Seniorenbund fordert zum Welt-Alzheimertag: Österreich braucht endlich einen effektiven Plan!

„Nationaler Aktionsplan gegen Demenz“ muss umfassend alle Lebensbereiche einschließen!

Wien (OTS) - Zum morgigen Welt-Alzheimertag betonen die Führungskräfte des Österreichischen Seniorenbundes: "Österreich braucht endlich einen effektiven Aktionsplan gegen Demenz! Eine der größten Herausforderungen für die gesamte Gesellschaft verlangt nach entschlossenem Handeln! Daher muss der in Verhandlung stehende "Nationale Aktionsplan gegen Demenz" alle Lebensbereiche einschließen!"

Ingrid Korosec: Brauchen umfassende Angebote von Tagespflege und Tageszentren! Demenz-Fachwissen muss in allen Ausbildungen Einzug halten!

Ingrid Korosec, Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes und Landesvorsitzende des Wiener Seniorenbundes, hält dazu fest:

"Dementielle Erkrankungen sind für pflegende Angehörige eine große zusätzliche Belastung zur ohnehin bestehenden Betreuungs- oder Pflegezeit. Der "Nationale Aktionsplan gegen Demenz" muss daher vorsehen: Umfassender, flächendeckender Ausbau der mobilen Pflege (durch speziell geschulte Personen) und vor allem Schaffung eines flächendeckenden Angebotes an Tagespflegeplätzen, geeigneten Tageszentren und Ähnlichem. Die Finanzierung ist durch den Pflegefonds sicher zu stellen, der ins Dauerrecht zu übernehmen ist! Zugleich sind bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen zur Nutzung dieser Pflegefondsgelder, zur Kosten- und Qualitätsstruktur dieser Angebote zu vereinbaren."

"Nicht funktionieren kann die Versorgung von dementiell Erkrankten, wenn Betreuerinnnen, Pflege(fach)kräfte, Ärzte etc. nicht über aktuelles und umfassendes Fachwissen verfügen. Der Aktionsplan muss daher die Strategie "Demenz in allen Ausbildungen" enthalten. Damit sind übrigens nicht nur die Pflege- und Gesundheitsberufe gemeint, sondern insgesamt alle Berufsgruppen! Auch den gestaltenden und bauenden Berufsgruppen schadet es nicht zu wissen, wie eine demenzfreundliche Umgebung zu gestalten ist. Auch Rechtsberufe, Polizei und Justiz, Mitarbeiter von Banken oder Versicherungen, etc. können mit den künftig häufiger auftretenden Fällen von dementiell Erkrankten erfolgreicher umgehen, wenn sie zumindest über Basiswissen dazu verfügen. Auch in Handel oder Produktion kann es nicht schaden, die Grundregeln zu kennen", fordert Korosec eine Vorbereitung aller Bevölkerungsgruppen auf die prognostizierten Veränderungen in Österreichs Gesellschaft.

Heinz K. Becker: Vorliegende Entwürfe setzen erst in viel zu später Demenz-Phase an! Medikamentenversorgung der dementiell Erkrankten sicherstellen!

Heinz K. Becker, Generalsekretär des Österreichischen Seniorenbundes, Mitglied des Europäischen Parlamentes und Mitglied der Europäische Alzheimer Allianz, betont:

"Das amerikanische "National Institute on Aging" publizierte im Jahre 2011 drei Phasen der Demenz: die vor-klinische Phase "asymptomatic, preclincal phase"; die vor-dementielle Phase "sympthomatic, pre-dementia phase" und die volle Demenz-Phase "dementai phase". Der aktuell in Diskussion stehende Entwurf des "Nationalen Aktionsplan gegen Demenz" setzt erst in der 3. Phase an, auf dem Stand der Handlungskriterien von 1984! Ein gesamthafter "Nationaler Aktionsplan" anno 2015 muss aber vielmehr schon ab der ersten Phase ansetzen und besonderen Wert auf Prävention legen!"

"Auch die Medikation dementiell Erkrankter gestaltet sich zunehmend problematisch. Innovationen sind für die Patienten nicht in Sicht, die Versorgung erfolgt durch Generika, die zum Teil nicht mehr beworben werden. Daher gehen die Verschreibungen dieser Medikamente zurück. In Deutschland geht DIE Zahl der verschriebenen Medikamente SOGAR INSGESAMT zurück, obwohl die Zahl der Demenzerkrankungen steigt. Der "Nationale Aktionsplan gegen Demenz" muss solchen Entwicklungen in Österreich und international gegensteuern - die aktuelle Entwicklung ist kontraproduktiv. Die Verantwortlichen unserer Sozial- und Gesundheitspolitik sind jetzt gefordert, zu handeln!"

Gertrude Aubauer: Rechtssicherheit für alle Betroffenen schaffen! Reform des Sachwalterschaftsrechts, Vereinfachung und Stärkung von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung!

Mag. Gertrude Aubauer, Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes und ÖVP-Seniorensprecherin im Nationalrat, betont:

"Mit dem Fortschreiten der dementiellen Erkrankung nehmen Einsichts-und Geschäftsfähigkeit im rechtlichen Sinne ab. Dies führt sowohl für die erkrankte Person, als auch für ihre Angehörigen und die gesamte Umgebung zu rechtlicher Unsicherheit. Oft - und manchmal viel zu früh - wird dann zu eine Sachwalterschaft angeregt. Der "Nationale Aktionsplan gegen Demenz" muss daher auch ganz klare Ziele für die rechtlichen Angelegenheiten rund um dementiell Erkrankte festlegen:
Reform des Sachwalterschaftsrechts, an der bereits gearbeitet wird, möglichst rasch erfolgreich abschließen. Vereinfachung und Stärkung von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Aber auch rechtliche Änderungen zum Umgang mit (leicht) eingeschränkter Rechtsfähigkeit müssen vorgesehen und terminlich geplant werden."

Aubauer weiter: "Festgelegen soll man dabei auch Regeln zum Umgang von Behörden, Pflegeheimbetreibern, etc. in der Situation von Antragsstellungen (z.b. Pflegegeld) oder Vertragsabschlüssen (z.B. Heimvertrag) mit den Betroffenen. Beides sind nämlich heute Situationen, in denen häufig Sachwalterschaften angeregt werden. Dass kann, soll und muss künftig deutlich reduziert werden!"

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Seniorenbund
Susanne Walpitscheker
stv. Generalsekretärin
Tel.: 0650-581-78-82
swalpitscheker@seniorenbund.at
www.seniorenbund.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SEN0001