- 31.08.2015, 11:09:17
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"JOSEF FRANK: Against Design" im MAK
MAK-Personale gibt umfassenden Überblick über Josef Franks vielschichtiges Œuvre

Utl.: MAK-Personale gibt umfassenden Überblick über Josef Franks
vielschichtiges Œuvre =
Wien (OTS) - "Man kann alles verwenden, was man verwenden kann",
proklamierte Josef Frank, einer der bedeutendsten Architekten und
angewandten Künstler der Moderne, und war mit diesem undogmatischen,
demokratischen Gestaltungsansatz seiner Zeit weit voraus. Mehr und
mehr gilt Franks Architekturverständnis, das den Komfort über die
Form stellte, als stilbildend. Die Ausstellung "JOSEF FRANK: Against
Design" (MAK-Ausstellungshalle, 16. Dezember 2015 - 3. April 2016)
gibt einen umfassenden Überblick über das vielschichtige Œuvre des
Ausnahmegestalters und ist dabei weit mehr als eine Werkschau. Die
MAK-Personale taucht in Franks komplexe gedankliche und schöpferische
Strategien ein, die im internationalen Design zunehmend eine Rolle
spielen.
Der Ausstellungstitel "Against Design" bringt diese undogmatische
Haltung auf den Punkt: Frank war als "Designer" hochproduktiv,
entwarf eine Fülle von Möbeln und Textilien und war vor allem ein
maßgeblicher Architekt der Moderne, der sich mit allen - auch
sozialpolitischen - Themen des Bauens und Wohnens auseinandersetzte.
Innerhalb der Avantgarde nahm er allerdings eine äußerst kritische
Position ein. Er sprach sich klar gegen die Idee des
Gesamtkunstwerks, standardisierte Garnituren und innovative Formen um
ihrer selbst willen aus. Weder den individuell-künstlerischen
Ansätzen der Wiener Werkstätte noch der funktional maschinellen
Produktion - etwa im Gefolge des Bauhauses - konnte er viel
abgewinnen. Frank bemühte sich um eine sozial und kulturkritisch
motivierte Zweckdienlichkeit, um Wohlbefinden, Wohnlichkeit und
stilistische Vielfältigkeit.
Trotz seiner Relevanz als prägender Gestalter der Moderne ist Josef
Franks Werk bis heute wenig bekannt. Der 1885 in Baden bei Wien
geborene Frank entstammte einer jüdischen Familie und studierte
Architektur an der k. k. Technischen Hochschule in Wien. Der
zunehmende Antisemitismus veranlasste ihn schon im Jahr 1933 zur
Emigration nach Schweden, wo er 1939 die Staatsbürgerschaft annahm.
Während seiner Zeit in Schweden war Frank dem Möbel- und
Einrichtungshaus Svenskt Tenn als wichtigster Designer eng verbunden.
Von 1939 bis 1947 lebte Frank in den USA, wo er an der renommierten
New School of Social Research in New York unterrichtete. Seine
Hoffnungen, als Architekt Fuß zu fassen und sich eventuell in die
Stadtplanung involvieren zu können, wurden allerdings enttäuscht.
Nicht zuletzt mit seinen vielfach noch heute produzierten Entwürfen
für Svenskt Tenn prägte Frank, der 1967 in Stockholm verstarb, das
schwedische Design der Nachkriegszeit.
Die von dem Architekten Hermann Czech und Sebastian Hackenschmidt,
Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten, kuratierte Ausstellung
"JOSEF FRANK: Against Design" spannt einen Bogen von der Entwicklung
von Franks architektonischem Werk, über seine Interieurs und
Möbelentwürfe bis hin zu seinen theoretischen Positionen.
Der Architekt Josef Frank
Als Architekt engagierte sich Frank schon früh für den sozialen
Wohnbau und die Errichtung von Arbeitersiedlungen. Den
Siedlungsgedanken zog er mehrgeschossigen Wohnblöcken eindeutig vor.
Dennoch reichen seine Bauten von Einfamilienhäusern mit Garten über
Villen bis hin zum sozialen Wohnbau. Zwischen 1929 und 1931 entstand
das Haus Beer, das neben dem Haus Moller von Adolf Loos als einer der
bedeutendsten Wiener Bauten im Bereich des privaten Wohnbaus der
1920er Jahre gilt. 1932 wurde unter Franks Leitung die berühmte
Wiener Werkbundsiedlung errichtet, ein gebauter Beitrag zur Debatte
über das befreite Wohnen der Moderne. Frank lud dazu u. a. die
ArchitektInnen Hugo Häring, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Richard
Neutra, Ernst Plischke, Gerrit Rietveld, Margarete Schütte-Lihotzky
und Oskar Strnad ein. Die Siedlung im 13. Wiener Gemeindebezirk - sie
ist bis heute bewohnt - entstand unter der Prämisse höchster Ökonomie
nach dem Beispiel der 1927 errichteten Stuttgarter Weißenhofsiedlung,
aber Franks Auswahl von ArchitektInnen, die in Stuttgart nicht zum
Zug gekommen waren, weist auf seine Skepsis gegenüber Doktrinen und
auf seinen Glauben an Vielfalt hin.
Franks komplexe und kritische Haltung zu den Möglichkeiten von
Architektur und Bauen wird in der Ausstellung vergleichbaren Ansätzen
anderer ArchitektInnen, KünstlerInnen und DesignerInnen
gegenübergestellt. Die Kontextualisierung beginnt mit dem
Renaissance-Architekten Leon Battista Alberti - Franks
Dissertationsthema - und setzt sich beispielsweise mit Adolf Loos,
Josef Hoffmann, Mies van der Rohe und Le Corbusier, Ernst A.
Plischke, Alison und Peter Smithson, Roland Rainer, Robert Venturi,
Christopher Alexander und Rem Koolhaas fort: also durchaus auch mit
zunächst widersprüchlich erscheinenden Positionen. Diese Vergleiche
verstehen sich meist nicht als Hinweise auf wechselseitige Einflüsse;
vielmehr geht es um die Einordnung der Bedeutung von Franks Œuvre im
internationalen Vergleich.
Wohnen im Sinne von Josef Frank
Etwa 70 Wohnungseinrichtungen von Josef Frank sind bekannt: Als
Gestalter von Innenräumen vertrat Frank einen pragmatischen
Designansatz und plädierte für eine normale - aber keinesfalls
normative - Architektur und Gestaltung. Bereits Vorhandenes sollte
dabei ganz selbstverständlich berücksichtigt und intuitiv für den
Gebrauch weiterentwickelt werden. Die Wohnung verstand er nicht als
Designobjekt, sondern als Wohnraum, der nicht unbedingt repräsentativ
oder innovativ sein musste. Gerade heute, angesichts des zunehmenden
Rufs nach Nachhaltigkeit, scheinen Josef Franks ungekünstelte und
unprätentiöse Entwürfe, die auf eine eigenständige freie, aufgeklärte
soziale und bürgerliche Lebenskultur jenseits stilistischer Dogmen
und modischer Konventionen abzielten, aktueller denn je.
Anlässlich der Ausstellung ist es dem MAK gelungen, fast den gesamten
noch existierenden Bestand aus Josef Franks erstem Interieur - der
1910 entstandenen Wohnung Tedesko in Wien - zu erwerben. Im Vergleich
zu späteren Arbeiten lässt diese frühe Einrichtung bereits Franks
charakteristischen, undogmatischen Stil erkennen, der in der
Zwischenkriegszeit die Wiener Wohnkultur mitprägte und auch für
Franks Zeit in Schweden noch seine Gültigkeit behalten sollte.
Against Design
Für sein Wiener Einrichtungsunternehmen Haus & Garten, das er 1925
mit Oskar Wlach gründete, und später für das schwedische Möbel- und
Einrichtungshaus Svenskt Tenn entwarf Frank weit über 1 000
Einzelmöbel und rund 200 Stoffmuster, von denen viele bis heute
fortlaufend produziert werden. Dennoch ging es Frank nicht einfach
darum, neue Formen in die Welt zu setzen, sondern ihm war vor allem
das komplexe Zusammenspiel moderner und historischer Ansätze abseits
von herrschenden "Designdiskursen", die immer wieder zu Doktrinen
führen, wichtig. Als Theoretiker forderte Frank ein, auch Kitsch,
Trivialität und Alltagskultur zuzulassen, was ihn als Vorläufer von
Architekten wie Robert Venturi oder Rem Koolhaas und als
pragmatischen Gegenpol zu den formalistischen Ansätzen des
Internationalen Stils erscheinen lässt. In Franks Idee der
"Wohlfühl-Wohnung" waren auch die Spuren des Erlebten wesentliche,
willkommene Komponenten der individuellen Einrichtung.
Als Gestalter ebenso wie als Architekt vertrat Frank eine
kulturkritisch orientierte, bürgerliche Zweckdienlichkeit. Im
Unterschied zu dogmatisch-erzieherischen Tendenzen des Bauhauses und
der Werkbünde intendierte Josef Frank nicht, eine zukünftige Welt
vorzubereiten und anzukündigen. Frank prägte den Begriff des
Akzidentismus und regte dazu an, die Umgebung so zu gestalten, als
wäre sie durch Zufall entstanden. Als Pionier einer aufklärerischen
Postmoderne trat er vehement für das Normale und Natürliche, das
Sachliche und Spontane ein, das für ihn einen zwar unspektakulären,
aber durchaus überzeugenden, von der Qualität des Zufalls geprägten
Gestaltungsansatz darstellte.
Franks Werkgruppen - Möbel, Zeichnungen, Pläne und Textilien - werden
in Against Design weitgehend im Original gezeigt und durch
zeitgenössische Fotografien und Architekturmodelle ergänzt. Die
Vergleiche zu anderen ArchitektInnen werden vor allem durch
Reproduktionen visualisiert. Im Zusammenhang mit Franks
Weiterentwicklung des Loos’schen Raumplans - "Das Haus als Weg und
Platz" ist der Titel einer Schrift Franks - wird in der
MAK-Ausstellungshalle eine Empore installiert, die auch den Blick von
oben auf die Ausstellung erlaubt.
"JOSEF FRANK: Against Design" ist nach der 1981 gezeigten, von
Johannes Spalt und Hermann Czech kuratierten und von der damaligen
Hochschule für angewandte Kunst (heute Universität für angewandte
Kunst Wien) veranstalteten Ausstellung "Josef Frank. 1885-1967" die
zweite große Auseinandersetzung mit Josef Franks bedeutendem Werk im
MAK.
Zur Ausstellung erscheint eine umfassende Publikation.
Bildmaterial zur Ausstellung steht unter MAK.at/presse zum Download
bereit.
PRESSEDATEN:
Pressekonferenz: Dienstag, 15. Dezember 2015, 10:30 Uhr Eröffnung: Dienstag, 15. Dezember 2015, 19:00 Uhr Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle, MAK, Stubenring 5, 1010 Wien Ausstellungsdauer: 16. Dezember 2015 - 3. April 2016 Öffnungszeiten: Di 10:00-22:00 Uhr, Mi-So 10:00-18:00 Uhr, Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr Eintritt frei Kuratoren: Hermann Czech, Sebastian Hackenschmidt (Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten) Publikation: In Vorbereitung MAK-Eintritt: Euro 9,90/ermäßigt Euro 7,50/Familienkarte Euro 13 Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19
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