- 08.07.2015, 10:01:33
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OeNB: Banken müssen Kostenstrukturen weiter verbessern und Kapital aufbauen
Präsentation des 29. Financial Stability Report der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB)
Utl.: Präsentation des 29. Financial Stability Report der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) =
Wien (OTS) - Die europäischen Finanzmärkte standen in der ersten
Jahreshälfte 2015 weiterhin unter dem Einfluss der expansiven
Geldpolitik des Eurosystems. Auf dem Euro-Anleihemarkt brachte der
seit Ende April 2015 zu beobachtende Anstieg bei den Renditen eine
Normalisierung. Bei der Kreditvergabe der Banken an den
Unternehmenssektor im Euroraum zeichnete sich in den ersten Monaten
2015 eine Erholung ab, gleichzeitig verminderten sich die
Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern des Euroraums. Die
europäische Sanierungs- und Abwicklungsrichtlinie wurde in Österreich
durch das Bundesgesetz über die Sanierung und Abwicklung von Banken
umgesetzt. "Wir sehen damit einen Paradigmenwechsel in der
Bankenregulierung, der die Finanzmarktstabilität in Österreich
nachhaltig stärken wird", sagte Gouverneur Univ.-Prof. Dr. Ewald
Nowotny anlässlich der Präsentation der 29. Ausgabe des Financial
Stability Reports der Oesterreichischen Nationalbank.
Die Kredite der österreichischen Banken an Unternehmen und private
Haushalte verzeichneten bis Mai 2015 positive Wachstumsraten,
wenngleich ihre Dynamik verhalten blieb. Die Kreditpolitik der Banken
gegenüber Unternehmen war im ersten Quartal 2015 weiterhin
vorsichtig, gleichzeitig war jedoch auch die Kreditnachfrage der
Unternehmen sehr moderat, sodass das Investitionswachstum nicht durch
etwaige Kreditangebotsbeschränkungen gedämpft wurde.
Zur Stärkung der Kapitalisierung und damit der Risikotragfähigkeit
des österreichischen Bankensektors hat das
Finanzmarktstabilitätsgremium am 1. Juni 2015 Empfehlungen an die
Finanzmarktaufsicht (FMA) zum Einsatz von makroprudenziellen
Kapitalpuffern beschlossen. "Der Systemrisikopuffer soll die
strukturellen Risiken des österreichischen Bankensektors abfedern,
und der Kapitalpuffer für systemrelevante Institute wird die
Widerstandsfähigkeit der systemrelevanten Banken in Österreich
erhöhen", führte Vize-Gouverneur Mag. Andreas Ittner aus.
Nach wie vor stellen die Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkredite
ein Risiko dar. Das Volumen an Krediten in Schweizer Franken, die den
weitaus größten Teil der Fremdwährungskredite in Österreich
ausmachen, hat sich aufgrund aufsichtlicher Maßnahmen seit Ende 2008
wechselkursbereinigt halbiert. Allerdings bedingte die Aufwertung des
Schweizer Franken zu Jahresbeginn bei Tilgungsträgerkrediten einen
Anstieg der Deckungslücken zwischen dem erwarteten Erlös des
Tilgungsträgers und dem zurückzuzahlenden Kreditbetrag. Ende April
2015 betrug diese Deckungslücke rund 6 Mrd EUR. Haushalte, die
Fremdwährungskredite aufgenommen haben, weisen im Durchschnitt zwar
höhere Einkommen und damit eine höhere Risikotragfähigkeit auf,
gleichwohl sollten sowohl die betroffenen Kreditnehmer als auch die
Banken die Risiken von Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten
proaktiv adressieren.
Das Jahr 2014 war für die österreichischen Banken von strukturellen
Änderungen gekennzeichnet. Obwohl das konsolidierte Jahresergebnis -
nach Verlusten im Vorjahr - mit rund 1,4 Mrd EUR wieder positiv
ausfiel, blieb die Profitabilität weiter unter Druck. Die
strukturelle Ertragsschwäche der österreichischen Banken im Inland
hielt weiter an. Der beginnende Konsolidierungsprozess sollte sich
aber positiv auf die künftige Ertragsentwicklung auswirken. Die
Gewinne der österreichischen Tochterbanken in CESEE gingen im Jahr
2014 signifikant zurück, verursacht unter anderem durch die anhaltend
schlechte Kreditqualität und die Verluste aus
Fremdwährungskreditgeschäften sowie als Folge der geopolitischen
Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. Die Profitabilität der
österreichischen Banken lag damit unter jener von vergleichbaren
europäischen Instituten. "Aus diesem Grund empfiehlt die
Oesterreichische Nationalbank den Kreditinstituten, weiterhin sowohl
an ihrer Kostenstruktur zu arbeiten als auch ertragsseitige
Verbesserungen anzustreben", hielt Vize-Gouverneur Mag. Andreas
Ittner abschließend fest.
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Der halbjährlich in englischer Sprache erscheinende Financial
Stability Report der OeNB enthält regelmäßige Analysen
finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich und im
internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von
Schwerpunktartikeln Spezialthemen im Zusammenhang mit der Stabilität
der Finanzmärkte behandelt.
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