- 08.09.2015, 09:00:01
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Geringes Wachstum der österreichischen Volkswirtschaft im 1. Halbjahr 2015
Wien (OTS) - Das Wachstum des österreichischen BIP beschleunigte sich
im II. Quartal etwas auf 0,3% gegenüber der Vorperiode. Die
gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus dem In- und Ausland verlieh der
heimischen Konjunktur neuerlich keine wesentlichen Impulse. Vor allem
die anhaltende Investitionsschwäche prägt die Wirtschaftsentwicklung
in Österreich auch im 1. Halbjahr. Die vorausschauenden
Wirtschaftsindikatoren deuten für die Folgequartale im Wesentlichen
eine Fortsetzung der verhaltenen Erholung an.
Nach der schwachen Entwicklung zu Jahresbeginn dürfte sich das
weltweite Wirtschaftswachstum im Frühjahr 2015 nur wenig verstärkt
haben. Ein wichtiger Faktor für die geringfügige Besserung war die
Konjunkturbelebung in den USA. In China setzte sich im II. Quartal
die zuvor beobachtete Wachstumsverlangsamung nicht fort, die Risiken
einer stärkeren Abkühlung bleiben jedoch hoch. Trotz der erneuten
Zuspitzung der Staatsschuldenkrise Griechenlands hielt die Erholung
im Euro-Raum an. Trüber war das Konjunkturbild jedoch neben Russland
auch in Brasilien, das in eine ausgeprägte Rezession geraten ist.
Insgesamt wuchs die Weltwirtschaft damit im 1. Halbjahr 2015 nur
mäßig.
Die österreichische Volkswirtschaft entwickelt sich weiterhin
knapp über der Stagnation. Das BIP wuchs im II. Quartal gegenüber der
Vorperiode um 0,3%; der unbereinigte Wert übertraf das
Vorjahresniveau im II. Quartal um 0,5%. Das Wachstum bleibt unter dem
Durchschnitt des Euro-Raumes.
Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus dem In- und Ausland
verlieh der heimischen Konjunktur auch im II. Quartal keine
wesentlichen Impulse. Vor allem die anhaltende Investitionsschwäche
prägte die Entwicklung im 1. Halbjahr. Die privaten Investitionen
leisten seit über einem Jahr einen negativen bzw. keinen
Wachstumsbeitrag. Der öffentliche Konsum weist eine nur geringfügig
stärkere Dynamik auf, sodass die Konsumnachfrage insgesamt um nur
0,1% zunahm.
Für die nächsten Monate kündigen die vorausschauenden
Wirtschaftsindikatoren im Wesentlichen eine Fortsetzung der
verhaltenen Erholung an. Die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests vom
August zeigen nach wie vor eine leicht unterdurchschnittliche
Lagebeurteilung durch die österreichischen Unternehmen. Allerdings
verbesserte sich der Ausblick auf die nächsten Monate zum dritten Mal
in Folge etwas.
Die Inflationsrate lag im Juli mit 1,1% (HVPI) neuerlich deutlich
über dem Durchschnitt des Euro-Raumes (0,2%). Die Differenz nahm
zuletzt weiter zu.
Trotz schwachen Wirtschaftswachstums weitet sich die Zahl der
Beschäftigungsverhältnisse kontinuierlich aus. Im August war sie mit
knapp 3,5 Mio. unselbständig aktiv Beschäftigten um fast 1% höher als
im Vorjahr. Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice gemeldeten
Erwerbslosen überstieg mit knapp 330.000 den Vorjahreswert um 35.000
oder fast 12%. Nach nationaler Berechnungsmethode erreichte die
Arbeitslosenquote im August 8,4% (Juli 2014: 8,1%).
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik
Austria veröffentlichten "saison- und arbeitstägig bereinigten
Veränderungen" der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO
diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als
Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren
Verlauf auf und machen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser
interpretierbar.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
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