- 17.09.2015, 23:01:35
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Wir müssen unser Mitgefühl globalisieren
Internationales Friedensbild 2015 im Parlament präsentiert
Utl.: Internationales Friedensbild 2015 im Parlament präsentiert =
Wien (PK) - Schauplatz ist der Kongo. In einem der ärmsten Länder der
Welt hält eine junge Frau ihr neugeborenes Baby in den Armen.
Ikonenhaft, wie bei einer Madonna, ruht ihr Blick sanft auf dem
Kleinen. Sie selbst war eines von vielen tausenden Kindern, das durch
sexuellen Missbrauch entstanden ist. Sechs schwerbewaffnete Soldaten
salutieren vor der jungen Mutter, beschützen sie, aus den Läufen
ihrer Waffen ragen Blumen. "Look at me I am beautiful" heißt das Bild
aus einer Fotoserie der belgischen Fotografin Patricia Willocq, das
heute im Parlament mit dem Alfred Fried Photography Award für das
weltbeste Foto 2015 zum Thema Frieden ausgezeichnet wurde. Die
Keynote der Award Ceremony hielt auf Einladung von
Nationalratspräsidentin Doris Bures der indische Kinderrechtsaktivist
und Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi, der in seiner rund
einstündigen programmatischen Rede zur "Globalisierung des
Mitgefühls" aufrief. Die Flüchtlingssituation sieht der
Friedensnobelpreisträger dabei nicht als ausschließlich europäisches
Problem. Gefordert, so Satyarthi, sei die ganze Welt. Die Frage, ob
die Europäische Union nunmehr gescheitert ist, beantwortet er mit
einem klaren Nein. Nichtsdestoweniger beklagte Satyarthi die
Situation von vielen Flüchtlingskindern, die eltern- und heimatlos
auf eine sichere Zukunft hoffen.
Für ihn selbst ist Frieden im Lächeln eines Kindes zu finden. In
seiner Freiheit und Unschuld. Eine friedliche Welt gebe es dabei nur,
wenn man die Rechte von Kindern in den Mittelpunkt der Gesellschaft
rückt. Der beste Schutz gegen Terrorismus und Krieg ist für Satyarthi
die Investition in Bildung. "Lasst uns jedes Herz und jede Tür für
unsere Kinder offen halten. Wir alle sind mit Mitgefühl geboren.
Leiste deinen Beitrag", so sein Appell an das Publikum im Parlament.
Bures: EU muss nun beweisen, dass sie Friedensnobelpreis verdient hat
"Der Krieg klopft an unsere Tür. Nicht mit Waffen und Kanonen.
Sondern mit den nackten Händen derer, die vor Krieg, Terror und
grausamster Verfolgung flüchten müssen", sagte
Nationalratspräsidentin Doris Bures, die in ihren Begrüßungsworten
ein zentrales Augenmerk auf die anhaltende Flüchtlingskrise in Europa
legte. 2012 habe die Europäische Union für Frieden und Versöhnung,
Demokratie und Menschenrechte den Friedensnobelpreis erhalten, nun
müssten "wir alle", wie Bures sagte, beweisen, dass die Union den
größten aller Friedenspreise auch verdient hat. Die EU sei gefordert,
zu zeigen, dass sie nicht nur eine Wirtschaftsunion, sondern auch
eine Solidar- und Wertegemeinschaft ist, so die klare Botschaft der
Nationalratspräsidentin. Möglich hält es Bures aber auch, die
Flüchtlingskrise als Chance für Europa zu nutzen, um ängstliche und
althergebrachte Rezepte aufzugeben und neue Wege einzuschlagen. Der
Alfred Fried Photographie Award ist für sie eine Stimme für den
Frieden aus dem Zentrum der österreichischen Demokratie.
Für den Initiator des Awards, Lois Lammerhuber, stellt die zentrale
Frage rund um den Fotowettbewerb, nämlich "Wie sieht Frieden aus?",
eine Herausforderung dar. Die Gesellschaft wüsste zwar sehr genau wie
Krieg aussehe, die Abwesenheit von Krieg sei aber noch lange nicht
Frieden. "Es ist, so paradox es klingt, ein Wagnis, nach Bildern von
Frieden zu fragen", sagte auch der Vorsitzende der Jury Peter-
Matthias Gaede. Denn der Alfried Fried Photography Award würde gegen
eine alte journalistische These verstoßen. Nämlich, dass schlechte
Nachrichten die eigentlich guten Nachrichten sind. Der Award sei der
Hoffnung und Zuversicht gewidmet, ohne zeitgleich aber als
Illusionstheater gedacht zu sein. Der Frieden habe es an sich,
unscheinbar zu sein. Aber warum, wie Gaede die Frage in den Raum
stellte, sollte unterbelichtet bleiben, was es auch an Schönheit,
friedlichem Zusammenleben und Märchenhaftem auf der Welt gibt?
Eingefangen und visualisiert von Profi-Fotografen.
Giles Duley vom International Press Institute erinnerte in einer
zutiefst emotionalen Rede an die zahlreichen JournalistInnen, die im
vorigen Jahr in Ausübung ihres Berufes ermordet wurden. Laut Duley
war es noch nie so gefährlich wie jetzt, in einem journalistischen
Beruf zu arbeiten. Er selbst verlor vor vier Jahren in Afghanistan
durch eine Landmiene seine beiden Beide und seinen linken Arm. Warum
das Menschen trotzdem machen? Weil sie die Wahrheit erzählen,
Missstände aufzeigen und die Welt gemeinsam ein klein wenig besser
machen wollen, so Duley. "Kein Mensch sollte dafür mit seinem Leben
bezahlen müssen", sagte der britische Fotojournalist und bekam für
seine Worte Standing Ovations.
121 Länder, 3.551 Einreichungen, 14.115 Bilder
2015 haben Fotografen aus weltweit 121 Ländern in 3.551 Einreichungen
und 14.115 Bildern ihren visuellen Zugang zu Frieden sichtbar
gemacht. Die Zahl der EinreicherInnen hat sich zum vorigen Jahr dabei
mehr als verdoppelt, jene der eingereichten Fotografien so gut wie
verdreifacht. Unter den Ländern steht Brasilien mit 615 Einreichungen
ganz vorne, gefolgt von Indien und Deutschland mit jeweils über 370.
Die besten fünf Arbeiten, jene von Carla Kogelmann ("Ich bin
Waldviertel", Deutschland), Dmitrij Leltschuk ("Downshifting in
Belarus", Deutschland), Arthur van Beveren ("Regelbau", Niederlande),
David Martin Huamani Bedoya ("Tururu Roots", Peru) und schließlich
der diesjährigen Siegerin Patricia Willocq ("Look at me I am
beautiful", Belgien) wurden mit der Alfred Fried Medaille geehrt.
Wie sieht Frieden aus?
Ins Leben gerufen wurde der mit 10.000 Euro dotierte Alfred Fried
Photography Award von der Photographischen Gesellschaft und der
Edition Lammerhuber 2013, ausgeschrieben wird er gemeinsam mit dem
Österreichischen Parlament, der Vereinigung der österreichischen
ParlamentsredakteurInnen, der UNESCO und dem International Press
Institute (IPI). Sein Ausgangspunkt ist die Frage "Wie sieht Frieden
aus?", sein Namensgeber Alfred Fried, österreichischer Pazifist,
Schriftsteller und Gründer der Zeitschrift "Die Waffen nieder!", der
1911 selbst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Das Friedensbild des Jahres wird ein Jahr lang im Parlament
ausgestellt. Damit soll von Wien aus ein Zeichen für Frieden gesetzt
werden. (Schluss) keg
HINWEIS: Fotos von der Award Ceremony finden Sie im Fotoalbum auf
www.parlament.gv.at.
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