- 16.09.2015, 09:00:01
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Soziale Unterschiede in Gesundheit und Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung
Wien (OTS) - Gemäß einem europäischen Vergleich anhand einer Reihe
von Gesundheitsindikatoren ist der Gesundheitszustand der über
50-Jährigen in der Schweiz, den Niederlanden und den skandinavischen
Ländern am besten. Österreich rangiert in der Reihung der 15
untersuchten Länder im oberen Mittelfeld. Sowohl für Österreich als
auch für die anderen Länder ergibt sich anhand der Einkommensdaten
ein positiver Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und
Gesundheit. Auch die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen
weist zum Teil soziale Unterschiede auf. Nach Berücksichtigung des
Gesundheitszustandes und somit des Bedarfes zeigt sich grob
gesprochen eine horizontale Gleichverteilung der Inanspruchnahme von
Hausarztbesuchen und Krankenhausaufenthalten. Facharztbesuche
konzentrieren sich dagegen in vielen Ländern und besonders in
Österreich überproportional auf sozial Bessergestellte.
In einem europäischen Vergleich des Gesundheitszustandes der über
50-Jährigen anhand unterschiedlicher Gesundheitsindikatoren nehmen
die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und zum Teil Schweden die
vordersten Plätze ein. Österreich weist schlechtere Gesundheitswerte
als diese Spitzengruppe auf, befindet sich aber ebenfalls im oberen
Mittelfeld der 15 untersuchten Länder. Deutlich unterdurchschnittlich
ist der Gesundheitszustand der Älteren in Ungarn, Polen, Estland und
Spanien.
In allen Ländern ist ein sozialer Gradient im Gesundheitszustand
der Bevölkerung zu verzeichnen, d. h. sozioökonomisch Bessergestellte
sind tendenziell gesünder als Schlechtergestellte. Internationale
Vergleiche der sozialen Unterschiede in der Gesundheitsverteilung
sind mit Vorsicht zu interpretieren, weil die Reihung der Länder
durch die Wahl des Gesundheitsindikators und des Ungleichheitsmaßes
stark beeinflusst werden kann. Sowohl aufgrund der jüngsten
Berechnungen des WIFO als auch aufgrund früherer Forschungsergebnisse
zählt Österreich zu den europäischen Ländern mit einem niedrigen Maß
an sozialer Ungleichheit im Gesundheitszustand der älteren
Bevölkerung.
Analysen in Bezug auf die Inanspruchnahme von Leistungen der
Gesundheitsversorgung bestätigen Ergebnisse aus internationalen
Studien, wonach die primäre Versorgung durch Hausärzte und
Hausärztinnen sowie die stationären Aufenthalte in Österreich wie in
den anderen Ländern überproportional von sozial schwächeren Gruppen
in Anspruch genommen werden. Nach Berücksichtigung des
Gesundheitszustandes und somit des Bedarfs zeigt sich grob gesprochen
eine horizontale Gleichverteilung in der Inanspruchnahme dieser
Leistungen. In Bezug auf Facharztbesuche weist Österreich hingegen
bereits vor Berücksichtigung des Bedarfs eine Ungleichverteilung
zugunsten der Personen mit höherem Einkommen auf. Diese verstärkt
sich, wenn auch der Gesundheitszustand berücksichtigt wird. Demnach
suchen Personen mit einem höheren sozioökonomischen Status deutlich
öfter einen Facharzt auf als Personen mit einem vergleichbaren
Gesundheitszustand, aber einem niedrigeren sozialen Status. Eine
überproportionale Konzentration der Facharztbesuche auf die
bessergestellten sozialen Schichten findet sich nach Berücksichtigung
der Unterschiede im Gesundheitszustand auch in fast allen
europäischen Vergleichsländern, Österreich gehört diesbezüglich aber
zu den Ländern mit der stärksten Ungleichverteilung.
Diese Ergebnisse müssen mit Vorsicht interpretiert werden.
Einerseits geht aus den Daten nicht hervor, wieweit die schwächere
Inanspruchnahme der unteren Einkommensschichten mit einer Form von
Unterversorgung gleichgesetzt werden kann oder ob umgekehrt sozial
bessergestellte Schichten öfter einen Arzt aufsuchen, als auf Basis
ihres Bedarfs notwendig wäre. Die verwendeten Daten eignen sich
ebenso wenig dazu, Aussagen über die Qualität der erbrachten
Leistungen und damit der Gesundheitsversorgung der Einzelpersonen zu
treffen. Auch ist nicht ersichtlich, wieweit der erhöhte Konsum von
fachärztlichen Leistungen der reicheren Bevölkerungsschichten durch
private Krankenversicherung gedeckt ist bzw. dadurch erklärt werden
kann.
Dennoch lassen die vorliegenden Ergebnisse einen Bedarf für eine
vertiefte Erforschung des Zuganges und der Inanspruchnahme von
Gesundheitsversorgung erkennen. Ausgeprägte soziale Unterschiede
zwischen der Häufigkeit von Arztbesuchen werfen die Frage auf,
wieweit das bestehende Gesundheitssystem einen gleichen Zugang zur
Gesundheitsversorgung bei gleichem Bedarf gewährleistet. Soziale
Ungleichheiten können sich darüber hinaus nachteilig auf die
Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems auswirken, etwa weil die
Inanspruchnahme von Präventionsleistungen mit den Arztbesuchen
verknüpft ist und eine ähnliche einkommensbezogene Ungleichheit
aufweist.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
8/2015 (http://monatsberichte.wifo.ac.at/58340)
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