- 02.09.2015, 12:24:47
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WIENWOCHE 2015 verlässt die Wohlfühlzonen! Programmpressekonferenz, am 2. September 2015
„Harmonija, na ja …“: in die Geisterbahn, zum Boxclub und ins KleynKunst Theater! 17 Projekte als Störmanöver gegen die Harmonie

Utl.: „Harmonija, na ja …“: in die Geisterbahn, zum Boxclub und ins
KleynKunst Theater!
17 Projekte als Störmanöver gegen die Harmonie =
Wien (OTS) - Von 18. September bis 3. Oktober 2015 setzt die vierte
Ausgabe des Wiener Kulturfestivals WIENWOCHE unter dem Titel
"Harmonija, na ja …" auf Ruhestörung. 17 Projekte legen sich mit dem
"goldenen Mittelweg" an und würdigen dabei Dissens und Konflikt als
Triebkräfte sozialer und kultureller Entwicklung. Sie durchstöbern
Gebrauchsanleitungen aus den Erinnerungen an die Vergangenheit und
entwickeln solche für die Archive der Zukunft: 17 Denkanstöße und
Denkmäler für Widerreden und Widersprüche.
Wie in den vergangenen Jahren präsentiert WIENWOCHE auch 2015 eine
breite Palette an gesellschaftskritischen künstlerischen Formaten:
Zum Auftakt des Festivals führt eine Geisterbahnfahrt im Wiener
Prater durch den "Graus der Geschichte" und in die Untiefen der
österreichischen Vergangenheit. Ein queer-feministischer Boxclub
knüpft an die Tradition jüdischer Sportvereine in Wien an. Der
ehemalige Sans Papier Mohamed Mouaz bereist im Roadmovie "Auf nach
Europa" die Stationen seiner Fluchtroute vom algerischen Tiaret nach
Wien. Das Berliner Zentrum für Politische Schönheit setzt seine
Aufsehen erregende politische Aktionskunst fort und startet die
"Operation Elmsfeuer".
"WIENWOCHE 2015 will gute, aber keine Gute-Nacht-Geschichten
erzählen. Geschichten, die von den Geistern einer Vergangenheit
handeln, an die nicht gerne erinnert wird. Geschichten, die die
verdrängten Taten einstiger großer ‚Held_innen‘ von anno dazumal in
den Mittelpunkt rücken. Und nicht zuletzt Geschichten, in denen
künftige Taten geplant werden, mit denen so gut wie niemand rechnet",
erläutern Can Gülcü und Radostina Patulova, die 2015 zum letzten Mal
Programm und Organisation von WIENWOCHE verantworten.
Wie kaum ein anderes Kulturfestival in Wien ermöglicht WIENWOCHE die
Verwirklichung dissidenter künstlerischer Projekte. Die Orte und
Formen ihrer Umsetzung könnten unterschiedlicher nicht sein: Der
Bogen spannt sich vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen
Widerstands bis zum Wurstelprater, vom Gymnasium in der Brigittenauer
Karajangasse bis ins Weltmuseum, vom Richard Wagner Park in Ottakring
bis zur Universität Wien.
Die Eröffnungsparty - wie alle Veranstaltungen von WIENWOCHE bei
freiem Eintritt - zitiert keinen Geringeren als Wolfgang Amadeus
Mozart. "Beym Arsch ist’s finster" verspricht eine taktlose Revue mit
neu interpretierten Wiener Klassikern und ein Fest für alle
Wiener_innen von unten. Musiker_innen wie 2/8erl in Ehr’n, Fatima
Spar Quintett, oder Nitro Mahalia feat. Gustav lassen mit eigenen
Songs, extremen Covers und bizarren Sounds aufhorchen, die ein
Stadtbild jenseits von Kitsch und Klischees vorstellen.
"Proteste der etwas anderen Art"
"The Black Her*Stories Project" realisiert die ersten queeren
Schwarzen feministischen Filmtage in Wien: mit Kurz-, Spiel- sowie
Dokumentarfilmen, die kämpferisch, künstlerisch oder humoristisch
soziale Kämpfe und Bewegungen sichtbar machen. Im mehrsprachigen
Audiotheater "65 Jahre Klassenharmonie" erzählen "Gastarbeiter_innen"
und Geflüchtete, Gewerkschaftsbosse und Streikende ein Stück
österreichischer Zeitgeschichte: jene von der Sozialpartnerschaft,
die als Stütze der Klassenharmonie unliebsame Arbeitskämpfe
untergraben, verhindert oder niedergeschlagen hat.
Das Gehör für die gesellschaftlichen Verhältnisse schärfen auch die
"Prekärparcours": Im Rahmen geführter Audiospaziergänge fragen sie
anlässlich der 650-Jahre-Feierlichkeiten der Universität Wien nach
prekären Zuständen an der Alma Mater und erzählen von Kämpfen um
deren Beseitigung. Die Vienna Shorts Agentur lädt ebenfalls zum
Stadtwandern. "Money Walks" sind Protestkundgebungen der etwas
anderen Art: Kurzfilmspaziergänge verwandeln den öffentlichen Raum in
cineastische Konfrontations- und Projektionsflächen für die
Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung der Gesellschaft.
"Grabe-wo-du-stehst"
Wie schon im vergangenen Jahr schleicht sich WIENWOCHE in das derzeit
wegen Umbaus geschlossene Weltmuseum ein, um blinde Flecken und
politische Zusammenhänge des ethnografischen Sammelns und Ausstellens
zu thematisieren. Im Rahmen der Ausstellung "Wer hat Angst vor dem
Museum?" legen lateinamerikanische Künstler_innen in ihren
künstlerischen Arbeiten und Performances das koloniale Fundament des
Weltmuseums frei. Die Installation "Juden schauen" thematisiert
stereotypisierende Blicke auf Jüdinnen und Juden und zeigt
künstlerische Arbeiten, die die Perspektive umkehren und
"zurückschauen". Untersucht werden die Sammlungen des Weltmuseums und
des Volkskundemuseums Wien hinsichtlich alter und aktueller
Klischees.
Wie funktioniert Erinnerungsarbeit und zeitgeschichtliche Aufklärung
ohne Zeitzeug_innen? Lassen sich aus der Auseinandersetzung mit
eigenen (Familien)Geschichten Handlungsanleitungen für die Gegenwart
gewinnen? Zwei Projekte im Rahmen von WIENWOCHE 2015 formulieren
Antworten auf derartige Fragen. Mit ihrem "Gedächtniswerkzeug"
"MemoryGames" will Künstlerin Nina Prader ein aktives, dialogisches
Gedenken zwischen Menschen unterschiedlichen Alters und mit
unterschiedlichen Erfahrungen in Gang setzen. Das Diskussionscafé
"Was hast du mitbekommen?" erkundet gegenwärtige Handlungsspielräume,
die sich aus der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ergeben.
Im Zentrum steht die Frage: Was tun mit dem eigenen Vermächtnis?
"Dei Harmonie is ned mei Harmonie"
Handlungsspielräume ausloten - und nutzen! Eine Devise, die auch für
die beiden folgenden Projekte gilt: Im Rahmen der Aktion "Gemma
Richard?" rappen, performen und tanzen Jugendliche in "ihrem Park",
dem Richard Wagner Park in Wien-Ottakring, gegen die Einschränkungen,
die ihnen im öffentlichen Raum und im Leben auferlegt werden. Das
Diskussions- und Vernetzungsforum "Ziviler Gehorsam?" versammelt
Protagonist_innen einer engagierten Asylpolitik in der
Volkshochschule Ottakring. Wie andernorts schwimmen auch in
Österreich Menschen gegen den Strom und widersetzen sich der Asyl-
und Grenzpolitik der EU sowie der österreichischen Bundesregierung.
Auf der Bühne stehen Gemeindevertreter_innen von Alberschwende bis
Neudörfl sowie Aktivist_innen zahlreicher Initiativen, die ihren
Gehorsam den Menschenrechten schenken.
In Dieter Kaufmanns Musiktheater "Lampedusa", nach Elfriede Jelineks
Bühnenstück "Die Schutzbefohlenen, singen junge Darsteller_innen im
Odeon Theater gegen die menschenfeindliche europäische Grenzpolitik
an. Zum Ausklang von WIENWOCHE 2015 treffen schließlich beim
"KleynKunst Theater", im Vindobona Bühnenkunst der Zwanzigerjahre auf
queere Performance oder jiddische Schlager aus Moldawien auf Kabarett
aus Berlin-Kreuzberg.
"Wer das Heute hinterfragt, den Alltag und die Wünsche, das Jetzt und
die Utopie, muss die unheimlich gewordene Harmonie unterbrechen und
neu verhandeln. Nicht einverstanden sein, anecken, dazwischenfunken,
Sand ins Getriebe streuen, entgegentreten, durchkreuzen, behindern.
Und gleichzeitig: entdecken, fantasieren, erfinden, vorausdenken,
planen, organisieren, eingreifen. Letztlich Wege finden, um
Demokratie, Frieden, Gleichheit und Wohlstand miteinander zu teilen,
also: stören, um zu verändern! In diesem Sinne: Lassen Sie sich nicht
stören, stören Sie lieber mit!" so das WIENWOCHE Leitungsteam Can
Gülcü und Radostina Patulova abschließend.
Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/7004/
Über WIENWOCHE
Träger des Kulturprojekts WIENWOCHE ist der 2011 gegründete Verein
zur Förderung der Stadtbenutzung. Sein Ziel ist es, die Entwicklung
gesellschaftspolitischer und kultureller Handlungsräume für
künstlerische, soziokulturelle und zivilgesellschaftliche
Akteur_innen - auch im Sinne einer Rückeroberung städtischen
öffentlichen Raumes - zu fördern. Für die künstlerische Leitung und
Geschäftsführung von WIENWOCHE sind seit 2012 Can Gülcü, Radostina
Patulova (bis 2014 gemeinsam mit Petja Dimitrova) verantwortlich. Mit
1. Jänner 2016 übernehmen Nataša Mackuljak und Ivana Marjanović diese
Aufgabe.
Das Gesamtbudget von WIENWOCHE 2015 beträgt Euro 453.000,-- und wird
zu hundert Prozent aus Mitteln der Stadt Wien / MA7 bestritten.
Informationen zu WIENWOCHE allgemein, zu Projekten und Mitwirkenden
von WIENWOCHE 2015: www.wienwoche.org | www.facebook.com/wienwoche |
www.twitter.com/wienwoche
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