
Hintergrund keineswegs ein Relikt oder Liebhaberei, sondern eine
Investition in die Zukunft. Die Herausforderung für den VKI bestehe
nun darin, den aktuellen Entwicklungen, kürzeren Produktzyklen und
einem geänderten Mediennutzungsverhalten Rechnung zu tragen. "Ich
wünsche mir, dass der VKI diese Aufgaben gut gerüstet in Angriff
nehmen kann", so Floss. "Jetzt ist der Zeitpunkt, um in unabhängigen
Konsumentenschutz zu investieren."

75 Prozent aus Eigenerlösen

Aktuell finanziert der VKI seine Arbeit zu rund 75 Prozent selbst,
vor allem durch den Verkauf des Magazins KONSUMENT sowie anderer
Publikationen. Eine weitere Einnahmequelle sind Gebühren für
Beratungsgespräche oder Sammelaktionen im Bereich Recht. Gefördert
wird der VKI durch Mitgliedsbeiträge der Bundesarbeitskammer und des
ÖGB sowie durch eine Basissubvention des für Konsumentenschutz
zuständigen Sozialministeriums. Landwirtschaftskammer und
Wirtschaftskammer hingegen traten mit Ende 2013 aus dem Verein aus.
Alles in allem betrugen Mitgliedsbeiträge und Förderungen im Jahr
2014 damit rund 3 Millionen Euro.

"Während der Anteil der Eigenerlöse seit der Gründung gesteigert
bzw. lange Zeit konstant gehalten werden konnte, wurden die Beiträge
der Mitglieder insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren über
weite Strecken weder angehoben noch der Inflation angepasst",
kritisiert Franz Floss. Personal- und Sachkosten dagegen seien in
diesem Zeitraum kontinuierlich gestiegen, was dazu führte, dass
wichtige Investitionen verschoben bzw. längerfristige Projekt nicht
gestartet werden konnten. Sinkende Abozahlen im Bereich des
Printmagazins setzten den VKI in den vergangenen Jahren zusätzlich
unter Druck.

Langfristige Perspektive nötig

Trotz dieser oft schwierigen Umstände ist es dem VKI in den
vergangenen Jahren gelungen, auf einigen Gebieten wichtige Impulse zu
setzen. So konnte beispielsweise mit der Aktion Energiekosten-Stop -
dem ersten österreichischen Gemeinschaftseinkauf von Strom und Gas -
eine Öffnung und Belebung des Energiemarktes angestoßen werden. Im
Bereich Lebensmittel und Produkttransparenz wurde die Plattform
lebensmittel-check.at ins Leben gerufen, auf der Konsumentinnen und
Konsumenten selbstständig Produkte melden können. Im Zuge von
Sammelaktionen, Musterprozessen und Verbandsklagen wiederum konnte
der VKI allein im Jahr 2014 rund 30 Millionen Euro für
österreichische Verbraucherinnen und Verbraucher erstreiten. Die
Erfolgsquote vor Gericht betrug dabei 85 Prozent.

"Um diese Arbeit fortzusetzen, vor allem aber um neue Projekte
anstoßen zu können, bemühen wir uns seit geraumer Zeit um eine
langfristig gesicherte Finanzierung", betont Franz Floss. Im
Regierungsprogramm sei vorgesehen, dass dem VKI zu diesem Zweck
Bußgelder der Bundeswettbewerbsbehörde zur Verfügung gestellt werden
- mit Deckelung, je nach Aufkommen und unter Berücksichtigung der
bisher aus den Einnahmen finanzierten Leistungen. "2014 verhängte die
Behörde Strafen in der Höhe von mehr als 20 Millionen Euro. Es
scheint mir gerechtfertigt, dass zumindest ein Teil dieser Gelder
wieder den Konsumentinnen und Konsumenten zugutekommt." Er hoffe nun
auf eine rasche und konsequente Entscheidung, so Floss abschließend.
"Ein Stillstand würde in diesem Fall einen Rückschritt bedeuten."

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