- 04.07.2015, 22:00:16
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 5. Juli 2015 von Liane Pircher "Ein Fünfer für die Schulpolitik"
Tausende Schüler haben sich um ein gutes Zeugnis bemüht. Die Regierung zeigt sich bei der Schulreform als „Sitzenbleiber“.
Utl.: Tausende Schüler haben sich um ein gutes Zeugnis bemüht. Die
Regierung zeigt sich bei der Schulreform als „Sitzenbleiber“. =
Innsbruck (OTS) - Schlechter könnten die Nachrichten zum Schulschluss
nicht sein: Mit der großen Reform wird es auch nach den großen Ferien
nichts. Im Prinzip war jeder Einzelne von uns Eltern oder Schülern
naiv, der oder die zuletzt auf so etwas wie eine Aufbruchsstimmung in
Sachen Schule hoffte. Die seit Jahren versprochene "große"
Schulreform kommt und kommt nicht. Alles bleibt beim Alten: Die
rot-schwarze Regierung kämpft seit einer gefühlten Ewigkeit um eine
Bildungsreform, kommt aber nie an. Dass die Arbeitsgruppe zur
Bildungsreform vier Monate vor dem Zieldatum von Erwin Pröll und Hans
Niessl verlassen wurde, lässt nicht auf ein lösungsorientiertes
Ergebnis hoffen. Auch nicht dann, wenn in lauten Tönen verkündet
wird, dass das Ergebnis planmäßig Mitte November präsentiert werden
soll und Bildungsministerin Heinisch-Hosek mit ihrer Schulreform
(eher -reförmchen) noch heuer fertig sein will. Trotz aller
Schwierigkeiten.
Egal, wie oder wer: Es wird immer unwahrscheinlicher, dass eine
"echte" Reform vorgelegt werden kann, die von den Regierungsparteien,
der Lehrergewerkschaft als auch zumindest von einer der großen
Oppositionsparteien mitgetragen wird. Die einfache Wahrheit ist
dagegen: Pädagogisch und ökonomisch steuern wir einer Bildungsmisere
entgegen. Ausgelöst durch ausbleibende, aber notwendige Reformen. Die
Lissabon-Strategie der EU aus dem Jahr 2000 verfolgte das Ziel, die
EU bis 2010 (!) zur "wettbewerbsfähigsten Wirtschaft der Welt" zu
machen. Teil dieser Idee wäre ein modernes Schulsystem, damit sich
Europa als Wissensgesellschaft weiterentwickeln und in der
globalisierten Weltwirtschaft bestehen kann. Jetzt haben wir das Jahr
2015. Und Österreich steht (wieder) in der Bildungspolitik an. Es ist
wohl wirklich so, wie es Schriftsteller Robert Menasse einmal
formuliert hat: "Bildung ist ein schönes Ideal - aber kein Ideal
unserer Gesellschaft."
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