Studien-Vorabpräsentation in Wien: Wahlbeteiligung, Wahlverhalten und Vertretung der Seniorinnen und Senioren in Europa

ESU: Sommer-Akademie für Senioren-Führungskräfte mit umfassender Politik-Analyse. Umfassende Aussprache zu wirtschaftlichen Sanktionen.

Wien (OTS) - Die gestern in der Politischen Akademie der ÖVP (PolAk) in Wien gestartete 6. Sommer-Akademie für Senioren-Führungskräfte der Europäischen Senioren Union (ESU) die 2015 unter dem Motto "Sicherheit für die Bürger/innen der Europäischen Union" beschäftigte sich am gestrigen Nachmittag mit dem Recht auf aktive Mitbestimmung der älteren Generationen in Europa und deren Nutzung. Lawrence Capelle, Gilles Pittoors und Steven Van Hecke hatten für eine Kooperation des Wilfried Mertens Centre für European Studies (WMCES) mit der ESU die Studie "Senioren bei den Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) 2014 - Wahlbeteiligung, Wahlabsichten und Vertretung" das entsprechende Umfeld einer wissenschaftlichen Studie unterzogen. Zur Vorab-Präsentation der Studienergebnisse in Wien waren Univ.-Prof. Steven Van Hecke, Professor an der Katholischen Universität Leuven (Belgien) und Roland Freudenstein, stv. Direktor und Forschungsdirektor des WMCES gekommen.

Van Hecke und Freudenstein gaben in einer umfassenden Präsentation die ersten Einblicke in die bisher unveröffentlichte Studie:

- 18 Prozent der europäischen Bevölkerung sind derzeit 65 Jahre oder älter, dieser Anteil ist und bleiben steigend - in ganz Europa.

- In allen Ländern sank die Wahlbeteiligung der Gesamtbevölkerung zum EP auf insgesamt 42,54 Prozent (außer in Belgien, wo die Wahlbeteiligung obligatorisch ist) und liegt damit deutlich unter der Beteiligung an den jeweiligen nationalen Wahlen - dies gilt jedoch nicht für die Gruppe der Senioren, wo die Beteiligung stieg (s.u.)!

- Allgemein zur Wahlbeteiligung: Bildung und Alter werden als entscheidende Faktoren für die Wahlbeteiligung bezeichnet. Vergleichende Studien seit den 1930er Jahren zeigen: Wahlbeteiligung ist im jungen Erwachsenenalter gering, steigt mit dem Alter laufend und sinkt erst im hochbetagten Alter wieder - dann aber recht deutlich. Dieses Bild zeigt sich auch in den EP-Wahlen 2014: Die Beteiligung der 18- bis 24jährigen betrug lediglich 28 Prozent, stieg im Alter 25 bis 39 auf 35 Prozent, bei den 44- bis 54 jährigen auf immerhin schon 45 Prozent - und damit über den Durschnitt aller Altersgruppen von 42,5 Prozent. Den höchsten Beteiligungswert erreichten aber die über 55jährigen: von Ihnen nutzen in ganz Europa 51 Prozent ihr Wahlrecht!

- Während die Wahlbeteiligung insgesamt im Laufe der Zeit abgenommen hat (minus 0,5 Prozent im Vergleich zur EP-Wahl 2009) stieg die Senioren-Wahlbeteiligung für die EU 27 um etwa zwei Prozent auf die oben genannten 51 Prozent.

- Im Alter von 75plus sinkt die Wahlbeteiligung allerdings, was nachweislich mit dem beginnenden sozialen Rückzug und beginnenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen dieser Altersgruppe zusammenhängt. Kurz gesagt: gesunde und sozial integrierte Ältere gehen auch mit 75plus mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit zur Wahl - jene, die beides nicht sind mit zunehmender Wahrscheinlichkeit nicht.

- Groß ist auch der Informationsstand zu Europa-Themen zwischen den Generationen. Während in Europa 60 Prozent der Senioren hinsichtlich europäischer Themen als gut informiert betrachtet werden können, gilt dies lediglich für 50 Prozent der Jungen. Senioren treffen daher ihre Wahlentscheidungen auch sehr früh - Wochen vor den Wahlen - und scheinen aufgrund der Studienergebnisse stärker gewohnheitsgemäß und impulsiv als Jüngere.

Die gesamte Studie kann ab 1. Oktober 2015 auf der Homepage des Wilfried Mertens Centre für European Studies (WMCES) abgerufen werden.

Im Dezember 2014 gegründet: "Freunde der ESU" -länderübergreifende Zusammenarbeit von Abgeordneten der EVP

Die Studie befasste sich in der Folge mit Wahlentscheidungen und Wahlabsichten der Älteren in Europa und beleuchtete umfassend die direkte Interessenvertretung der Seniorinnen und Senioren Europas im Europäischen Parlament seit den Wahlen 2014: Neben der interfraktionellen Arbeitsgruppe "Aktives Altern, Solidarität zwischen den Generationen und Familienpolitik" wurde eine seither gegründete Initiative besonders hervorgehoben:

Heinz K. Becker, Generalsekretär des Österreichischen Seniorenbundes, Vizepräsident der Europäischen Senioren Union und 2014 wiedergewähltes österreichisches Mitglied zum Europäischen Parlaments hatte Ende 2014 die Gruppe der "Freunde der ESU" innerhalb der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) initiiert. Seither koordinieren sich EVP-Abgeordneter von immer mehr europäischen Ländern zur Durchsetzung der Seniorenanliegen - insbesondere auch jener Abseits von Pensions-, Pflegethemen - direkt im Europäischen Parlament. Diese Arbeit zeige, so Becker aus den ersten Erfahrungen dieser Zusammenarbeit, dass die älteren Wählerinnen und Wähler sich weniger für das Geburtsalter eines Abgeordneten interessieren, sondern vielmehr auf die Tatsache, ob ihre Einstellungen, Anliegen und Wünsche von den betreffenden Abgeordneten verstanden und auch durchgesetzt werden.

Mag. Prenner (IV) mit Vortrag zu wirtschaftlichen Sanktionen der EU - umfassende Debatte

Großen Dank richten die Organisatorinnen und Organisatoren der sechsten Sommer-Akademie für Senioren-Führungskräfte in Wien an Mag. Andreas Prenner, Bereichsleiter für Finanzen, Personal und Organisation in der Österreichischen Industriellenvereinigung. Mit seinem Referat zu den "Auswirkungen der Sanktionen auf die europäische Wirtschaft" lieferte er fundierte wissenschaftliche Datengrundlagen für die abschließende Diskussion des ersten Seminartages, in der sich die unterschiedlichen historischen und wirtschaftlichen Ausgangsgrundlagen der 23 teilnehmenden europäischen Länder klar wiederspiegelten.

Heute, Samstag, wird die Senioren-Akademie mit Diskussionsbeiträgen von Innenministerin Mag. Johanna Mikl-Leitner und von Elmar Brok, Europa-Abgeordneter und Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses im Europaparlament (am Vormittag), sowie von Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol, Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes, von Christian Kremer, stv. Generalsekretär der EVP (am Nachmittag) fortgesetzt.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Seniorenbund, Susanne Walpitscheker,
stv. Generalsekretärin, Tel.: 0650-581-78-82,
swalpitscheker@seniorenbund.at, www.seniorenbund.at

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