TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 5. Juli 2015 von Liane Pircher "Ein Fünfer für die Schulpolitik"

Tausende Schüler haben sich um ein gutes Zeugnis bemüht. Die Regierung zeigt sich bei der Schulreform als „Sitzenbleiber“.

Innsbruck (OTS) - Schlechter könnten die Nachrichten zum Schulschluss nicht sein: Mit der großen Reform wird es auch nach den großen Ferien nichts. Im Prinzip war jeder Einzelne von uns Eltern oder Schülern naiv, der oder die zuletzt auf so etwas wie eine Aufbruchsstimmung in Sachen Schule hoffte. Die seit Jahren versprochene "große" Schulreform kommt und kommt nicht. Alles bleibt beim Alten: Die rot-schwarze Regierung kämpft seit einer gefühlten Ewigkeit um eine Bildungsreform, kommt aber nie an. Dass die Arbeitsgruppe zur Bildungsreform vier Monate vor dem Zieldatum von Erwin Pröll und Hans Niessl verlassen wurde, lässt nicht auf ein lösungsorientiertes Ergebnis hoffen. Auch nicht dann, wenn in lauten Tönen verkündet wird, dass das Ergebnis planmäßig Mitte November präsentiert werden soll und Bildungsministerin Heinisch-Hosek mit ihrer Schulreform (eher -reförmchen) noch heuer fertig sein will. Trotz aller Schwierigkeiten.
Egal, wie oder wer: Es wird immer unwahrscheinlicher, dass eine "echte" Reform vorgelegt werden kann, die von den Regierungsparteien, der Lehrergewerkschaft als auch zumindest von einer der großen Oppositionsparteien mitgetragen wird. Die einfache Wahrheit ist dagegen: Pädagogisch und ökonomisch steuern wir einer Bildungsmisere entgegen. Ausgelöst durch ausbleibende, aber notwendige Reformen. Die Lissabon-Strategie der EU aus dem Jahr 2000 verfolgte das Ziel, die EU bis 2010 (!) zur "wettbewerbsfähigsten Wirtschaft der Welt" zu machen. Teil dieser Idee wäre ein modernes Schulsystem, damit sich Europa als Wissensgesellschaft weiterentwickeln und in der globalisierten Weltwirtschaft bestehen kann. Jetzt haben wir das Jahr 2015. Und Österreich steht (wieder) in der Bildungspolitik an. Es ist wohl wirklich so, wie es Schriftsteller Robert Menasse einmal formuliert hat: "Bildung ist ein schönes Ideal - aber kein Ideal unserer Gesellschaft."

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